China: Medien Kampagne für die Olympische Spiele 2008
   
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Vom Bauplatz der olympischen Stadions bis zum Trainingsraum der jungendlichen Sportler, vom Telekom High-Technik Büro bis zum Laden für olympische Maskottchen bis hin zum vom Fußballplatz in der Schule : all das besichtigt ein Journalistenteam in Beijing.

Es sind die Vertreter von 41 Medienunternehmen aus ganz China. Das BOCOG (The Beijing Organizing Committee for the Games of XXIX Olympiad) hat sie zu einem viertägigen journalistischen Treffen in Beijing eingeladen. Nach dem Besuch werden sie für ihre Zeitung, ihren Radio- oder Fernsehsender über die Vorbereitung für die Olympischen Spiele 2008 berichten. „Es ist wichtig für uns, den Medienvertretern eine gute Dienstleistung anzubieten“, erläuterte der Vice-Präsident des BOCOG Jiang Xiaoyu im Interview bei dem Treffen. Bereits 2001 hat das BOCOG eine große Medienkampagne in Gang gesetzt. Nach sechs Jahren ist die„Olympiad“ schon zum populären Thema für viele Chinesen geworden.

2007 ist das Highlight-Jahr der „Olympiad“ für Fernsehen und Internet. Seit 1. Januar senden CCTV, der größte chinesische Fernsehsender, und BTV, ein Lokalfernsehsender in Peking, gleichzeitig ihr neues Programm. Im Internet konkurriert das Nr.1 Webportal SINA.COM unter den Sportseiten mit SOHU.COM, die einzige offiziele Webseite für die Olympischen Spiele anbietet.

In anderen klassischen Medien, wie Printmedien, hat die Sportzeitung Titan Weekly eine feste Seite für „Olympiad“. Das lokale Radio in Beijing produziert eine Sendung über die Bewohner in Beijing, deren Leben von den Olympischen Spielen beeinflusst sein wird.

Außerdem können die Chinesen Informationen nicht mehr nur über die klassischen Medien erhalten, sondern auch über Blogs, die Teilnehmer der Olympischen Spiele selbst verfassen.

Werbekampagnen in Beijing

„Sorgen um das Erscheinungsbild von Beijing: Eine saubere Stadt zu Beginn der Olympischen Spiele – eine Aktion für den Umweltschutz.“ Dieser Spruch steht auf dem elektronischen Anzeiger der Straßenbahnen in Beijing. Entlang der Straßen sind neue Zeitungsstände aufgebaut, wo Slogans wie „One World, One Dream“ zu lesen sind oder die fünf Maskottchen der Spiele „Fu Wa“ (Glüchliche Babys) gezeigt werden. Wenn man durch das Shoppingzentrum Wangfujin läuft, trifft man auch immer wieder auf Werbung für die Olympischen Spiele. Nicht nur auf der Straße, auch in der Schule wird für die Spiele geworben. Im April sollen 400,000 Schulbücher zur Idee „Green Olympics“ der Olympischen Spiele 2008 gedruckt werden. Die Bücher behandeln Grundwissen zum Umweltschutz und gehen auf die speziellen Schutzmaßnahmen für die Olympischen Spiele in Beijing ein. Außerdem hat BOCOG die Fachkräfte engagiert, um die Studenten, Beamte und andere Bürger über Benimm-Regeln in anderen Kulturen aufzuklären. Unter dem Motto „People’s Olympics“ soll die Olympiade ein Zeichen in Bezug auf Höflichkeit und Respekt gegenüber den ausländischen Gästen setzen. In dem Viertel Dong Si wird ein Seminar über Zeichentrickfilm für Grundschüler angeboten. Wärend des Kurses machen die Schüler eigene Filme für die Spiele und die Stadt. „Wir brennen die Filme als CD und teilen sie an die Bürger in unseren Vierteln aus “, sagte der Beamte des Viertels. Im Chaoyang-Viertel wird eine Ausstellung ausgehend von der Idee „High-Tech Olympics“ im Citypark organisiert, in der populärwissenschaftliches Wissen über die Olympiade dargestellt wird. Die ganze Werbung und alle Aktionen werden vom BOCOG unterstützt. Der Präsident des BOCOG Liu Qi, auch der KP (Kommunistische Partei) -Chef der Stadt Beijing, sagte in einer Versammlung: “Wir sollten unsere Öffentlichkeitsarbeit verstärken und vor den Spielen eine gute Stimmung durch die Medien in der Bevölkerung schaffen.“


Konkurrenz unter den Fernsehsendern

400 Millionen Menschen weltweit werden die Olympischen Spiele im Fernsehen verfolgen. Ein Viertel von ihnen sind Chinesen. Für sie ist es Gewohnheit, bei CCTV (China Central Television), den führenden Fernsehensender in China, die Olympische Spiele zu schauen. CCTV hat seit vielen Jahren das Monopol, die internationalen Sportereignisse zu übertragen. Hauptgründe dafür waren die hohen Kosten für das Übertragungsrecht. Diese Monopolstellung hat CCTV großen Profit eingebracht. Die Olympiade in Athen hat CCTV 50 Millionen Euro Gewinn durch Werbungen und Sponsoring beschert. Aber in Beijing 2008 wird es anders aussehen. Der Lokalfernsehsender BTV möchte ein Stück vom Kuchen abhaben. BTV, entstanden aus der Fusion von Beijing Television und Beijing Kabel Television, sendet seit 1. Januar gleichzeitig mit CCTV5 (Sport Kanal von CCTV) seine neuen Programme. Die „Beijing Zeitung“ kommentierte, es sei nicht vermeidbar, dass die beiden Fernsehsender in Beijing konkurrierten. BTV hat sechs neue Sendungen in sein Programm gestellt. Außerdem werden viele berühmte Moderatoren durch die Sendungen führen. Momentan sendet BTV um 12Uhr, 15 Uhr und 23 Uhr täglich verschiedene Sendungen zur Olympiade. CCTV5 setzt auch Prominente für ihre Sendungen ein, z. B. für die neue Sendung „Meine Olympiade“. Bekannte Sportler erzählen in der Sendung ihre Geschichten über die Olympiade. CCTV5 sendet täglich von 18:30 Uhr bis 19:25 Uhr Programm zu den Olympischen Spielen. In der Zeit wird CCTV vermutlich eine wichtigere Rolle als BTV für die chinesische Bevölkerung spielen. CCTV überträgt die Spiele in ihren 11 Programmen. CCTV1 sei die Hauptprogramm und CCTV5 werde mit dem olympischen „Fünf Ringen“ Zeichen seit 1. Januar 2008 gesehen, erklärte der Leiter des CCTV- Sportprogrammzentrums in einem Forum über Sportsendungen. Insgesamt 3800 Stunden Programm über die Olympischen Spiele wird von CCTV gesendet.

„Kriege“ zwischen Portalwebseiten

Als der einzige Internet-Sponsor für die Olympische Spiele 2008 kann Charles Zhang, der Vorsitzende von SOHU.COM, seinen Stolz nicht verbergen. Seine SPORT.SOHU.COM ist jetzt Sportwebseite Nr. 2 in China. Diese 1998 gegründete Webseite hat ungefähr 100 Millionen angemeldete Benutzer und 250 Millionen Seitenbesucher täglich. Ihr Konkurrent SINA.COM besetzt in den letzten Jahren den ersten Platz im Sportbereich. Bis jetzt hat SINA.COM 180 Millionen angemeldete Benutzer auf der ganzen Welt, 450 Millionen Seitenbesucher täglich. Nach 2008 wird sich die unterlegende Stellung von SOHU.COM vermutlich ändern. SOHU.COM pflegt enge Beziehungen zu BOCOG. Dadurch konnte das Unternehmen viele Aktionen zu den Olympischen Spiele organisieren, z. B. Video-Interviews zur
Olympiade. Darin laden sie Spezialisten aus verschiedenen Medien ein, über die Spiele zu diskutieren. SOHU.COM hat sich bereit mit neuer Technik auf die Spiele vorbereitet. „Jetzt entwickeln wir viele neue Techniken für Online-Videoübertragung, Websocietys, Blogs, Online-Maps und Übertragung der Nachrichten auf Handys. 2008 wird all das auf unsere Seiten sehr populär sein“, erläutete Zhang in einem Interview. Auf die Aktionen von SOHU.COM hat SINA nicht besonders reagiert. Bis jetzt hat SINA noch keinen Plan für 2008 veröffentlicht. Aber mit ihren vertiefenden Reportagen und ihrem ansprechenden Design gewinnen sie immer viele Seitenbesucher. Ende 2006 wurde der Chef-Redakteur von SINA zum Vize-Vorsitzenden befördert. Deswegen glauben Beobachter, dass SINA
in Zukunft mehr Gewicht auf Inhalte setzen wird.

Auch die anderen Portalwebseiten wie QQ.COM und TOM.COM nützen die Chance, die die Olympiade bietet. QQ.COM ist in diesem Jahr zum ersten Mal vorbei an SINA.COM auf Platz 1 von der Nutzerrankings gesprungen. Während der Spiele senden sie per Messenger alle Nachrichten online an ihre Nutzer, auch aufs Handy. Der Slogan der Webseite lautet: „QQ, dein olympischer Partner“. Mit dem neuen Medium hat QQ.COM unvergleichbare Vorteile gegenüber anderen Webseiten. Derzeit
hat das Webportal 430 Millionen Abonennten, die den Messenger-Dienst nutzen. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Nutzerzahl im nächsten Jahr weiter ansteigen wird. TOM.COM kooperiert mit der bekannten chinesischen Sportzeitung Titan Weekly, um sich gegen diese Konkurrenz zu stärken.

Zeitungen: „Win-Win Modell“

Im Printbereich fahren die Medien eine andere Taktik als Fernsehen und Internet. Die Zeitungen arbeiten zusammen. Im Januar haben sich 34 Abendzeitungen auf einer Versammlung in Südchina getroffen. Sie sind die Mitglieder des Vereins „Nationale Abendzeitung“. Das Hauptthema war die Zusammenarbeit bei Berichten über die Olympischen Spiele. „Unser Slogan für den Verein lautet in diesem Jahr "Das Olympische Jahr früher anfangen“ , sagte der Vereinsvorsitzende Lü Huiming auf der Versammlung. Die Mitglieder diskutierten darüber, wie sie zusammenarbeiten werden, um ihre Gewinne zu maximieren. Sie bezeichnen ihre Zusammenarbeit als „Win-Win Modell“. Die Sportzeitung Titan Weekly, die 50 % des Marktanteils der Sportzeitungen in China besitzt, kooperiert außerdem mit
TOM.COM. Bereits 2004 hat sie mit der Webseite TOM.COM einen Vertrag abgeschlossen, dass sie zusammen den Internet-Benutzern sportliche Inhalte auf ihre Handys schicken. TOM.COM stellt die Technik und Titan Weekly sorgt für die Inhalte. In Beijing produzieren die Printmedien eine eigene neue Zeitung für die Spiele. Die nationale englische Tageszeitung „China Daily“ bringt seit 5. Januar die neue fremdsprachige Zeitung „Olympics Weekly“ heraus. Die lokale Zeitung „Beijing Daily“ hat mit dem BOCOG vereinbart, dass an jedem Mittwoch eine spezielle Seite über Olympische Spiele für ihre Zeitung gedruckt wird.



Andere Medien: Vorbereitungen für die Spiele

Xinhua ist die einzige Nachrichtenagentur in China und bietet ihre Nachrichten weltweit an. Mehr als 200 Journalisten dieser Agentur werden über die Olympischen Spiele in sieben Sprachen berichten. „Vielen ausländische Medienunternehmen, deutsche beispielsweise, wollten von uns Hilfe bei der
Berichterstattung bekommen“, sagte der Verantwortliche der Sportabteilung der Agentur Xu Jiren,“Dafür haben wir uns auch schon vorbereitet.“ Anderen Medien, z.B. das Lokalradio „Beijing Sport Radio“ sendet eine besondere Sendung für die Spiele: „Die Olympische Spiele kommen zu meiner Familie“. Das ist eine Serie über die Geschichte einer bürgerlichen Famile, und wie deren Leben von den Olympischen Spielen beeinflusst sein wird.

Blog und Broadcasting Blog sind momentan in China sehr modern. Viele Sportler schreiben ihre eigenen Blog, z. B. der Basketballspieler Yao in NBA. Das IOC (The International Olympics Committee) hat am 7. Februar erklärt, dass es überlegt, ob die Sportler über das große Ereignis ihre Blogs schreiben dürfen. Sollte das Kommittee zustimmen, würden viele Sportler während der Olympischen Spiele 2008 selbst schreiben. Es würde großen Druck auf die klassischen Berichtenmodelle ausüben. Auf jeden Fall spielen die chinesischen Medien eine ausgezeichnete Show auf ihrer Bühne während der Olympiade 2008.

Quellen

Internet:
www.beijing2008.cn
www.sohu.com
www.xinhuanet.com
www.cctv.com
www.tom.com
www.163.com   
www.qq.com
www.iresearch.com

Zeitungen:

Beijing Zeitung
Jing Zeitung
Jinghua Time
Titan Weekly
Fazhi Abendzeitung
 

Autorin und Copyright
 
Yufan Liu

Yufan Liu, geboren am 12.10.1979, Studentin des Aufbaustudiengangs "Medienpraxis" an der Universität Tübingen. "Bachelor of Literature" der Universität Hunan und Medienstudium an der Sporthochschule Köln. Vor 2002 Organisation von Events und PRarbeit für eine Sportmarketingfirma in Beijing. Seit 2005 Mitarbeiter des "China Journal". Sie liebt Tischtennis und spielt für den TSV Betzingen in der Regionalliga Süd.

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chinaweb.de, März 2007