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1.
Bedeutung der Marke Zu Beginn der industriellen Revolution war der Markt mit identischen Massenprodukten überschwemmt. Ursprünglich war die Marke ein Qualitätszeichen gewesen. Im Laufe der vergangenen 15 Jahre hat sich ihre Rolle gewandelt. Heute ist die Marke selbst mehr und mehr zum Produkt geworden. Sie ist eine freibewegliche Idee oder ein Lebensstil, nicht Produktattribut. Unternehmen wollen, dass ihre Kundschaft nicht nur ihre Marke kennt, sondern sie auch erlebt (vgl. Klein, N., 2001, o. S.). Für Kunden sind Markennamen nicht nur Warenzeichen, Logos, Design und Werbung aller Art, sondern vielmehr psychologische Trägersysteme von kollektiver Bedeutung. Diese Bedeutung wird durch Konfrontation mit einem individuellen und schutzfähigen Zeichen im Gedächtnis aktiviert (vgl. Ahlert, D., 2005, o. S.). Für Unternehmen ist die Marke das wichtigste Kapital. „Die Marke entfaltet
ihren Nutzen als Vertrauensanker, Reputationsmedium, Kostenstraffer und
Umsatzgarant. Und das sowohl bei Absatzmittlern als auch bei Konsumenten“
(Ahlert, D., 2005). In Zeiten von gesättigten Märkten, der wirtschaftlichen Globalisierung und zunehmender Wettbewerbsintensität wird es für Unternehmen immer schwieriger sich über ihre Produkte auf dem Markt zu behaupten. Die Homogenisierung des Produkt- und Leistungsangebots wird immer stärker. Bei vielen Unternehmen erweist sich häufig die starke Marke als Mittel, um einen leistungsfähigeren Absatz im Wettbewerb zu gewinnen (vgl. Ahlert, D., 2005, o. S.). Momentan sind in China über 1.600 deutsche Unternehmen mit Joint Ventures oder eigenen Niederlassungen vor Ort vertreten. Dort gelten völlig andere Wertkonzepte und gesellschaftliche Regeln. Daher kann fast keine Werbung aus dem Westen eins zu eins übertragen oder lediglich in die Landssprache übersetzt werden. Um in China erfolgreich zu sein, müssen Markennamen treffend übersetzt und die Marketingstrategie kulturell angepasst werden (vgl. Hardebeck, G., 2005, S. 1.). Der Absatz von Produkten hängt vor dem Hintergrund zunehmender internationaler Konkurrenz maßgeblich von der Bekanntheit des Unternehmens ab. Es lohnt sich in mehrerer Hinsicht nach einem höheren Bekanntheitsgrad zu streben. Wenn ein Produkt über einen längeren Zeitraum fortwährend benutzt und in anderen Ländern bereits einen guten Ruf besitzt, dann spricht das chinesische Recht von einer Marke. Diese Produkte sollten trotzdem sprichwörtlich in aller Munde sein. Das gilt sowohl für Waren oder Dienstleistungen, als auch für angrenzende Produktbereiche (vgl. Hardebeck, G., 2005, S. 2.). Außerdem kann der Antrag auf ein Warenzeichen nach mehr als fünf Jahren nach ihrer Registrierung bei der zuständigen Behörde in Peking ohne den Status „berühmte Marke“ gestellt werden. Bis vor kurzem sind in China nur einheimische Produkte mit diesem begehrten Status gekennzeichnet worden. Markennamen wie Coca-Cola, Mercedes, Nestlé oder andere Namen haben schon seit längeren weltweit einen hohen Grad an Bekanntheit. Trotzdem haben sie in die Liste der berühmten Marken keine Aufnahme gefunden. Jedoch zeichnet sich eine Öffnung in diesem Bereich ab. Peking hat zuerst 2004 drei ausländischen Marken das Prädikat „berühmt“ zugestanden, nämlich Gillette, Sprite und Giant (vgl. Hardebeck, G., 2005, S. 2.).
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Westliche Marken |
Chinesische Übertragung |
Produkte Branche |
Bedeutung in chinesischer Kultur |
|
Coca Cola |
可口可乐 ke kou ke le |
Getränke |
wohlschmeckend und erfrischend |
|
OMO |
奥妙 au miau |
Waschmittel |
geheimnisvoll und wunderbar |
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SIEMENS |
西门子 si men zi |
Elektrotechnik und Elektronik |
Tor zum Westen |
|
IKEA |
宜家yi jia |
Möbel |
angenehme Familie |
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CHANEL |
香奈尔 xiang nai er |
Parfüm und Kosmetikum |
dauerhaft wohlriechend |
|
Revlon |
露华浓
lu
hua nong |
Kosmetik |
Schönheit aus einem Gedicht |
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L'Oréal |
欧莱雅 ou lai ya |
Kosmetik |
europäische, schön und elegant |
|
Lancôme |
兰蔻lan
kou |
Kosmetik |
Jugendfrische |
|
Clear&Clean |
可伶可俐 ke ling ke li |
Gesichts- reinigung |
hübsch und gescheit |
|
NIKE |
耐克nai ke |
Sportkleidung |
strapazierfähig |
|
Reebok |
锐步 rui
bu |
Sportkleidung |
laufen mit Vitalität |
|
Pampers |
帮宝适 bang bao shi |
Windeln, Babypflege |
um Baby zu helfen |
|
MAGGI |
美级mei ji |
Fertigsuppen |
Leckerbissen |
Table 1: Lautliche und Sinngemäße Übertragung
Ein anderes Verfahren der Übertragung ist, die Übersetzung des Markennamens nach rein lautlichen Gesichtspunkten, ohne auf die Bedeutung zu achten. Die Marke ist dann weltweit mit der gleichen Aussprache standardisiert. Die angestrebte Werbewirksamkeit beziehungsweise der Wiedererkennungswert wird somit deutlich heraufgesetzt (vgl. Vermeer, M., 1995, o. S.).
Dieses Verfahren ist relativ einfach. Man braucht nur gleichlautende Silben auszusuchen, und dazu passende Schriftzeichen zu kombinieren. Die ungezwungene Kombination bildet eine neue Wortgruppe ohne besondere Bedeutung. Zu beachten ist trotzdem, negativ besetzte Schriftzeichen zu vermeiden.
Zum Beispiel hat das amerikanische Luftfahrt-Unternehmen „Boeing“ eine Lösung mit „波音bo yin“ gefunden. Seit mehreren Jahren ist „波音bo yin“ schon ein Begriff im Sinn der Luft- und Raumfahrt geworden. Da es in dieser Branche weniger Konkurrenz gibt, passt die Strategie globaler Standardisierung. Die Werbefunktion wird verstärkt (vgl. Wang, W., o. S.).
Der deutsche LKW -Produzent „MAN“ nutzt
auch dieses Verfahren. Sein Name wurde einfach als „曼man“ übersetzt. Viele andere Beispiele sind zu finden:
wie „DISNEY“ mit „迪斯尼di si ni“, „ADIDAS“ mit „阿迪达斯a di da si“. Diese Namen haben keine
negative oder positive Bedeutung, da die Schriftzeichen nur nach Aussprache
gebildet wurden.
Im Telekommunikationsbereich oder
Modedesign wurden sehr viele Marken nur nach lautlicher Übereinstimmung
übertragen. In der folgenden Tabelle befinden sich erfolgreiche Beispiele für
die Übertragung nach Aussprache:
|
Westliche Marken |
Chinesische Übertragung |
Produkte Branche |
|
NOKIA |
诺基亚nuo
ji ya |
Telekommunikation |
|
MOTOROLA |
摩托罗拉mo tuo luo la |
Telekommunikation |
|
AUDI |
奥迪ao di |
Automobil |
|
BRAUN |
博朗bo lang |
Elektronik |
|
PHILIPS |
飞利浦fei li pu |
Elektronik |
|
COMPAQ |
康柏kon
bai |
Personal Computer |
|
DELL |
戴尔dai er |
Personal Computer |
|
SWATCH |
斯沃琪
si wo qi |
Uhren und Schmuck |
|
TISSOT |
天梭 tian
suo |
Designuhr |
|
SWAROSKI |
施华洛世奇shi hua luo shi qi |
Kunst-Kristalle, Schmuck |
Table 2: Lautliche Übertragung
Unternehmen wie z. B. „IBM“ und „LG“ haben ihre Produkte auf eine gut ausgebildete Zielgruppe positioniert. Deren Markenname wird nicht ins Chinesische übertragen oder übersetzt, sondern direkt in der Fremdsprache und mit Buchstaben auf den Markt gebracht, die Zielgruppe die nötigen Fremdsprachekenntnisse besitzt (vgl. Shen, Z., 2003, o. S.).
Viele Marken der Luxusgüter, insbesondere Designmode, nehmen eine ähnliche Strategie. Die typischen Beispiele finden sich in „BURBERRY“, „PRADA“, „COACH“ usw. Diese Marken werden direkt mit Buchstaben in Medien und Fachzeitschriften beworben (vgl. o. V.1, 2005, S. 30, 48.).
Eine ganz andere Lösung ist die echte Übersetzung. Dabei spielt der ursprüngliche Klang keine Rolle mehr. Diesen Weg hat VW beschritten, in geradliniger Übersetzung heißt „Volkswagen“ auf chinesisch eben auch Massenfahrzeug: „大众汽车da zhong qiche“. Der Name repräsentiert dieselbe Strategie wie in Deutschland. Die Marktpositionierung von VW zielt auf die breiten Volksmassen (vgl. Vermeer, M., 1995, o. S.).
Das deutsche Unternehmen
„Schwarzkopf“ bietet professionelle Haarpflege. In China wurde diese Marke mit
„黑人头hei ren tou“ übersetzt.
Dieser Name stellt das Logo von „Schwarzkopf“ dar. Somit können Kunden beim
ersten Blick sowohl die wörtliche als auch die visuelle Erscheinung im Kopf
behalten.
Der Nahrungsmittelkonzern „Nestlé“ bietet eine große Vielfalt von Produkten. Logo und Marke von Nestlé beinhalten eine Geschichte von über hundert Jahren. So entstanden im Laufe der über 135-jährigen Unternehmensgeschichte hohe Qualitätsansprüche, um den Geschmack der Menschen zu treffen (Vgl. o. V. 2, o. S.).
Die Übersetzung der Marke „雀巢que chao“ gibt die Bedeutung des Logos wieder: Füttern im Vogelnest.

Abb. 11: Logo von
Nestlé
(Quelle: vgl. o. V. 3, 2005, o. S)
Die Marke „Microsoft“ auf
Chinesisch „ 微软wei ruan“ bedeutet „Mikro Software“, und eignet
sich somit zur Charakterisierung der
Produkte. Eine andere amerikanische Dienstleistungsmarke, nämlich
„American Express“, hat die Übersetzung mit der Lösung „联邦快递lian bang kuai di“ gewählt. Das heißt
„schneller Postservice aus USA“.
Das Energie-Getränk „Redbull“ wurde 1995 mit direkter Übersetzung als “红牛hong niu“ auf dem chinesischen Markt eingeführt. Diese Bedeutung passt mit seinem Positionierungsmerkmal zusammen (vgl. o. V. 4, 2005, o. S.).
Nun kann man alle obigen Möglichkeiten kombinieren und einen neuen Namen
schaffen. Teilweise mit lautlicher Übertragung, teilweise als lautliche
Widerspiegelung des Originals. Die wichtigen Punkte bei einer Übersetzung ins
Chinesische sind: lautlich möglichst nahe am Original zu bleiben, bei
gleichzeitiger Beachtung des positiven Sinngehalts (vgl. Vermeer, M., 1995, o.
S.).
Zum Beispiel „Blaupunkt“ wurde zu „蓝宝lan bao“: „lan“ bedeutet blau,
der „Punkt“ wurde zu einem Stein, Edelstein: Saphir („bao“). So wird die
Hochwertigkeit des Produkts hervorgehoben und dem Namen eine starke Werbekraft
beigemessen (vgl. Vermeer, M., 1995, o. S.).
Manche Unternehmen suchen ganz neue Namen. Entweder lautliche oder
sinngemäße Übertragungen werden überhaupt nicht berücksichtigt. Sie behalten
nur das Logo und Farbdesign. Um einen neuen Markennamen zu schaffen, ist es
sehr wichtig, ihn der heimischen Kultur anzupassen und die Eigenschaft der
Produkte zu beachten.
Wie in Abbildung 2 zu erkennen, hat die Knorr AG einem neuen Namen „家乐jia le“ (glückliche Familie) auf
gleichem Grund und Design auf den chinesischen Markt gebracht (vgl. o. V. 5,
2005, o. S.).
Abb. 2: Schaffung neuer Marke (Knorr)
(Quelle: o. V. 5, 2005, o. S.)
Viele Produkte der Procter & Gamble Gruppe wurden so übertragen: Das Logo und Design sind
weltweit identisch. Diese Strategie verstärkt die Werbefunktion der Marke.
Tabelle 3 listet einige Marken auf, die mit dem oben genannten Verfahren
übertragen wurde.
|
Westliche Marken |
Chinesische Übertragung |
Produkte
Branche |
Bedeutung in chinesischer Kultur |
|
Blaupunkt |
蓝宝lan bao |
Autozubehör |
lan: blau, bao: Edelstein |
|
Lufthansa |
汉莎 航空 hansha hangkong |
Dienstleistung, Luftverkehr |
han sha: gleicher Laut, hang kong: Luftverkehr |
|
Wella |
威娜 wei na |
Haarpflege |
wei: gleicher Laut, na: anmutig |
|
Knorr |
家乐Jia le |
Fertigsuppen |
glückliche Familie |
|
Clinique |
倩碧qian
bi |
Kosmetik |
schön und grün |
|
P & G |
宝洁bao
jie |
Konsumgüter |
wertvoll und sauber |
|
Tempo |
得宝de bao |
Papiertaschentücher |
Schatz erhalten |
|
Oil of Olaz |
玉兰油 yu lan you |
Gesichtspflege |
yu lan: Lilie (Magnolia) you: Oil |
Table 3: Kombinationsverfahren
Viele der oben genannten Übertragungen haben sicher beträchtlich zum Erfolg des Produkts in China beigetragen. Diesen Namen muss man auch in China als Warenzeichen eintragen lassen. Natürlich kann man nicht für alle Namen derart gute Übersetzungen finden. Die meisten Unternehmen wollen ihren Namen beziehungsweise den ihres Produkts eben weltweit gleich sehen oder hören. Das ist nicht immer die richtige Strategie, insbesondere nicht in Asien sowie in China. Die Entscheidung sollte daher einem Fachmann überlassen werden, und kann sehr teuer sein. Aber es lohnt sich, einen einzigartigen Namen für einen (potentiell) sehr interessanten Markt festzuschreiben. Denn dieser kann für den Erfolg des Produkts äußerst bedeutsam sein (vgl. Vermeer, M., 1995, o. S.).
Abb. 1: Logo von Nestlé
Abb. 2: Schaffung neuer Marke
(Knorr)
Tab. 1: Lautliche und sinngemäße
Übertragung
Tab. 2: Lautliche Übertragung
Tab. 3: Kombinationsverfahren
Ahlert, D.: Marken sind nicht die Schöpfung von
Markentechnikern, Internet WWW-Seite unter der URL-Adresse: [http://www.absatzwirtschaft.de/psasw/fn/asw/sfn/buildpage/cn/cc_vt/SH/0/aktelem/DOCUMENT_1003
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Wang, Wengang: Top 20 ausgezeichnete Übertragung westlicher Markennamen,
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Xie, Wenjun: IKEA, Entwicklung in China, Internet WWW-Seite unter der
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Yin-Intemann, Y.: Chinesisch – Sprachpraxis im Alltag, Gottfried egert Verlag,
Wilhelmsfeld 2001
8. Autorin und Copyrighthinweis
Dieser Beitrag wurde von Frau Zhen Li im Rahmen einer Seminararbeit an
der FH Darmstadt (Studiengang
BWL, Schwerpunkt Marketing) im Mai 2005 erstellt.
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