Der chinesische Textilmarkt – Handel und Produktion

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Inhaltsverzeichnis                                    

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Geschichte des asiatischen Wirtschaftsraumes
2.2 Stand der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Chinas
2.2.1 Entwicklung seit der Nach Mao Ära
2.2.2 Soziale Anpassungsprobleme in der chinesischen Volkswirtschaft
2.2.3 Folgen für die Handelspartner
2.3 Bestimmungsfaktoren des chinesischen Textilmarktes
2.3.1 Die globalisierte Weltwirtschaft
2.3.2 Sektorale Betrachtung der Textil- und Bekleidungsindustrie
2.3.2.1 Beeinflussungsfaktor Nachfrage
2.3.2.2 Beeinflussungsfaktor Produktionskosten
2.3.2.3 Bestimmungsfaktor technologischer Wandel
2.3.2.4 Bestimmungsfaktor Politik
2.4 Produktion und Handel auf dem chinesischen Textilmarkt
2.4.1 Ort der Produktion
2.4.2 Produktion und Zahlen
2.4.3 Handelsströme (Export, Import)
2.4.4 Konsequenzen für die Textilindustrie der mit China handelnden Volkswirtschaften am Beispiel von Deutschland

3. Schluss

4. Internetadressen verwendeter Literatur

5. Autorin und Copyrighthinweis

1. Einleitung

Der Wegfall der Textilquoten im internationalen Handel zum 01.05 hat Chinas Textil- und Bekleidungsindustrie ins Zentrum des internationalen Interesses gerückt. Textilwaren aus China dominieren schon lange die Weltmärkte. Derzeit beträgt der Anteil Chinas am Welttextilmarkt 19,7% und ist damit eindeutig die Nummer 1. International beginnt die chinesische Textilindustrie nach Wegfall der Quoten im Textilhandel eine noch bedeutendere Rolle zu spielen. Schätzungen zu folge dürften Chinas Textilexporte bis 2008 ein Volumen von 100 bis 120 Milliarden US Dollar erreichen. Der Anteil Chinas am Welttextilhandel würde vorsichtigen Schätzungen zufolge 30 % erreichen. Andere Prognosen gehen von 50 % aus. Diese Entwicklung hat markterschütternde Auswirkungen und ist in den Statistiken der europäischen Importlizenzen abzulesen. Seit Jahresbeginn beantragten Unternehmen aus China in der EU Einfuhrgenehmigungen für 373 Millionen T-Shirts fünfmal soviel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres(1-4/04) bei einem fast um die Hälfte niedrigeren Stückpreis und neunmal mehr Importlizenzen für Strickwaren bei um ein Drittel niedrigeren Preis.

Der Preisrückgang der weltweiten Importe signalisierte den erbitterten Kampf um Marktanteile, denn die gesamten Importmengen wurden nicht größer, aber der Preisrückgang führte zur Verdrängung bisheriger Markteilnehmer. Aufgrund dieser Marktstörung wurde im Juni 2005 ein bilaterales Abkommen über chinesische Exportbeschränkungen im Textilhandel geschlossen. Seither gelten wieder Höchstmengen für 10 Produktkategorien. Um die aufgetürmten Warenberge in europäischen Zolllagern abzufertigen wurde sich im September 05 geeinigt, die Hälfte der betroffenen Mengen auf die Höchstmengen der Folgejahre oder auf noch nicht genutzte Höchstmengen von Baumwollgewebe im Jahr 2005 anzurechnen. Für den befristeten Zeitraum bis Ende 2008 können solche Safeguards, Schutzmassnahmen in Form von Zöllen oder Mengenbeschränkungen im Bereich Textilien und Bekleidung zur Anwendung kommen; sie sollen vorübergehenden Schutz für die heimische Industrie bieten, wenn es im fairen Wettbewerb zu einem sprunghaften Importanstieg kommt. Darüber hinaus wurde ein warenspezifischer Schutzmechanismus eingerichtet, auf den sogar bis Ende 2013 zurückgegriffen werden kann.

Vor welchem Hintergrund sind diese drastischen Entwicklungen in der weltweiten Textil – und Bekleidungsindustrie zu verstehen und welche Handlungsmöglichkeiten gibt es für die anderen Marktteilnehmer, um“ sich mit dem 800 Pfund schweren Gorilla, der mitten in unserem Wohnzimmer steht“, damit meint der Mentor der Theorie zum internationalen Handel Paul Samuelson ,China, zu arrangieren?


2. Hauptteil

2.1 Geschichte des asiatischen Wirtschaftsraumes

Nach Japan und den anderen neu industrialisierten Ländern Ostasiens - Südkorea und Taiwan - hat China binnen 20 Jahren eine so enorme Wachstumsdynamik entfaltet, dass es inzwischen eine wesentliche Rolle in der Weltwirtschaft innehat. China ist sogar dabei, zum eigentlichen Pol der regionalen Handelsbeziehungen zu werden.

Diese Transformation widerlegt die ethnozentrische Sicht des Westens auf Asien, insofern diese unterstellt, dass sich der nahe wie der ferne "Orient" aufgrund unveränderlicher kultureller Faktoren einer Modernität verweigern, die seit der europäischen industriellen Revolution als rein westliche Errungenschaft verstanden wird. Das Ausmaß der Veränderungen im "Okzident" wirft neuerdings eine ganz andere Frage auf: Könnte nicht Asien wieder ins Zentrum der Weltwirtschaft rücken, was die internationalen Gewichte grundlegend verschieben würde? Im New York Times Magazine wurde im Sommer gefragt, ob das 21. Jahrhundert womöglich ein "chinesisches Jahrhundert" sein werde. Denn falls China seine Wachstumsdynamik ohne größere soziale oder politische Brüche aufrechterhalten kann, wird es im Lauf dieses Jahrhunderts unzweifelhaft eine Hauptrolle im internationalen Wirtschafts- und Finanzwesen übernehmen.

Diese Entwicklung würde an die weit zurückliegende Zeit anknüpfen, da Asien eine andere Stellung im Weltsystem innehatte, bevor es im Zuge der Kolonisierung und der industriellen Revolution in Europa zu einem "Nord-Süd-Bruch" und zur Herausbildung von "Dritte-Welt-Regionen" kam. Auf einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten gesehen, lässt sich sagen, dass China wie ganz Asien im Begriff ist, an seine vorkoloniale Geschichte anzuknüpfen. Und damit die Position zurückzugewinnen, die es vor 1800 eingenommen hatte, als es ein Zentrum des internationalen Austauschs war und seine Manufakturwirtschaft die stärkste der Welt.
Damals stand China im Mittelpunkt eines dichten, seit Jahrhunderten bestehenden Netzes regionaler Handelsbeziehungen. Asien als Ganzes war der weltweit wichtigste und profitabelste Wirtschaftsraum. 1776 schrieb Adam Smith, der schottische Begründer der modernen Volkswirtschaftslehre, in seinem Hauptwerk "Der Reichtum der Nationen": "China ist sehr viel reicher als alle Gegenden Europas." Das war den Jesuiten schon lange bekannt. In Pater Jean Baptiste du Haldes vierbändiger China-Enzyklopädie von 1735, die den Philosophen Voltaire zu begeisterten Kommentaren beflügelte und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als Pflichtlektüre für jedes Gespräch über China galt, war von einem blühenden Reich der Chinesen zu lesen, dessen innerer Handelsaustausch unvergleichbar entwickelter sei als der innerhalb Europas.

Hundert Jahre nach dieser "Déscription de la Chine" hatte Europa die Vorherrschaft über die ganze Welt erlangt. Auf jener kleinen, zerfledderten, dem asiatischen Kontinent im Westen angehängten Halbinsel bildete sich in der Folge die Vorstellung heraus, dass der Ferne Osten auf immer in einen vormodernen Zustand gebannt sein werde. Die deutschen Philosophen, allen voran Hegel in seinen für das Chinabild Europas höchst aufschlussreichen "Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte" von 1837, stellten sich China als eine geschlossene eigene Welt vor, "gleichsam noch außer der Weltgeschichte". Für den französischen Historiker und Schriftsteller Ernest Renan war das chinesische Volk ein "Arbeitervolk von wunderbarem handwerklichem Geschick, fast ohne jedes Ehrgefühl", schrieb er 1871. Dieses Volk sei einer "gerechten Behandlung" zuzuführen, was für ihn hieß, dass man ihm eine "hohe Schuld zugunsten der erobernden Völker" abfordern müsse. Solche Sätze wurden auf dem Höhepunkt der Kolonisierung geschrieben. Dabei war vor 1800 der Handelsaustausch zwischen Chinesen, Indern, Japanern, Siamesen, Javanern und Arabern viel intensiver als der innereuropäische Handel. An wissenschaftlichen und technischen Kenntnissen waren die Chinesen den Europäern in vielen Bereichen voraus. "Auf technologischer Ebene war China Europa vor wie nach der Renaissance überlegen", betont der englische Wissenschaftshistoriker Joseph Needham. Das zeigte sich in der Stahl- und Eisenverarbeitung, bei feinmechanischen Erzeugnissen (Uhren), in der Bautechnik (Hängebrücken) und der Produktion von Feuerwaffen.

Kein Wunder also, dass Asien in der Manufakturwirtschaft der damaligen Zeit weltweit absolut führend war. Nach Schätzungen des Genfer Wirtschaftshistorikers Paul Bairoch lag der Anteil Chinas an der globalen Manufakturproduktion im Jahr 1750 bei 32,8 Prozent, der Europas bei 23,2 Prozent, wobei die Bevölkerungszahl mit 207 Millionen für China und 130 Millionen für Europa angegeben wird. Zusammengenommen erreichten Indien und China einen Anteil von 57 Prozent an der globalen Manufakturproduktion; rechnet man die südostasiatischen Länder, Persien und das Osmanische Reich hinzu, kommt man für Asien im weiteren Sinne (ohne Japan) auf nahezu 70 Prozent. Besonders groß war der Vorsprung Asiens bei der Fertigproduktion von Textilien wie etwa bei indischen und chinesischen Baumwoll- und Seidenwaren, also in dem Sektor, der später in der industriellen Revolution Europas - auch exportmäßig - die größte Bedeutung erlangen sollte. Von Bairoch lernen wir des Weiteren, dass 1750 nicht nur die Erzeugung, sondern auch die Wertschöpfung Chinas über dem europäischen Durchschnitt lag. Legt man die oben genannten Bevölkerungszahlen zugrunde, belief sich das chinesische Bruttosozialprodukt pro Kopf auf 228 Dollar gegenüber 150 bis 200 Dollar in den europäischen Ländern. Mit 66 Prozent der Weltbevölkerung stellte Asien im weiteren Sinne damals knapp 80 Prozent der weltweit produzierten Reichtümer her. Fünfzig Jahre später lagen China und Europa beim Pro-Kopf-Niveau des Bruttosozialprodukts gleichauf, während England und Frankreich als einzige europäische Länder schon einen etwas höheren Industrialisierungsgrad als China aufwiesen. Insgesamt bezeichnet der Soziologe und Ökonom André Gunder Frank China und Indien als die beiden "zentralsten" Großräume der Weltwirtschaft. Dabei erklärt er die Wettbewerbsfähigkeit Indiens mit der "relativen und absoluten Produktivität" seiner Textilbranche und der "Vorherrschaft auf dem Weltmarkt der Baumwollwaren", während er China eine "noch größere Produktivität im industriellen und landwirtschaftlichen Bereich, beim Transportwesen (Binnenschifffahrt) und im Handel" zuspricht. Wie man mit Blick auf kleinere, aber prosperierende Staaten wie Siam (heute Thailand) feststellen kann, war diese Dominanz auch jenseits der Grenzen der beiden asiatischen Riesen anzutreffen. Auf der Ebene der Weltökonomie spielten Europa und Amerika, die vor 1800 hauptsächlich auf das atlantische Handelsdreieck beschränkt waren, eine "nicht besonders bedeutende Rolle".

Die hier zusammengestellten Elemente ergeben ein Bild, das der immer noch weit verbreiteten Vorstellung, das Zeitalter des Westens habe um 1500 mit der Entdeckung und der Kolonisierung Amerikas begonnen, radikal widerspricht. Der tiefe Bruch, der sich durch die Welt zieht, erfolgte erst später, im 19. Jahrhundert, mit der Beschleunigung der industriellen Revolution und der kolonialen Expansion, als die globale Herrschaft der Europäer auch den Niedergang der Wirtschaft Asiens bewirkte. Ein Niedergang, der für Indien das quasi vollständige und für China das teilweise Verschwinden ihrer handwerklichen Manufakturen im Verlauf des 19. Jahrhunderts bedeutete.

Dieser Verfall wurde durch einen doppelten Mechanismus bewirkt. Zunächst durch den Vorsprung, den Europa auf der technischen Ebene erringen konnte. Die maschinelle Arbeitsweise des Westens ermöglichte eine wesentliche Steigerung der Produktivität und somit ein explosionsartiges Wachstum der Manufakturbetriebe, deren Produktionskosten ebenso rapide sanken. Zum anderen resultierte die "Entindustrialisierung Asiens" aus ungleichen Handels- und Tauschbeziehungen, die den Kolonien von den Mutterländern aufgezwungen wurden. Auf den indischen und chinesischen Märkten spielte sich der Wettbewerb mit den europäischen Manufakturen im Rahmen eines "Freihandels" ab, der alles andere als frei war. Die Kolonien wurden gezwungen, ihre Grenzen einseitig und ohne Gegenleistung für die europäischen Produkte zu öffnen.

Das war der Grund für den raschen Niedergang, den die Textilindustrie in Indien erlebte, die 1800 in der Baumwollverarbeitung noch führend gewesen war. Indien wurde ein reines Exportland für Rohbaumwolle und musste am Ende des 19. Jahrhunderts schließlich seinen gesamten Eigenbedarf an Textilwaren durch Importe decken. Zu den tragischen Folgen dieser Umwandlung in ein Rohstoff exportierendes Land gehören, abgesehen vom allgemein sinkenden Lebensstandard der Bevölkerung, die verheerenden Hungerepidemien, die dadurch verursacht wurden, dass jetzt Baumwolle statt Nahrungsmittelpflanzen angebaut wurde. Die Chinesen, die Mitte des 19. Jahrhunderts in den beiden Opiumkriegen erst von Großbritannien, dann von Frankreich zum Konsum der aus Indien stammenden Droge gebracht wurden, mussten ungleiche Verträge akzeptieren. Dadurch erfuhr das Land eine partielle Entindustrialisierung v. a. bei der Eisen- und Stahlverarbeitung.

Das Ergebnis war eine Dritte Welt, ein im Laufe des 19. Jahrhunderts stetig wachsendes Gefälle zwischen kolonisierten und kolonisierenden Ländern. Während die chinesischen und indischen Manufakturen um 1800 noch 53 Prozent der Weltproduktion hergestellt hatten, waren es 1900 nur noch 7,9 Prozent. Und während sich das Bruttosozialprodukt in Europa und Asien zu Beginn des 19. Jahrhundert ungefähr die Waage hielt - pro Kopf im Durchschnitt 198 Dollar für Europa und 188 Dollar für die künftige Dritte Welt -, war daraus bereits im Jahr 1860 ein Verhältnis von 2 zu 1 und im Fall Großbritanniens sogar von 3 zu 1 geworden (575 zu 174 Dollar). Diese "bemerkenswerten und schrecklichen Zahlen" (Paul Kennedy) machen deutlich, dass der Einbruch gegenüber Europa nicht nur einen relativen, sondern einen absoluten Rückstand bedeutete. Aufgrund der europäischen Expansion war der Lebensstandard in den kolonisierten Ländern 1860 tiefer gesunken, als er 1800 gewesen war.

Nur Japan und das Königreich Siam konnten sich der Kolonisierung entziehen. Dank der umfassenden Reformen der Meiji-Zeit und dem Entstehen eines starken dirigistischen Staates war Japan das einzige nichtwestliche Land, das ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine erfolgreiche Industrialisierung und Modernisierung betreiben konnte. Darin liegen die Wurzeln der Wirtschaftsblüte, die Japan trotz der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zustande gebracht hat.

Das gilt auch für China. Der wirtschaftliche Aufstieg, den das Land in den letzten 20 Jahren geschafft hat, ist auch ein Produkt seiner langen Geschichte. Der Westen, der sich als das denkende Subjekt in der Geschichte der Anderen zu imaginieren pflegt, wird seine eigene Geschichte künftig neu denken müssen - nicht mehr als glorreiche Ausnahme, sondern als begrenzten Moment im Ablauf der Weltgeschichte.


2.2 Stand der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Chinas

2.2.1 Entwicklung seit der Nach Mao Ära

Die chinesische Wirtschaft befindet sich, wenn man das BIP nach sektoraler Entstehung zugrunde legt auf dem Weg von einem Entwicklungsland zu einem Industrie bzw. Dienstleistungsland. Im Jahre 2004 wurden 15% des BIP von der Landwirtschaft erzeugt, 53% von der Industrie und 32% vom Dienstleistungsbereich. Gleichzeitig leben oder aber sind zumindest gemeldet 60% der Bevölkerung auf dem Land und 40% der Bevölkerung leben in der Stadt. Bis Ende der siebziger Jahre war China eine beinahe geschlossene Volkswirtschaft. Der Außenhandel spielte eine untergeordnete Rolle, ausländische Direktinvestitionen gab es so gut wie gar nicht. Die Außenwirtschaftsbeziehungen standen ganz im Zeichen einer autozentrierten Entwicklung, die China soweit wie möglich vom Weltmarkt abkoppelte. Die Exporte wurden im Rahmen dieser Strategie nur soweit zugelassen als sie die zur Finanzierung der Importe nötig waren.

Die aus Plan-Exporten erzielten Deviseneinnahmen mussten abgeführt werden und wurden im Rahmen der staatlich organisierten Devisenallokation zur Finanzierung geplanter Importe zur Verfügung gestellt. Der Außenhandel wurde bis 1979 über 12 (!) nach Branchen gegliederte Außenhandelsgesellschaften abgewickelt, die als ausführende Organe der zentralen Außenhandelsplanung tätig waren. Das Ergebnis dieses Außenwirtschaftssystems waren Devisenknappheit, ein beschränktes Angebot an Exportgütern und ein Mangel an qualitativ hochwertigen Importen, insbesondere im Investitionsgüterbereich.

Die nach 1978 eingeleiteten Reformen der Außenwirtschaftsbeziehungen eröffnen nun aber auch mittelständischen Unternehmen den direkten Zugang zum chinesischen Markt. Im Rahmen der Außenwirtschaftsliberalisierung wurden mehr und mehr Warenkategorien von dem Lizenzierungsverfahren bei Ex- und Importen ausgenommen und dem Einfluss der staatlichen Außenhandelsgesellschaften entzogen. Ausländische Direktinvestitionen wurden vermehrt zugelassen, zunächst im Rahmen von Joint Ventures (JV, Gemeinschaftsunternehmen), später wurde auch die Gründung von wholly foreign owned enterprises (WFOE, 100 prozentige Tochtergesellschaften ohne chinesische Beteiligung) China befindet sich bei der Transformation seines Außenwirtschaftssystems im Moment auf halbem Weg von einer zentralen Planwirtschaft hin zu einer Marktwirtschaft, deren genaue Ausprägung noch nicht feststeht. Ende der siebziger Jahre war die strategische Funktion der chinesischen Außenwirtschaftsbeziehungen rein komplementärer Natur: Die internationalen Wirtschaftsbeziehungen sollten nur die eigenen Schwächen ausgleichen. Heute besitzt die Außenwirtschaft eine Schlüsselfunktion für die Modernisierung und Stärkung der Leistungsfähigkeit der chinesischen Volkswirtschaft. Dies bedeutet allerdings weder vollständige Abwendung von einer Außenwirtschaftsstrategie der Importsubstitution noch eine ausschließliche Hinwendung zu einer Strategie des exportgetragenen Wachstums. Vielmehr übt sich die chinesische Führung im Unterschied zu den exportorientierten, asiatischen Tigern oder dem noch immer stark protektionistischen Indien seit Jahren in einem Spagat zwischen Importsubstitution und Exportförderung.

Die chinesische Importpolitik steht im Spannungsfeld zwischen Liberalisierung, um eine adäquate Versorgung des Binnenmarktes zu gewährleisten, und Protektion, um die sich in einem raschen Umstrukturierungsprozess befindlichen inländischen Unternehmen wenigstens eine Zeitlang vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Die chinesische Regierung versteht die gegenüber der WTO mit ihrem Beitritt im Jahre 2001 eingegangenen Verpflichtungen als wirtschaftspolitisches Instrument, um den Reformprozess durch "äußeren" Druck zu beschleunigen. Die Liberalisierung bei Warenimporten und Auslandsdirektinvestitionen wird den Konkurrenzdruck auf dem Binnenmarkt verstärken und die großteils sehr heterogene und zersplitterte Industrie zu weiterer Rationalisierung und Umstrukturierung zwingen.

Am dynamischsten in der chinesischen Unternehmenslandschaft sind die Township and Village Enterprises (TVEs). Heute gibt es rund 20 Millionen dieser kleinen und mittleren Unternehmen, die auf ehemalige gewerbliche Volkskommune Betriebe zurückgehen und auf lokaler Ebene in verschiedensten Formen genossenschaftlicher und privater (Familien-) Basis arbeiten. Sie operieren gewinnorientiert und relativ unabhängig von politischer Intervention. Im Gegensatz zu staatseigenen Betrieben, die oft durch Subventionen künstlich am Leben gehalten werden, haben diese Unternehmen keine “soft budget constraints”.

China ist noch keine vollständig integrierte Wirtschaft, sondern eher eine Ansammlung von regionalen Wirtschaftsräumen mit unterschiedlichen Produktionsfaktoren und dementsprechend auch mit unterschiedlichen komparativen Vorteilen. Im Fall Chinas kann zwischen mindestens fünf getrennten Wirtschaftsräumen unterschieden werden. Das sind die schnell wachsenden Küstenregionen, die neuen Industriezonen des Südostens, die aufstrebenden Binnenregionen, die alten Industrien des Nordostens (Automobilindustrie, Stahlindustrie) und das unterentwickelte Hinterland. Diese Segmentierung des chinesischen Marktes wird auch bei der Analyse von internationalen Handelsdaten deutlich. Die Provinz Guangdong zum Beispiel, die oft als der fünfte asiatische Tiger bezeichnet wurde, war 1994 allein für ungefähr 40 Prozent der chinesischen Exporte und Importe verantwortlich. Zusammen mit den anderen sechs Küstenprovinzen Fujian, Zhejiang, Shanghai, Jiangsu, Shandong und Liaoning tätigte Guangdong 1994 75 Prozent aller Importe, über 90 Prozent aller Lohnveredelungsexporte und 67 Prozent der chinesischen Gesamtexporte.

Solche Unterschiede wirken sich auch auf die Produktionsmethoden in den verschiedenen Wirtschaftsräumen aus. In den dynamischen Küstenregionen im Südosten des Landes sind die Arbeitskosten schon jetzt relativ hoch. Deshalb wächst hier bereits der Druck, Produktion und Export auf technologisch höhere und damit kapitalintensivere Aktivitäten auszurichten.

Das Niedriglohn-Hinterland mit einem Jahreseinkommen von wenigen hundert US-$ pro Kopf wird die Küstenregionen dagegen auch weiterhin mit Primärgütern und arbeitsintensiven Produkten versorgen. Die Küstenregionen werden im Idealfall die Industrialisierung des Hinterlandes fördern, indem sie selbst in die kapitalintensivere und technologisch anspruchsvollere Produktion einsteigen.

Die niedrigen Lohnkosten sind der wichtigste Grund für Chinas Konkurrenzfähigkeit, wenn es um arbeitsintensive Fertigung geht. Dementsprechend kommt ein Großteil der Exporte aus Sektoren mit arbeitsintensiver Produktion. Von diesem komparativen Vorteil bei arbeitsintensiven Produkten wird China voraussichtlich noch lange profitieren. Trotz der niedrigen Arbeitskosten gibt es viele Millionen Arbeitslose, Unterbeschäftigte und Tagelöhner. Durch den Strukturwandel und die begonnene Reform und Umstrukturierung des staatlichen Sektors wird diese Situation noch lange anhalten.

Wie Schaubild 4-3 zeigt, hat sich Chinas Exportbasis in den letzten zwei Jahrzehnten beträchtlich gewandelt. Nach anfänglichen Gewinnen geht der Anteil mineralintensiver Produkte sehr schnell zurück. Auch andere Primärgüter verlieren im chinesischen Export deutlich und nachhaltig an Bedeutung. Immer wichtiger werden dagegen arbeitsintensive Exporte, wie z.B. besonders Textilien und Bekleidung. Aber auch kapitalintensive Exporte gewinnen an Bedeutung. Wahrscheinlich werden chinesische Unternehmen in den kommenden Jahren versuchen, in größerem Umfang technologisch anspruchsvollere Güter zu exportieren, von Geräten der Unterhaltungselektronik, Computerbauteilen und Peripherie bis zu hochwertigeren Maschinen. Die Geschwindigkeit dieser Entwicklung hängt davon ab, wie China mit den großen Herausforderungen der ökonomischen Transformation umgeht. Darunter fallen z.B. die Entwicklung der Infrastruktur sowie des Humankapitals, die Ausarbeitung eines transparenten Rechtssystems und der Umgang mit dem Umweltschutz.

China ist innerhalb kürzester Zeit zu einem "global player" geworden und ist damit ein interessanter Partner für den deutschen Export, aber zugleich zunehmend auch ein Konkurrent. Mit seit vielen Jahren durchschnittlich mehr oder weniger zweistelligen Wachstumsraten verdoppelt sich die Wirtschaftsleistung alle sieben Jahre. Die jährlichen Steigerungsraten des BIP in den letzten 10 Jahren lagen zwischen 8 und 10 %. Die Anlageninvestitionen wachsen noch wesentlich schneller, in drei Quartalen 2005 um nicht weniger als 26 %.

Befördert von China, ist der Anteil aller asiatischen Schwellenländer am Welt-BIP 2004 auf mehr als ein Viertel hochgesprungen; 1990 waren es noch 14 %. Nach Projektionen von Goldman Sachs bis zum Jahr 2050 können bei unverändert günstigen Bedingungen China im Jahre 2007 und Indien im Jahre 2023 an Deutschlands Wirtschaftskraft vorbeiziehen. Noch erstaunlicher ist die Projektion des Pro-Kopf-BIP, bei der China im Zeitraum bis 2050 bereits etwa 2/3 des deutschen Wertes erreichen soll.

Natürlich sind das nur Projektionen, wenn auch mit einiger Sorgfalt erstellt. In Kaufkraft ausgedrückt bestritt China in den vergangenen drei Jahren etwa ein Drittel des Wachstums der Weltwirtschaft und etwa 60 Prozent des Zuwachses an weltweitem Investitionsvolumen. Zum Beispiel werden zwei Drittel aller Photokopierer, Mikrowellenöfen, DVD-Spieler und Schuhe sowie mehr als die Hälfte aller digitalen Kameras und zwei Fünftel aller Tischcomputer heute in China gefertigt. Bei Spielzeug ist China inzwischen der weltgrößte Produzent. Nach Einschätzungen der deutschen Automobilindustrie werden in China im ersten Halbjahr 2005 erstmals mehr Personen- und Nutzfahrzeuge gebaut werden als in Deutschland und wird China Deutschland auf den vierten Rang der Automobilhersteller verdrängen. Im Juni 2005 wurde eine erste Ladung mit 150 Pkw des von Honda in China gefertigten Billig-Modells Jazz nach Deutschland verschifft; in diesem Jahr sollen noch 10.000 Jazz nach Europa geliefert werden. Das größte Handelshaus der Welt, der amerikanische Wall-Mark-Konzern, bezieht inzwischen mehr als 70 % seines Sortiments aus China.

Nach dem Trade and Development Report der UNCTAD vom September 2005 expandiert die Produktivität im gewerblichen Bereich mit der enormen Jahresrate von fast 15 % (Stand per 2000). Dieser Anstieg soll eng mit dem Zufluss ausländischer Investitionen zusammenhängen (53 Mrd. US$ 2003, 60 % für den gewerblichen Bereich). Ausländische Investoren treffen nach UNCTAD nicht nur auf billige und gutausgebildete Arbeitskräfte sondern erhebliche Steuervorteile im Vergleich zu chinesischen Unternehmen, die 33 % an Gewinnsteuer zu entrichten haben, während ausländische erst im dritten Jahr mit 7,5 % anfangen, die nach 6 Jahren auf nur 15 % steigen.

2.2.2 Soziale Anpassungsprobleme in der chinesischen Volkswirtschaft

Chinas Bevölkerung hat sich von 1960 bis heute auf 1,3 Mrd. Menschen verdoppelt. Dass gleichzeitig der Hunger beseitigt und viele Grundbedürfnisse trotz noch weit verbreiteter Armut gedeckt werden konnte, war ein enormer Erfolg.

Der chinesische Mindestlohn liegt bei umgerechnet nur 55 Euro pro Monat. Auch der durchschnittliche Monatslohn bei ausländischen Unternehmen von 155 Euro verspricht selbst bei geringerer Produktivität enorme Vorteile gegenüber den in Deutschland üblichen Arbeitskosten. Der chinesische Durchschnitts-Monatslohn im gewerblichen Bereich wird von der Internationalen Arbeitsorganisation ILO für 2002, das letzte berichtete Jahr, mit umgerechnet 132 Euro angegeben.. Die Arbeitskräfte werden weiterhin durch eine unzureichende Altersvorsorge der chinesischen Ein-Kind-Generation verbilligt. Schlecht sind die Umweltverhältnisse bei Luft und Wasser. Die Arbeitsschutzstandards sind oft lax; in dem in dieser Hinsicht besonders berüchtigten Kohlebergbau starben allein im 1. Halbjahr 2005 der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge 2700 Arbeiter.

Nicht günstig ist es um den sozialen Status der Landbevölkerung bestellt, die mit 780 Millionen der 1,3 Milliarden Menschen ein großes Arbeitspotential darstellen. Nach Auffassung des IWF sind die amtlichen Arbeitsmarktstatistiken wenig aussagefähig. So schätzt die asiatische Entwicklungsbank die städtische Arbeitslosigkeit auf 8,5% und den Anteil der Beschäftigungslosen im ländlichen Raum auf 30% . Ein Grund für steigende Arbeitslosenzahlen liegt im Wegfall unrentabler industrieller Beschäftigung durch die Umstrukturierung der Staatsbetriebe. So beträgt der Anteil der reinen Staatsbetriebe an der industriellen Wertschöpfung im Jahr 2004 immer noch 42%. Das Heer der Wanderarbeiter, also der Menschen, die auf dem Land gemeldet sind aber dort nicht Arbeit und Brot finden können wird auf 150 – 300 Millionen Menschen geschätzt. In Zukunft sind Verlagerungen der wirtschaftlichen Tätigkeiten innerhalb Chinas zu erwarten. Hierzu dürften insbesondere Produktionsverlagerungen aus den chinesischen Zentren ins Hinterland zählen. Diese auf das Hinterland gerichteten Bestrebungen werden durch mangelhafte Infrastruktur, den Ausbildungsstand der Arbeitskräfte etc. zur Zeit begrenzt. Die chinesischen Behörden werden auch in Zukunft große Anstrengungen unternehmen, durch Ausdehnung (oder Verlagerung) von Förderprogrammen auch das Hinterland zu entwickeln ob durch Vermittlung eines Arbeitskräfteangebots an küstennahen Produktionsstandorten oder durch Hilfe bei der Verlagerung in das Hinterland. Diese Verlagerungen bleiben aber im gleichen Sprach- und Kulturraum und sind somit besser zu bewältigen als Verlagerungen in dritte Länder. Nach offiziellen chinesischen Angaben leben 26 Millionen selbst für chinesische Verhältnisse in absoluter Armut. Die Landbevölkerung insgesamt lebt auf dem Niveau der chinesischen Stadtbevölkerung von vor 15 Jahren. Nur 10 % der Landbevölkerung hat beispielsweise eine medizinische Versorgung (42 % in den Städten). Die Arbeitslosigkeit und die Stadt – Land Disparitäten sind die Schwerpunkte politischer Arbeit.

Die Anpassungsprozesse im Zuge der Liberalisierung des Waren- und Kapitalverkehrs werden die schon jetzt Besorgnis erregend hohe Arbeitslosigkeit zumindest vorübergehend ansteigen lassen, da die in der Landwirtschaft freigesetzten Arbeitskräfte nicht von heute auf morgen in der Industrie unterkommen können. Ob die Regierung wie bisher fähig sein wird, die starken Spannungen unter Kontrolle zu halten, die der soziale und wirtschaftliche Wandel mit sich bringt, wird sich zeigen.

Abgesehen von den negativen Beschäftigungseffekten des WTO-Beitritts hat China auch mit hausgemachten strukturellen Arbeitsmarktproblemen zu kämpfen. In den kommenden zehn Jahren wird die Erwerbsbevölkerung jährlich um 1 Prozent wachsen (10 Millionen Personen), in der Landwirtschaft werden 100 Millionen Menschen ihre Arbeit verlieren, und die Industrie visiert möglichst hohe Produktivitätszuwächse an. Bedingt durch den Übergang zur Marktwirtschaft, werden Massenarbeitslosigkeit und informelle Arbeit wohl auf absehbare Zeit zum chinesischen Alltag gehören. Das verfügbare pro-Kopf- Einkommen in den Städten ist ca. 3 mal so hoch wie auf dem Land. Beunruhigend ist, dass sich diese Entwicklung im letzten Jahr weiter verstärkt hat. So ist auch zu verstehen, dass die Unterbewertung der Währung dem politischen Ziel dient die Arbeitslosenzahlen zu verringern; 19 – 26 Millionen Menschen sollen bereits in der exportorientierten, arbeitsintensiven Bekleidungsindustrie Arbeit und Brot finden, denn der chinesische Export profitiert von einer Unterbewertung der Währung, weil China ungeachtet der hohen Überschüsse und Währungsreserven die feste Bindung an den Dollar (selbst bei dessen Abwertung seit 2001) bis zum Juli 2005 beibehalten und dann nur um 2,1 % aufgewertet hat. China hat in den Jahren 2003 und 2004 und steigend in 2005 12 % seines BIP für einseitige Interventionen am Devisenmarkt zur Verhinderung der Aufwertung seiner Währung eingesetzt.

Insgesamt steht zu erwarten, dass sich China mit der Liberalisierung des Handelsverkehrs zunehmend auf wettbewerbsfähige Sektoren spezialisieren wird, das heißt auf arbeitsintensive Gewerbezweige, in denen das Land im Vergleich mit der Konkurrenz auf dem Weltmarkt Kostenvorteile hat. Alle Untersuchungen stimmen darin überein, dass die Textilindustrie der große Gewinner dieser Entwicklung sein wird. Manchen Schätzungen zufolge könnte sich der Anteil Chinas am weltweiten Bekleidungsexport, der schon jetzt bei 15-20 Prozent liegt, in den nächsten Jahren deutlich verstärken. Dies würde der chinesischen Textil- und Bekleidungsindustrie starke Impulse verleihen und den Sektor in den kommenden Jahren zum wichtigsten industriellen Arbeitsplatzbeschaffer machen.

2.2.3 Folgen für die Handelspartner

Der Aufstieg der Volksrepublik China in die Spitzengruppe der Exportländer liegt begründet in niedrigen Löhnen und Abgaben, schlechten Sozialverhältnissen, einer unterbewerteten Währung sowie mangelndem Umweltschutz. Im Jahr 2005 wächst der chinesische Export erneut um fast ein Drittel.

Hatte China 1980 einen Export, der nur 9 % des deutschen entsprach, so sind es im Jahre 2005 bereits 81 %. Dabei fällt auf, wie viel schneller China seine Exporte in die Europäische Union, gemessen an seinen Importen von dort, entwickeln konnte; der chinesische Überschuss schoss 2004 auf 79 Mrd. Euro hoch.

Ebenso ungleichgewichtig zu Chinas Vorteil entwickelte sich der Handel mit Deutschland. Der Anteil Chinas an Deutschlands weltweiten Importen sprang über die letzten fünf Jahre bis 2004 um zwei Drittel auf fast fünf Prozent an, wobei im arbeitsplatzrelevanten Halb und Fertigwarenbereich noch wesentlich höhere Anteile erreicht werden. Bezogen wurden aus China in den ersten acht Monaten 2005 vor allem (1) Büromaschinen, Datenverarbeitungsgeräte und -einrichtungen, (2) Nachrichtentechnik, (3) Bekleidung, (4) Möbel, Schmuck, Musikinstrumente, Sportgeräte, Spielwaren, sowie (5) Geräte der Elektrizitätserzeugung und - Verteilung. Besonders wichtig: Der Anteil anspruchsvollerer technischer Geräte (1 + 2 + 5) an der Gesamteinfuhr aus China liegt bereits bei über 43 %. Die Einfuhr von Büromaschinen hat im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um fast ein Drittel zugenommen.

Man rechnet nun damit, dass sich China innerhalb eines Jahrzehnts zum weltgrößten Exportland entwickeln und Deutschland von diesem Platz verdrängen wird. Ein aktuelles Beispiel der chinesischen Exportstrategie zeigt sich im Textil- und Bekleidungsbereich. Hier wird China der große Gewinner des im GATT seinerzeit beschlossenen und Ende 2004 in Kraft getretenen quotefreien Handels sein. Die WTO rechnet mit einem Anstieg des chinesischen Weltmarktanteils an Textilien von 17 Prozent 2003 auf über die Hälfte in nur drei Jahren. Noch können im Notfall besondere Abwehrmaßnahmen gegen ein Überfluten der Textilmärkte getroffen werden - die USA und die EU haben vorläufige chinesische Selbstbeschränkungen erreicht -, doch endet diese Regelung in 2008.

In geographischer Aufteilung entwickelt China vor allem seine Exporte nach Nordamerika und Europa, wohin bereits 43 % des Exports gehen. Es wird erwartet, dass die EU in Kürze die USA als Hauptabsatzmarkt ablösen wird.

Der große Exporterfolg Chinas geht in erster Linie auf ausländische Investitionen zurück. Mehr als die Hälfte der chinesischen Exporte werden von ausländischen Unternehmen vorgenommen, im Bereich moderner Technologie sogar fast 90 %. Dementsprechend stark ist der Zufluss ausländischer Investitionen (siehe unten).

In den USA macht das Wort vom „China Price" die Runde: „Gib 30 Prozent nach oder verliere deinen Kunden an die chinesische Konkurrenz". Hierin lag eine der Hauptursachen, warum in den USA seit 2000 bereits 2,7 Millionen Industriearbeitsplätze verloren gegangen sind, davon seit 1989 mehr als 1,5 Millionen durch Verlagerung nach China (US-China Economic and Security Commission). Das Besondere an dieser Konkurrenz ist, dass sie anders als nach dem Lehrbuch der komparativen Kostenvorteile und anders als in der Geschichte des internationalen Handels gleichzeitig überall zuschlägt und gewinnt, in niedrigwertiger Arbeit, aber auch am Hightech-Ende. Dabei fällt der 120 Dollar/Monat Fließbandarbeiter genauso ins Gewicht wie der 2.000 Dollar/Monat Chipdesigner. Jedes Jahr kommen an die 350.000 neu ausgebildete Ingenieure hinzu. Dabei verfolgt China eine strikte Strategie zur Stärkung seiner eigenen künftigen Technologie-Exporte, indem es im Gegenzug zur Öffnung des chinesischen Marktes von ausländischen Unternehmen die Errichtung von F+E-Zentren in China verlangt. Zudem erlaubt der einmalig große Heimatmarkt den Chinesen eine unerreichbare „economy of scale", d. h. Kostenvorteile wegen der schieren Größe der Produktionsserien. Zahlreiche in erster Linie amerikanische Unternehmen erzielen durch Produktionsverlagerung nach China gegenwärtig reiche Profite zu Lasten amerikanischer Arbeitsplätze - ein Trend, der sich auch bei deutschen Unternehmen entsprechend anbahnt. Das Eigeninteresse dieser US und anderer internationaler Unternehmen schützt dann auch noch China politisch nicht selten vor sonst unvermeidbaren Sanktionen gegen unfaire Handelspraktiken.

Einige Beispiele aus Europa: Über 80% der importierten Sonnenbrillen kommen aus China (Jan-April 05). Während man für eine Sonnenbrille aus Italien im Schnitt 27 Euro zahlen musste, waren die Sonnenbrillen aus China schon für rund einen Euro zu haben. Oder noch eines: Die 50 Mio. zusätzliche Pullover oder 11 Mio. Hosen, die trotz der mit China für 2005 vereinbarten Quoten bereits im Anmarsch auf Europa sind, sollen laut Financial Times einen Einkaufswert für die Pullover von 200 bis 250 Mio. Euro haben, aber vom Handel mit bis zu 800 Mio. Euro, d. h. enorm hohen Gewinnspannen, verkauft werden. Generell liegt der Verkaufspreis für China-Ware nach Auskunft des International Rayon and Synthetic Fiber Committee in Brüssel beim 2,7 bis 3,5-Fachen des Einkaufpreises. China hat sich auf diese Weise eine EU-Lobby gegen evtl. Antidumpingzölle und Beschränkungen aufgebaut.

Die deutschen Schuhimporte aus China sind im 1. Halbjahr 2005 gegenüber Vorjahreszeitraum um mehr als 82 % gestiegen. Der Anteil Chinas an den deutschen Schuhimporten verdoppelte sich damit in so kurzer Zeit auf 22 %. Laut Philipp Urban, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der deutschen Schuhindustrie stammt in Stückzahlen bereits die Hälfte aller in Deutschland verkauften Schuhe aus China. Seit dem Auslaufen der Quotenregelungen Ende des vergangenen Jahres sind die Schuhexporte aus der Volksrepublik in die Europäische Union geradezu explodiert. Allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres habe China seine Schuhexporte in die EU verdreifacht. In einigen Marktsegmenten liefere China sogar 15 Mal so viele Schuhe aus wie noch im Vorjahr. Der Vormarsch der Chinesen hat Urban zufolge dramatische Folgen für die Schuhindustrie in den klassischen Herstellerländern wie Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien. So hat die Produktion zwischen den Jahren 2000 und 2004 um fast 30 % abgenommen. Gleichzeitig sank die Zahl der Betriebe um 10 %, die der Beschäftigten um über 20 % auf 290.000. Experten befürchten nun weitere Firmenpleiten in den kommenden Monaten. In Fernost soll nach Urban ein Schuh inklusive Materialkosten für einen Betrag produziert werden, mit dem in Deutschland nicht mal die Lohnkosten gedeckt werden können. Während sich die Chinesen auf dem europäischen Markt weiter ausbreiten, schottern sie den Heimatmarkt gegen eine geplante Verkaufsoffensive aus Europa ab. Die europäischen Unternehmen würden gerne in China Schuhe besserer Qualität und Mode verkaufen und sehen dort ein Käuferpotenzial von rund 130 Millionen Menschen. Zölle und Einfuhrsteuern machten die Schuhe aber derart teuer, dass es sich nicht lohnt. Die europäische Schuhindustrie drängt deshalb bei der WTO auf die Öffnung des chinesischen Marktes.

Der enorme Investitionsboom schafft zusätzliche Anreize zum Dumping von Waren auf fremden Märkten. China hat derzeit die höchste Sparquote der Welt. Wenn die Investitionen zu Überschusskapazitäten führen, wird es für die Regierung zwingend, die Währung künstlich niedrig zu halten und finanzielle Anreize zum Export zu schaffen, so Andy Xie von Morgan Stanley in Hongkong in der Financial Times vom 8. 9. 05. Tatsächlich verfügt China als Folge des besonderen, kreditfinanzierten Booms der Jahre 2003 und 2004 über enorme Downstream-Kapazitäten, die von der Binnennachfrage bisher nicht ausreichend in Anspruch genommen werden.

Der chinesische Exportboom verdrängt zunehmend Produkte der ärmeren Entwicklungsländer, vor allem im Textilbereich. Von 12 % im Jahre 2000 ist der chinesische Anteil an den gesamten Entwicklungsländerexporten bis 2004 auf über 21 % gestiegen und dürfte 2005 in die Größenordnung von einem Viertel kommen. China wird in seiner Exportentwicklung von hohen Auslandsinvestitionen unterstützt (neue Investmentverpflichtungen in 2004 in der doppelten Höhe der gesamten Entwicklungshilfe der entwickelten Industrieländer an alle Länder der Welt. Im 1. Halbjahr 2005 konnte China erneut Auslandsinvestitionen im Wert von fast 29 Mrd. US Dollar mobilisieren, d. h. im Monatsdurchschnitt etwa das 1,3-fache der ausländischen Neuanlagen in Deutschland vom vergangenen Jahr.

China belastet seine Handelspartner in den entwickelten Industrieländern nicht nur über die Verdrängung der dortigen Beschäftigung durch Billigimporte, da diese nicht mit dem chinesischen Sozialniveau, kombiniert mit dem riesigen chinesischen Binnenmarkt, konkurrieren können. China kauft für seine eigene Entwicklung immer mehr der weltweiten Vorräte an Öl und anderen Rohstoffen auf . Etwa ein Drittel der zusätzlichen jährlichen Nachfrage nach Öl geht auf chinesisches Konto. China muss bereits 40 % seines Ölbedarfs importieren - nach den USA schon die Nummer 2 im weltweiten Ölimport - und in etwa 15 Jahren werden es 80 % des dann steil weiter gestiegenen Bedarfs sein. Der IWF erwartet, dass in China schon in 2030 mehr KfZ als in USA fahren werden. Z. Zt. ist in China der Benzinverbrauch so stark subventioniert, dass sein Preis sogar noch unter dem vom Rohöl liegt, und Fahrzeuge chinesischer Technik verbrauchen 20 % bis 30 % mehr als ausländische Modelle.

Steigende Rohstoffpreise setzen die Industrien und Sozialgesellschaften in den entwickelten Industrieländern (und natürlich erst recht in den armen Entwicklungsländern) unter zusätzlichen Druck. Sie schwächen damit deren Binnenmärkte.

2.3 Bestimmungsfaktoren des chinesischen Textilmarktes

2.3.1 Die globalisierte Weltwirtschaft

Internationale Wirtschaftsverflechtungen hat es gegeben, solange es Nationen gibt. In historischer Sicht waren dies jedoch primär Handelsverflechtungen sowie sekundär Migrations- und Kolonisationsvorgänge .
Seit ca. 2-3 Jahrzehnten jedoch gib es eine neue Qualität: Der Austausch von Handelsgütern (und korrelierenden Geldströmen) wird zunehmend ergänzt durch die Internationalisierung der Produktion. Bis vor wenigen Jahrzehnten waren Institutionen wie Fabrik, Unternehmen, Industrie im wesentlichen nationale Phänomene. Insb. seit ca. 1960 sind nationale Grenzen keine "wasserdichten Containerwände" mehr, sondern "Siebe". Während früher zwei Faktoren die räumliche Segmentierung der Märkte gewährleistetesten (Transportkosten und politische Grenzbarrieren), sind viele Märkte - insb. von vielen Sachgütern, aber zunehmend auch von Dienstleistungen - international oder sogar global integriert. Diese globale Integration der Märkte kann an homogenen Weltmarktpreisen und globalen homogenen Preisschwankungen(früher regionale homogene, später nationale homogene Preisschwankungen) abgelesen werden, daran, dass Produkte sich immer weniger bestimmten Ländern zuordnen lassen, daran, dass es eine starke Zunahme der internationalen Direktinvestitionen gibt und daran, dass die internationale Arbeitsteilung nicht nur den Handel sondern auch die Produktion umfasst.
Die Transportkosten als wesentlicher raumdifferenzierender Faktor sind heute in vielen Fällen bedeutungslos geworden. Durch die Erhöhung der Transportgeschwindigkeiten und durch den Verfall der Transportkosten ist der Raum sozusagen "geschrumpft" , und der "Raumwiderstand", der raumüberwindenden Verflechtungen entgegensteht, immer weiter zurückgegangen.

Der Bedeutungsverlust der Transportkosten für die Standortbewertung hat mehrere Gründe:

· Transportsysteme werden immer billiger, effizienter und schneller;
· Produktionsprozesse werden effizienter (weniger Rohstoffe);
· Produkte werden immer "wertvoller", d.h. der relative Material-Input sinkt zugunsten des F&E- sowie Dienstleistungs-Inputs (Beispiel: Chip).

Karl definiert Globalisierung als Prozess der Fallens von Barrieren zwischen nationalen Märkten. Merkmale seien die Forcierung der Wettbewerbsintensität auf den Güter-, Faktor- und Standortmärkten. Verantwortlich dafür wären gesunkene Mobilitätskosten für Unternehmen, Güter und Faktoren sowie abnehmende Kommunikations- und Transaktionskosten auf international erweiterten Märkten. Die Folge seien gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtsgewinne und Chancen, da der Preis- und Qualitätswettbewerb zunehme und Skaleneffekte wirksam würden.

Die Globalisierung führt zwar zu weltweiten Uniformierungen (Marken, Preise, Unternehmensorganisation usw.), aber die räumlichen (nationalen, lokalen) Ausprägungen und Auswirkungen sind keineswegs uniform.

Grund für diese unterschiedlichen räumlichen Auswirkungen der Globalisierung sind die unterschiedlichen Faktorausstattungen der am weltweiten Handel beteiligten Regionen und Volkswirtschaften.. Jede Produktion lässt sich bekanntlich auffassen als Kombination von sog. Produktionsfaktoren: natürliche Produktion, Boden, Arbeit, Kapital, Rohstoffe usw. Unterschiedliche Produktionen erfordern aber unterschiedliche "Faktorkombinationen". Es gibt z.B.:

- arbeitsintensive Produktion : z.B. Textil und Bekleidung
- rohstoffintensive Produktion: z.B. Eisen- und Stahlindustrie
- bodenintensive Produktion: z.B. Landwirtschaft
- kapitalintensive Produktion: z.B. die Großchemie

Länder mit guter Kapitalausstattung werden tendenziell die Chemieindustrie favorisieren, Länder mit Überfluss an billigen Arbeitskräften eher die Textil- und Bekleidungsindustrie. Alle Länder spezialisieren sich somit verstärkt auf solche Produktionen, für die ihre spezifische Faktorausstattung komparative Vorteile aufweist und beteiligen sich so am internationalen Handel. Da aber zusätzlich zu der Faktorausstattung und ihrer Qualität, die Stabilität des politischen Systems, der Entwicklungsstand der Volkswirtschaft und das Arbeitsethos der Bevölkerung eine wichtige Rolle spielt, gibt es immer Länder, die, wenn überhaupt, lediglich Rohstoffexporteure z.B. von bodenintensiven Produkten bleiben und so am Weltmarkt einen niedrigen Preis erzielen. Oder aber die Faktorausstattung eines Landes bezüglich einer Branche ist so gut, dass sie alle anderen konkurrierenden Volkswirtschaften aus dem Wege räumt. So sind die Ausgangsbedingungen der chinesischen Textil- besonders der Bekleidungsindustrie so günstig– niedrige Arbeitslöhne, textile Kette im Land, Skaleneffekte durch Massenproduktion, dass bei freiem Wettbewerb auf dem schon immer stark regulierten Textil- und Bekleidungsmarkt, die meisten anderen Entwicklungsländer die mit China um den Standort als Produzent konkurrieren , aus dem Feld geschlagen werden ,ganz zu schweigen von den Industrienationen. Das hat das Halbjahresexperiment freier Wettbewerb auf dem Textil- und Bekleidungsmarkt 01 –06/2005 gezeigt. So haben mehr als 20.000 Beschäftigte in der kambodschanischen Textilindustrie – also fast jeder Zehnte – seit Jahresbeginn 2005 mit der Freigabe des Wettbewerbes auf dem Welttextilmarkt ihren Job verloren. Landesweit wurden 13 Fabriken geschlossen, weitere 24 haben ihre Produktion vorübergehend ausgesetzt. Das ist besonders tragisch, weil die Textilproduktion der einzig nennenswerte Wirtschaftszweig in Kambodscha ist. »Im schlechtesten Fall werden bis zu 40 Prozent aller Betriebe untergehen«, sagt Ken Loo, Generalsekretär des Branchenverbands GMAC. Er spricht für eines der ärmsten Länder in Asien.

Die Globalisierung führt somit nicht einfach zu einer Homogenisierung und schon gar nicht zu einer Vereinheitlichung der globalen Lebensverhältnisse, sondern im Gegenteil zu vielfältigen Asymmetrien.
Nationalstaaten waren früher entscheidende Faktoren der wirtschaftlichen Entwicklung, heute jedoch nicht mehr. Entscheidende Größe der Globalisierung ist die weltweite Mobilität der vier I: investment, industry, information technology, individual consumers. So entstehen anstelle nationalstaatlicher Einheiten als neue Wachstumszentren sog. "region states", die teilweise grenzüberschreitende Regionen von 5-20 Mio. Einwohner aufweisen und meist um eine größere Metropole herumgruppiert sind und untereinander stärker verbunden sind als mit dem Hinterland "ihres" Nationalstaates. Beispiel dafür ist Hongkong und seine Verbindung mit der Region Guangdong, dem Herz der exportorientierten chinesischen Bekleidungsindustrie. So hat die außenwirtschaftliche Öffnung Chinas aufgrund starken Reformdrucks nach 1978 mit dem räumlich kontrollierbaren marktwirtschaftlichen Experiment der Einrichtung von Sonderwirtschaftszonen an der südchinesischen Küste im Perlflussdelta begonnen. Diese Sonderwirtschaftszonen sollten für den Import von Technologie, Kapital und Know How eine Brückenfunktion bilden. Die außenwirtschaftliche Öffnung Chinas bot der Wirtschaft Hongkongs die Möglichkeit arbeitsintensive Produktionsprozesse in die Billiglohnstandorte Südchinas zurückzuverlagern. Die Wechselseite Ergänzung in der Faktorenausstattung(Unterschiede im Lohnniveau, bei Immobilienpreisen und bei Umweltauflagen) begünstigte die schrittweise Verflechtung der südchinesischen Küstenregionen mit Hongkong und Taiwan zu einer Region „Greater China“.

2.3.2 Sektorale Betrachtung der Textil- und Bekleidungsindustrie

Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist global verbreitet gerade in Entwicklungsländern, weil sie Beschäftigungsmöglichkeiten für wenig qualifizierte Arbeitskräfte und Anknüpfungsmöglichkeiten an vorindustrielle handwerkliche Produktionsformen bietet (Spinnen, Weben, Nähen). Ein weiterer Grund ist, dass weder Rohstoffe, Vorprodukte noch Endprodukte sehr transportkostenintensiv sind, sondern prinzipiell einfach global gehandelt werden können(Unterschied zur Montanindustrie). Deshalb spielen jedoch gerade nichttarifäre Handelshemmnisse und politische Regulationen auf dem Welt-Textil- und Bekleidungs-Märkten eine besonders große Rolle.
Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist Teil einer umfassenden Produktkette, der textilen Kette, die mit dem Ausgangsprodukt, der Faser beginnend (aus agrarischer Produktion oder als Chemiefaser aus chemischer Produktion) über Halbfertigprodukte, wie z.B. Garne ,Filze Fertigprodukte, wie Stoffe, bis zu Fertigwaren wie Bekleidungs- und Heimtextilien. Nach ihrer Verwendung werden Textilien unterteilt in Bekleidungstextilien, Haus- und Heimtextilien und Industrie- oder technische Textilien.

Die Bekleidungsindustrie produziert weiterhin eine außerordentlich breite Produktpalette,
die häufig kurzfristigen Schwankungen unterworfen ist. Der Produktdifferenzierung entspricht eine hohe Differenzierung der Unternehmensstruktur, d.h. große und kleine Unternehmen, viele Produktionen im Lohnauftrag, teilweise in Heimarbeit. Einerseits gibt es standardisierte Massenproduktion, andererseits aber auch modeorientierte Kleinserien- bzw. Einzelfertigung.

Die größten Produzenten in der Textilindustrie sind China, Indien, Russland, USA und Indonesien, d.h. vor allem Länder mit großen Binnenmärkten.

Von der zeitlichen Entwicklung her gesehen wächst die Textilindustrie in den Entwicklungs-und Schwellenländern, während sie in den Industrieländern stagniert oder zurückgeht. Die größten Exportüberschüsse erzielen Taiwan, Korea, Italien, Pakistan und Belgien. D.h.: Große Länder wie China, Indien und Russland produzieren fast nur für den großen Binnenmarkt. Dagegen stehen den bedeutenden Exporten der Industrieländer häufig bedeutende Importe gegenüber, so dass die Bilanzen ausgeglichener sind. In der Textilindustrie beherrschen zwei Gruppen den Welthandel: a)Industrieländer b) Schwellen- und Entwicklungsländer Ostasiens.

In den letzten Jahrzehnten haben tiefgreifende Verschiebungen stattgefunden: In den Industrieländern stagniert die Beschäftigung/Produktion bzw. sie geht zurück (z.B. in Deutschland in den letzten 20 Jahren um ca. 50%). Dagegen wächst die Bekleidungsindustrie in einigen Entwicklungsländern Asiens und Lateinamerikas sowie auch in den Transformationsländern Ostmitteleuropas und Osteuropas.

Bei den Handelsbilanzen haben fast alle europäischen Länder hohe Defizite. Das größte Defizit haben die USA. Hingegen haben die Entwicklungs- und Schwellenländer in der Regel Exportüberschüsse. Damit besteht bei vielen Ländern ein Kontrast zum globalen Standortmuster der Textilindustrie: Beispielsweise zeigt Deutschland einen Exportüberschuss von Textilien, aber einen Importüberschuss von Bekleidung. Ein umgekehrtes Muster zeigt Hongkong: Importüberschuss von Textilien, aber Exportüberschuss von Bekleidung.

2.3.2.1 Beeinflussungsfaktor Nachfrage

Ein wesentlicher Beeinflussungsfaktor in der Bekleidungsindustrie ist die Nachfrage. Die Bedeutung der Nachfrage gerade in diesem Sektor leuchtet wohl jedem ein, da Bekleidung für den Endverbrauch produziert wird. Die Nachfrage ist primär abhängig von den Einkommen. Das heißt: Industrieländer mit hohen Einkommen sind die entscheidenden Absatzmärkte in globaler Sicht. Allerdings steigt mit steigenden Einkommen die Nachfrage nach Bekleidung leicht unterdurchschnittlich. Besonders wichtig für die Stimulierung und Differenzierung der Nachfrage ist daher die Mode. Mode ist natürlich kein „natürliches“, „urwüchsiges“ Phänomen, sondern ein Produkt des Marketings. Das Grundproblem des Bekleidungsmarktes besteht nun darin, dass Bekleidung ein lebensnotwendiges Gut ist. Zur elementaren Bedarfsdeckung genügt es i.d.R., sich ca. jährlich 1 Hose und 1 Hemd zu kaufen, nämlich dann, wenn die alte Bekleidung durchgescheuert ist. Ökonomisch formuliert: Wenn sich die Nachfrage an diesem Faktum orientieren würde, läge die Preis- und Einkommenselastizität bei nahe 0 und wäre damit ein Alptraum für Hersteller und Anbieter. Die Lösung dieses Grundproblems liegt in Marketingstrategien: durch raschen Modewechsel, möglichst jährlich im Produktionsrhythmus, durch Globalisierung der Modetrends, d.h. Verschwinden nationaler bzw. kontinentaler Moden, z.B. durch Film und Fernsehen; durch Qualitäts- und Preissegmentierung also z.B. durch die Etablierung von „Designermarken“, die zumindest den Eindruck von Luxusgut erzeugen.

Folgen sind eine globale Homogenisierung der Nachfrage, zunehmende Differenzierung der Märkte zwischen Designer- und Modewaren einerseits sowie Massenware andererseits. Dem entspricht eine Differenzierung zwischen Einkommensgruppen und Ländern. Wird Massenware produziert, sowie zur Zeit überwiegend in China können in gesättigten Märkten nur über den Preis Marktanteile gewonnen und Konkurrenten verdrängt werden.

Die Rolle des Handels in der Bekleidungsindustrie ist wichtig wegen der Marktmacht, da ein großer Teil des Bekleidungsumsatzes in den Industrieländern auf die großen Warenhaus- und Textilkaufhausunternehmen entfällt, z. B.:

-USA: Sears, K-Mart, Penney, Wal-Mart,
-Japan: Daiei, Mitsukoshi, Daimaru, Ito Yokado;
-Deutschland: Karstadt/Quelle/Sinn, Metro/Kaufhof, P & C;
-International: C & A (NL), H & M (Schweden)

Dieser Obligopolisierung der Bekleidungsanbieter steht jedoch seit den 1980er Jahren eine zunehmende Differenzierung der Märkte und Modeströmungen gegenüber. Damit einher gehen zwei Einzelhandeltrends, die Diffusion von Filialisten für bestimmte Teilmärkte wie z.B. Benetton (I), The Gap (USA), Jigsaw (USA) usw. und die Entwicklung kleiner spezialisierte Modehäuser für fluktuierende Teilmärkte. Die Anbieter sind erfolgreich, wenn sie a) Marktnischen finden und b) sehr flexibel auf modebedingte Nachfrageschwankungen reagieren können. Die Wertschöpfungskette erweist sich damit – wenigstens im Abschnitt „Bekleidung“ – als eine typisch „buyer driven chain“.

2.3.2.2 Beeinflussungsfaktor Produktionskosten

Die Produktionsfaktoren besitzen auf den einzelnen Stufen der textilen Wertschöpfungskette eine ganz unterschiedliche Bedeutung. Solange die Textil- und Bekleidungsindustrie im Wesentlichen in geschlossenen Nationalökonomien organisiert war, führten diese Unterschiede nur zu infranationalen regionalen Standortdifferenzierungen (Bekleidungsindustrie insb. in peripheren Regionen lokalisiert). Heute resultieren daraus globale Standortdifferenzierungen entsprechend den spezifischen Faktorausstattungen der Länder.

Wichtigster Einzelfaktor: Unterschiede der Arbeitskosten:

· Es gibt riesige Unterschiede zwischen 22,5 Euro (Dänemark, westl. Deutschland) und 0,5-1 Euro (Mittelamerika, China), d.h. Spannweite liegt bei dem Faktor 30-40!

· Neu hinzugekommen sind ehem. RGW-Länder mit Lohnkosten bei 1 – 1,5 Euro, d.h. als Konkurrenten der Entwicklungsländer

· Allerdings ist zu berücksichtigen, dass nicht "rohe" Stundenlöhne für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sind, sondern sog. Lohnstückkosten (unit labour costs), die den Output pro eingesetzten Arbeitskosten messen (also unter Berücksichtigung der Arbeitsproduktivität einschl. Fehlzeiten, Maschinenlaufzeiten usw.) Hierbei verringern sich etwas die Unterschiede.

Der Arbeitskostenvorteil ist entscheidend bei der Produktion von Massen- und Vorratsware (staple goods), sowohl Textil als auch Bekleidung. Diese sind in entfernten Entwicklungsländern lokalisiert.

Dagegen werden kurzlebige Marken- und Modewaren in Industrieländern und nahen Niedriglohnländern (Portugal, Türkei, ehem. RGW-Länder) produziert. Dabei spielen reine Transportkosten eine gewisse Rolle (hohe Flugfrachtraten!), mind. ebenso wichtig sind jedoch die ebenfalls von der Distanz abhängigen Faktoren der Marktanpassungsgeschwindigkeit ( 20-30 Tage Frachtzeit China - Europa) und der Zuverlässigkeit der Lieferung, um z.B. während einer laufenden Saison auf plötzliche Trends reagieren zu können.

2.3.2.3 Bestimmungsfaktor technologischer Wandel

Vor allem in den Hochlohnländern stehen die Unternehmen unter dem Druck, Lohnkosten einzusparen. Dabei sind zwei Formen des technischen Wandels relevant:

a) Ersatz der Handarbeit durch Mechanisierung und Automatisierung,
b) Prozessinnovationen zur Beschleunigung der Produktion.

Beide Innovationstypen sind in der Textilindustrie wichtiger als in der Bekleidungsindustrie. Sowohl in der Spinnerei als auch in der Weberei wurden in den letzten 2 Jahrzehnten weitreichende Prozessinnovationen eingeführt, insbes. Die Open-End Spinnmaschine und die sog. schützenlose Webmaschine. Diese Prozessinnovationen führten zwar nicht zu einer grundsätzlichen Restrukturierung der Produktionsstandorte, aber zu einem starken Anstieg der Arbeitsproduktivität (und zu Beschäftigungsabbau).

Hingegen waren die Prozessinnovationen in der Bekleidungsindustrie viel geringer. Hier entfallen ca. 80% der Arbeitskosten auf Nähen und Zusammensetzen, d.h. hier hat die Automatisierung bisher nur zu geringem Produktivitätsfortschritt geführt (im Gegensatz zu den vor- und nachgelagerten Stufen wie Zuschneiden, Lagerverwaltung etc.).

Die wichtigsten Innovationen in der Bekleidungsindustrie sind bisher vor allem zur Flexibilisierung der Produktion und zur Beschleunigung des Waren- (und Kapital) Umlaufs entwickelt und eingesetzt worden. Beispiel Benetton: Die norditalienische Zentrale ist per Computer direkt mit allen Benetton-Filialen in der ganzen Welt verknüpft. Dort ist das EPOS (electronic pointof-sale)-System installiert, so dass die Zentrale unmittelbar über Nachfragetrends informiert ist und ihrerseits die im Lohnauftrag gefertigte Produktion (sog. Lohnveredlung) ohne Time lag steuern kann.

2.3.2.4 Bestimmungsfaktor Politik

Die Textil- und Bekleidungsindustrie hat nicht nur in der historischen Industrialisierung der Industrieländer eine wichtige Rolle gespielt, sondern ist auch heute für die Industriepolitik vieler Entwicklungsländer von schlüsselhafter Bedeutung.

Entwicklungsländer setzen auf eine exportorientierte Strategie zur Nutzung des komparativen Arbeitskostenvorteils. Daraus ergibt sich für die Industrieländer aber auch für manche Entwicklungsländer ein verschärfter internationaler Wettbewerbsdruck mit der Folge der Rationalisierung der bestehenden Textil- und Bekleidungsindustrie oder von Handelsbeschränkungen zum Schutz vor „ruinöser Konkurrenz“.

Die übliche Politik in den Industrieländern (im Wesentlichen außer USA und D): Gezahlt werden staatliche Beihilfen zur Restrukturierung, Modernisierung und zum „geordneten“ Kapazitätsabbau, z.B. I, UK, F, NL („freiwillige Euthanasie“); seit den 1970er Jahren auch J, wo ein geordneter Rückzug und eine Umorientierung auf gehobene Marktsegmente seit den 1970er Jahren vom MITI begleitet bzw. gesteuert wird. Ähnliche Entwicklungen lassen sich inzwischen in Südkorea und Taiwan beobachten. Eine alternative Industrieländer-Politik (insb. USA und D)besteht in der Förderung der sog. Offshore Lohnveredlung, begleitet durch bilaterale Handelsabkommen (Besteuerung beschränkt auf Mehrwert).

Der internationale Handel war traditionell stark reguliert durch internationale Handelsabkommen. Der Ursprung lag in den 1950er Jahren, als Niedrigpreisimporte insb. aus Japan und Hongkong insb. auf die Märkte in den USA und GB drückten. 1962 wurde das LTA = Long Term Arrangement Regarding International Trade in Cotton Textiles („Weltbaumwollabkommen“) geschlossen und mehrfach verlängert. 1974 schloss sich das MFA = Multi-Fibre Arrangement („Welttextilabkommen“)an. Dieses Abkommen schloss die EG-Länder sowie andere Fasern ein. Ziel ist: „to achieve the expansion of trade, the reduction of barriers to such a trade and the progressive liberalization of world trade in textile products, while at the same time ensuring the orderly and equitable development of this trade and avoidance of disruptive effects in individual markets and on individual lines of production in both importing and exporting countries.“ Schon 1974 wird der Sinn dieser Eingriffe in den freien Wettbewerb darin gesehen, die Ausweitung des Handels nicht zu unterbinden aber ihn in geordneter und nicht sprunghafter Weise ablaufen zu lassen. Zumindest war dies das Interesse der Industrieländer. Sie wollten nur jährliche Steigerungen von 6% (1974) bzw. 3% (1978ff.) der Importe zulassen, um der einheimischen Industrie die Chance zur Anpassung zu geben. Das Instrument dazu waren Importquoten für verschiedene Textilien und Bekleidungsgütergruppen. Das MFA wurde mehrfach verlängert und schließlich sukzessive in das WTO-Vertragswerk einbezogen. Die Wirkungen waren klar. Das Freihandelsziel wurde stark überlagert vom Marktordnungsziel zum Schutz der Märkte der Industrieländer. Eine Abschwächung der Textil- und Bekleidungsexporte aus den Entwicklungsländern war die Folge. Interesse der Entwicklungsländer war jedoch die vollständige Öffnung der Märkte der Industrieländer.

Ergebnis der sog. Uruguay-Runde des GATT 1993: Ab 1995 erfolgt eine sukzessive Integration des MFA in das GATT/WTO-Vertragswerk (GATT Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen, WTO Welthandelsorganisation ist ihr Nachfolger). Dabei zeichnet sich eine klare politische Kontroverse zwischen den Industrieländern mit einem gemäßigten Protektionismus aus innenpolitischen Rücksichten und den Entwicklungsländern ab. Der Kompromiss von 1993 sieht eine schrittweise Ausweitung des Marktzugangs bis Ende 2004 vor. Im Rahmen der so genannten Uruguay-Runde wurde so vereinbart, innerhalb einer Übergangsfrist von zehn Jahren auch auf dem Textilmarkt freien Wettbewerb zuzulassen. Nun sind nach nur einem halben Jahr freiem Wettbewerb die Schutzklauseln, die im Protokoll zum WTO Beitritt Chinas im Jahre 2001 festgeschrieben sind, in Kraft gesetzt und faktisch wieder ein Quotensystem für die 10 meistgehandelten Bekleidungskategorien aus China eingeführt worden. Tatsache ist, der Weltmarkt für Textilien und Bekleidung ist weitgehend reguliert und weit entfernt von den idealisierten Annahmen der klassischen Außenhandelstheorie.

2.4 Produktion und Handel auf dem chinesischen Textilmarkt

2.4.1 Ort der Produktion

In der chinesische Textil- und Bekleidungsindustrie ist zurzeit ein Konzentrationsprozess auf die Yangtze-Delta-Region und das Perlflussdelta erkennbar. Daneben weist noch die Provinz Shandong eine signifikante mengenmäßige Produktion auf. Die Herstellung der fünf küstennahen Provinzen - Zhejiang, Jiangsu, Shanghai, Guangdong und Shandong - machte seit Anfang 2000 über 70% der landesweiten Gesamterzeugung aus. Von dort stammen auch mehr als zwei Drittel der chinesischen Branchenexporte. Insgesamt ist immer noch die südchinesische Provinz Guangdong der wichtigste Exporteur von Textilien und Bekleidung. Allerdings holte die in der Yangtze-Delta-Region gelegene Provinz Zhejiang in den letzten Jahren stark auf und ist heute vor den benachbarten Landesteilen Shanghai und Jiangsu der wichtigster Exporteur in der Region. Die Gewinne der Branchenunternehmen in der Provinz Zhejiang sollen im Vergleich zu den anderen Landesteilen die höchsten sein. Dies lässt die Vermutung zu, dass sich die dortigen Textil- und Bekleidungshersteller besonders gut an die Wettbewerbsbedingungen anpassen und eine Modernisierung ihrer Produktion vorantreiben. Jedoch stagnieren auch die Aktivitäten in Guangdong nicht. Um angesichts der steigenden Kosten wettbewerbsfähig zu bleiben, haben schon viele Textil- und Bekleidungsanbieter aus Hongkong ihre Fertigung in die benachbarte Provinz verlagert. (Abnehmerindustrien)

2.4.2 Produktion und Zahlen

Die chinesische Textilindustrie ist lt. Welthandelsorganisation (WTO) der größte Bekleidungshersteller weltweit - und das, obwohl es keinen international bekannten Markenhersteller aus der Volksrepublik gibt.. Nach Ansicht des China National Textile Industry Council könnte Chinas Textilproduktion 2004 um 18% steigen. Dazu tragen Auslandsunternehmen und Joint Venture in erheblichem Maße bei.

Seit Jahren wird in Chinas Textilindustrie modernisiert, restrukturiert und erweitert. Die Branche rechnet auch für 2004 mit einem Anstieg der Exporte von 11%, der Gewinne um 17% und der Importe um 7%. Der Optimismus basiert zum einen auf positiven Nachfragetendenzen im Inlandsmarkt, zum anderen auf steigenden Auftragseingängen aus dem Ausland, u.a. großer internationaler Modemarken.

Die Bemühungen um mehr Wettbewerbsfähigkeit durch höhere Produktionsqualität und -effizienz der führenden Unternehmen Chinas scheinen sich auszuzahlen. Fortschritte wurden v.a. bei den Färbetechniken sowie der Endbearbeitung von Textilien erzielt. Darüber hinaus sollen inzwischen rd. 1.000 Fabriken mit CAD (computer-aided design) oder CAM (computer-aided manufacturing)-Systemen ausgerüstet sein. Angesichts einer Gesamtzahl von rd. 50.000 Bekleidungsherstellern landesweit – so Schätzungen der China Garment Association - dennoch ein sehr geringer Prozentsatz. Derartige Firmen setzen sich jedoch zunehmend von den reinen Billiglohnherstellern im Land ab.

Nicht selten sind diese wettbewerbsfähigen Unternehmen vollständig oder zum Teil im Besitz
ausländischer Investoren. Die ausländische Textilindustrie hat in den vergangenen Jahren - u.a. im Vorgriff auf die textilquotenfreie Zeit; ab 2005 - ihre Produktionsbasis in China beständig ausgebaut.
So stiegen die vereinbarten ausländischen Direktinvestitionen in der Branche seit dem Jahr
2000 mit einer jährlichen Durchschnittsrate von rd. 40%.

Vereinbarte ausländische Direktinvestitionen 2000 bis 2003 (Werte in Mio. US$, Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)

Projektanzahl Veränderung Investitionssumme Veränderung
2000 901 49,7 1.988,3 65,9
2001 881 10,0 2.396,7 20,5
2002 1.363 54,7 3.629,0 51,4
2003 1.599 17,3 4.450,7 22,6

Quelle: Zhongguo Fangzhi Bao, 26.5.04

Billiglöhne und Rohstoffressourcen haben die ausländischen Textilinvestoren angezogen. Nach einem Bericht der amerikanischen Beratungsfirma Werner International Management Consultants arbeitet ein chinesischer Textilarbeiter durchschnittlich für rd. 0,7 US$ pro Stunde und damit zu einem Bruchteil der Kosten in anderen Ländern.

Doch gerade das Lohnniveau in Chinas Küstenregion, in deren Provinzen Zheijiang, Jiangsu und Guangdong ein Großteil der Textilindustrie angesiedelt ist, hat in den vergangenen Jahren im Vergleich zum Landesdurchschnitt überproportional zugelegt. China steht daher in hartem Wettbewerb mit Konkurrenz u.a. aus Bangladesh, Sri Lanka, Thailand, Indien und Vietnam. 2002 investierte Chinas Textilindustrie selbst bereits knapp 510 Mio. $ in Südostasien. Die Branche hält für ausländische Investoren jedoch nicht nur Billiglöhne als Standortvorteil bereit. Noch sind auch die Umweltauflagen gering und die Versorgung mit synthetischen wie natürlichen Rohstoffen gut.

China ist der größte Baumwollhersteller weltweit. Die Frage ist jedoch, wie lange das Angebot die schnell wachsende Nachfrage noch befriedigen kann. Aufgrund größerer Anreize könnte die Baumwollproduktion nach Schätzungen der China Cotton Association 2004 um über 20% auf 6 Mio. t steigen. Denn der Bedarf wird auf rd. 7,9 Mio. t geschätzt, während die Regierung die Importquote für Baumwolle auf rd. 1,9 Mio. t festgelegt hat. Steigende Baumwollpreise und sinkende Gewinnspannen drängen währenddessen v.a. kleinere Textilbetriebe aus dem Markt. Die Branche setzt sich daher vehement für eine Öffnung des Baumwollmarktes ein.

2.4.3 Handelsströme (Export, Import)

Die Textilindustrie hat seit 2001 ihren sektoralen Außenhandelsüberschuss kontinuierlich gesteigert und ist damit eine große Stütze für Chinas Deviseneinnahmen. Allerdings kann die heimische Produktion den schnell wachsenden Bedarf an hochwertigen Ausgangsprodukten und Textilien nicht decken. So stellte China mit einer Produktion von 11,5 Mio. t synthetischer und künstlicher Fasern 2003 zwar ein Drittel der weltweiten Produktion, deckte jedoch damit lediglich etwa 66% des heimischen Bedarfs. Trotz des schnellen Aufbaus neuer Kapazitäten - z.B. bei synthetischen und künstlichen Fasern - wird für die nächsten Jahre mit einem weiteren Importanstieg gerechnet.

Chinas Textilimporte 2001 bis 2003 (in Mio. $)

2001 2002 2003
50: Seide 111,4 96,1 110,1
51: Wolle 1.897,0 1.831,3 1.682,8
52: Baumwolle 2.941,3 3.327,3 4.650,0
53: And. pflanzl. Spinnstoffe 268,5 334,6 435,1
54: Synthet. o. künstl. Filamente 3.330,2 3.332,2 3.603,4
55: Synthet. o. künstl. Spinnfasern 2.931,7 2.995,1 3.261,7
56: Watte, Filze u. Vliesstoffe 400,8 434,2 524,4
57: Teppiche 33,1 35,3 46,8
58: Spezialgewebe 610,1 647,2 706,3
59: Getränkte, bestrichene Gewebe 1.150,7 1195,3 1.225,2
60: Gewirke u. Gestrickte 1.336,5 1.432,0 1.640,4
61: Bekleidung aus Gewirken o. Gestrickten 475,4 523,3 556,5
62: Bekleidung 738,7 765,0 784,1

Summe 50 bis 62: 16.225,4 16.948,9 19.226,8

Quelle: General Administration of Customs of the PRC

Chinas Textilexporte 2001 bis 2003 (in Mio. $)
2001 2002 2003
50: Seide 826,6 767,3 824,1
51: Wolle 1.082,5 1.068,5 1.316,7
52: Baumwolle 3.658,1 4.894,2 6.220,6
53: And. pflanzl. Spinnstoffe 454,0 501,6 525,7
54: Synthet. o. künstl. Filamente 1.623,8 2.462,2 3.752,0
55: Synthet. o. künstl. Spinnfasern 2.659,2 2.523,4 2.786,9
56: Watte, Filze u. Vliesstoffe 329,9 364,6 468,9
57: Teppiche 490,7 557,0 673,6
58: Spezialgewebe 786,6 1.155,4 1 .554,6
59: Getränkte, bestrichene Gewebe 448,4 624,1 825,7
60: Gewirke u. Gestrickte 1.361,0 2.006,4 2.508,3
61: Bekleidung aus Gewirken o. Gestrickten 13.455,9 15.983,7 20.679,3
62: Bekleidung 18.952,1 20.582,5 25.079,8

Summe 50 bis 62: 46.128,8 53.490,7 67.216,2

Bewertung der Import- Exportströme(Interpretation)

China hat einen deutlichen Außenhandelsüberschuss bei Textilprodukten. Es werden im Jahre 2003 3 mal mehr Waren in US Dollar gerechnet exportiert als importiert. Tatsächlich aber ist die Außenhandelsbilanz bei Fasern aus chemischer Fertigung und Urproduktion und sonstigen Halbfertigprodukten und Produkten aus dem Heim- und industriellen Textilbereich ausgeglichen, während China in US Dollar gerechnet ca 30 mal mehr Bekleidungstextilien aus- als einführt. Insgesamt gesehen machen Bekleidungstextilien im Jahre 2003 77% der gesamten Textilexporte Chinas aus. Textil- und Bekleidungsprodukte nehmen im Jahr 2004 mit 16,1% Anteil an der Gesamtausfuhr Chinas in US Dollar gerechnet den ersten Platz.

Am Beispiel des Oligopolisten Karstadt wird deutlich, welche Bedeutung die chinesische Textil – aber vor allem die Bekleidungsindustrie weltweit inzwischen besitzt. So beträgt das Einkaufsvolumen des Karstadt Quelle Konzerns in China zur Zeit(2004) ca. 200 Millionen Euro, plus weitere 300 Millionen, die Lieferanten aus Hongkong beisteuern, die auch zumeist im chinesischen Hinterland fertigen lassen. 200 dicht gepackte Container verlassen Schanghai jede Woche Richtung Karstadt Quelle-Konzern. Gefüllt sind sie zu etwa drei Vierteln mit Bekleidungstextilien.

Unter den 10 Top Importländern des Karstadt Quelle Konzerns liegt China/Honkong mit 24,9% an 1. Stelle. Da der Schiffstransport von Schanghai nach Europa mindestens drei Wochen dauert, landet allerdings ein Teil der Aufträge für topmodische, schnell drehende
Artikel nicht in China, sondern in der Türkei (Platz 3 der internen Liste).

Mit dem Verfahren des Direkt Sourcing, unter Ausschaltung von Zwischenhändlern und Importeuren, lässt Karstadt Quelle derzeit etwa ein Drittel der Textil-Eigenmarken unter eigener Regie fertigen. Bei diesen No Names nämlich zählt bislang allein der Preis. Und der lässt sich am effektivsten steuern, indem man die konkurrenzfähigsten Partner weltweit identifiziert und gemeinsam mit ihnen nach Wegen sucht, die Produktion zu straffen.
Vom Rohwaren-Management bis zum Lieferanten-Coaching ist der Auftraggeber in die Prozesse seiner Produzenten auf jeder Stufe der Herstellung involviert. Zwischen Auftrag und Auslieferung liegen drei Monate.

2.4.4 Konsequenzen für die Textilindustrie der mit China handelnden Volkswirtschaften am
Beispiel von Deutschland


Die Liberalisierung der Quoten stellt einen unumkehrbar Prozess dar. China wird seine dominante Stellung in unserem Markt weiter ausbauen. Für die deutsche Textil- und Modeindustrie wird es zunehmend schwieriger, ihre Position auf dem traditionellen Absatzmarkt EU zu halten, denn auch in anderen Mitgliedstaaten wächst die internationale Konkurrenz. Sich in dieser Situation in die Defensive drängen zu lassen und auf den Einsatz von Schutzmaßnahmen zu vertrauen, erscheint dabei wenig erfolgversprechend, so meint Silvia Jungbauer vom Gesamtverband Textil-Moden Die weitaus zukunftsträchtigere Strategie liege in der Konzentration auf die besonderen Stärken der deutschen Textil- und Modebranche und in der Weiterentwicklung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Angesichts des gesättigten Binnenmarkts sei es entscheidend, mit hochwertigen Produkten internationale Absatzmärkte zu besetzen. China ist dabei sicher einer der vielversprechendsten Zielmärkte. Die chinesische Regierung selbst hat die Produktion von Technischen Textilien und Vliesstoffen zum neuen Entwicklungsschwerpunkt der Branche erklärt. Grund: Die nationale Produktion von Spezialtextilien hinkt in allen Bereichen dem Bedarf der Wirtschaft hinterher – von der Landwirtschaft über medizinische Textilien bis zum Bauwesen. „

Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie hat in den vergangenen 30 Jahren drei Viertel ihrer Betriebe und nahezu vier Fünftel ihrer Beschäftigten verloren. Als erste große Industriebranche geriet sie schon in den 70er Jahren in den Sog der Globalisierung. Der Strukturwandel ist bis heute nicht abgeschlossen. Die größten Verluste an Beschäftigung und Produktion fanden in den 70er und 80er Jahren statt, d.h. zu Zeiten eines weitaus restriktiveren Außenschutzes, der ein europäischer kein nationaler war. Für die Mitglieder des Binnenmarktes, die teilweise mit erheblich niedrigeren Lohnkosten operierten und gleichzeitig die bedeutendsten textilen Handelspartner darstellten, stand die Tür bereits weit offen. Auch die vor der Euro-Zeit noch möglichen währungspolitischen Interventionen haben der deutschen Textil- und Bekleidungsbranche Nachteile beschert. Italienische Exporte drängten abwertungsbedingt extrem verbilligt in die europäischen Nachbarländer. Ein ähnliches Ausmaß an künstlich durch Unterbewertung erzeugten Preisvorteilen kennt man heute von China. Deutschland als vergleichsweise reiches und teures Produktionsland ist seit langem umgeben von Nachbarn, die günstiger produzieren können – und die relativ früh zoll- und quotenfreien Marktzugang erhalten haben. Zunächst Südeuropa in der EG, dann Mittelosteuropa im Rahmen von Präferenzabkommen und schließlich die Türkei mit der Zollunion. Deutsche Unternehmen waren demnach bereits viel früher einem starken Anpassungsdruck ausgesetzt als die europäische Konkurrenz. Dieser Anpassungsdruck
hat dazu geführt, dass die deutsche Textilproduktion bereits zu 40 % im Bereich technische Textilien produziert, während Heimtextilien und Bekleidungstextilien jeweils nur noch 30% an der Produktion halten. Fast jedes deutsche Unternehmen hat heute anspruchsvolle Spezialtextilien in der Produktpalette – und sich damit oft genug die Existenz gerettet. „Die Technischen Textilien sind der Grund dafür, dass es in Deutschland noch eine Textilindustrie gibt“, urteilt Christian Rammer, der die Branche als Projektleiter im Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) untersucht hat. Die Einsatzmöglichkeiten Technischer Textilien sind schier unbegrenzt. Die Entwicklung neuer Fasern sowohl aus Naturmaterialien wie auch aus synthetischen macht Hightech-Textilien in vielen Bereichen zu einem Werkstoff der Zukunft. Technische Textilien werden längst auch im Baubereich eingesetzt, in der Luft- und Raumfahrtindustrie und der Medizin. Mit Technischen Textilien werden Deponien abgedichtet und landwirtschaftliche Kulturen geschützt. Sie dienen als Filtermedien in der Medizin und in der Umwelttechnik. Sie werden im Maschinenbau ebenso verarbeitet wie in der Bauindustrie oder in Sachen Schutzbekleidung als Dämmstoffe.

Technische Textilien sorgen zudem für die strapazierfähige antistatische Ausstattung von Autos und für höchste Funktionalität bei Sicherungssystemen vom Airbag bis zum Gurt. Es sind ihre Produkteigenschaften, die sie gegenüber hergebrachten Materialien wie Stahl oder Kunststoffen zunehmend zur ersten Wahl machen. Maßgeschneiderte Technische Textilien können stabiler und gleichzeitig flexibler sein, sie können eine größere Festigkeit haben und vor allem leichter sein als Konkurrenzmaterialien

Technische Textilien kurbeln den Export an und haben sich in den vergangenen Jahren mit inzwischen zur tragenden Säule der deutschen Textilindustrie entwickelt trotz der weitern Abnahme der Beschäftigung um 8,4% auf 106000 Beschäftigte.

Die mittelständischen Textilunternehmen hier zu Lande haben die Chancen der Technischen Textilien früh erkannt. Deutschland gilt in dem jungen Marktsegment als „Lead Market“ – hier werden technische Innovationen schnell in Produkte umgesetzt und früher als anderswo auch international vermarktet. Wesentlicher Faktor dafür ist die Kundschaft im Lande, allen voran die Automobilindustrie mit einem Output von 50 Millionen Fahrzeugen pro Jahr. Der Kunde Automobilindustrie regt durch immer neue Spezialwünsche zu Innovationen an. Weitere starke Industriezweige wie der Maschinenbau, die Medizintechnik oder die Filtrations- und Verbundwerkstoffindustrie entwickeln ihre Produkte ständig weiter und eröffnen damit auch der Textilindustrie neue Geschäftsfelder und Marktnischen.
Die hohe und ständig steigende Exportquote der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie zeigt, dass das Exportgeschäft in Unternehmensstrategien an Bedeutung gewinnt. Während 1991 nur knapp ein Viertel des Gesamtumsatzes exportiert wurde, gehen heute bereits fast 40 Prozent in den Export – mit steigender Tendenz. Angesichts sinkender Inlandsumsätze in vielen Betriebszweigen und des zunehmenden Importwettbewerbs wird das Exportgeschäft für viele Unternehmen nicht nur eine Notwendigkeit sein, sondern zur Überlebensfrage werden. - Deutschland gehört zu den am weitesten entwickelten Textil- und Modeländern.

Rüdiger Baumann, der Hauptgeschäftsführer vom Gesamtverband Textil-Moden sieht die Lage so: Solange wir in der Lage sind, auf unserem erreichten Niveau auch weiterhin Innovationen zu erzeugen, neue Nischenmärkte für uns zu finden und sie möglicherweise auch zu industriellen Massenmärkten auszubauen – solange ist die Befürchtung eines weiteren Niedergangs der deutschen Textilindustrie grundlos.

3.Schluss

Die bis Ende 2007 befristeten und im Zeitablauf großzügiger ausgestalteten Beschränkungen sollen das Importwachstum bestimmter Waren aus China dämpfen.

Der generelle Trend wird damit aber sicher nicht aufgehalten. China ist bereits heute Deutschlands größter Textil und Bekleidungslieferant. Darüber hinaus setzt sich der aus Zeiten des Quotensystems bekannte Effekt (legaler) Umgehungen fort: Chinesische Firmen betreiben passive Lohnveredelung in benachbarten Staaten. Europäische und US-amerikanische Auftraggeber lassen chinesische Produkte in anderen asiatischen Ländern endfertigen oder setzen umgekehrt – je nach dem, was die Ursprungsregeln im jeweiligen Absatzland erfordern, asiatische Stoffe für die Konfektion in China ein. Am Ende steht ein Produkt mit Ursprung Asien. Der chinesische Warenstrom bahnt sich also in jedem Fall seinen Weg. Vermutlich wird Deutschland in diesem Jahr erstmals mehr Textil- und Bekleidungswaren aus Asien beziehen als aus Europa. Die geschilderten Hintergründe führen zurück zu der alten Feststellung: die Importsituation ist nicht von einem Mengen-, sondern von einem Preisproblem gekennzeichnet .

Die vorliegenden Probleme mit Importmengenbeschränkungen bekämpfen zu wollen, ist kein nachhaltiges Rezept. Diese Feststellung beruht nicht auf ideologisiertem Denken, sondern auf den reichhaltigen Erfahrungen Europas mit dem Versuch, Preise über Mengen steuern. Schließlich muss es darum gehen, sich schleunigst Klarheit über die Wahrheit zu verschaffen.

Durch die vereinbarten Mengenbeschränkungen wird die tatsächliche Entwicklung des chinesischen Exportpotenzials in den nächsten beiden Jahren – zumindest in der Handelsstatistik – nicht offen zutage treten. Die bis zu den Importstopps gehandelten Mengen im laufenden Jahr lassen jedoch eine realistische Einschätzung des Szenarios ohne Quoten zu. In den ersten acht Monaten des Jahres 2005 wurde in einigen Produktkategorien bereits mehr importiert als im Rahmen der für 2006 vereinbarten Höchstmengen zulässig sein wird. Bei Pullovern wurde in diesem 8-Monats-Zeitraum sogar die veranschlagte Quote für 2007 überschritten. Angesichts dieser Fakten gilt es umso mehr, die durch das Memorandum entstandene Atempause wirkungsvoll zu nutzen und sich noch intensiver bewusst zu machen, wo die Stärken und ausbaufähigen Potenziale der deutschen und europäischen Industrie liegen. Wie deprimierend ist die Ausgangslage tatsächlich? Die deutsche Textil- und Bekleidungsindustrie verstärkt kontinuierlich ihre Auslandsaktivitäten. Ihre Exportquote verzeichnet jährliche Steigerungen. Dies kann nur mit international wettbewerbsfähigen, innovativen Produkten gelingen. Die Quotenliberalisierung zum 1. Januar 2005 hat sich nicht nur auf die Importströme, sondern auch bedeutend auf den Export ausgewirkt. Die intensivere Ausrichtung auf das Exportgeschäft erfolgt bereits seit längerem aufgrund der begrenzten Absatzmöglichkeiten für höherwertige Produkte im schwachen Inlandsmarkt, aber auch durch das Entstehen lukrativer Absatzmärkte in Schwellenländern mit hohen Wachstumsraten sowie durch die Konzentration auf innovative, know-how-intensive Produkte im Bereich der technischen Textilien und Multifunktionstextilien, die branchenüberdurchschnittliche Exportquoten aufweisen (50-80%).

Da die China-Ausfuhr weiter rasch zulegt, dürfte China noch in diesem Jahr auf Rang 2 der Exportmärkte außerhalb Europas aufsteigen. Trotz des weiter bestehenden Nachholbedarfs Chinas hinsichtlich der Erfüllung seiner WTO-Verpflichtungen hat sich die Marktöffnung der Volksrepublik seit ihrem WTO-Beitritt spürbar auf die Exportmöglichkeiten der deutschen Industrie niedergeschlagen. Daraus wird ersichtlich, wie wichtig der verbesserte Marktzugang gerade zu großen Schwellenländern für deutsche Unternehmen ist.

4. Internetadressen verwendeter Literatur:

- China an der Leine der Welthandelsorganisation ,FRANÇOISE LEMOINE

http://www.monde-diplomatique.de/pm/2002/04/12.mondeText.artikel,a0069.idx,19
- Chinas Rückkehr in die Geschichte, PHILIP S. GOLUB
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2004/10/08.mondeText.artikel,a0007.idx,0
- Wirtschaftspolitik und Wirtschaftswachstum, Margot Schüller
http://www.bpb.de/publikationen/ZG9I9U,0,0,IZPB_Wirtschaftspolitik_und_Wirtschaftswachstum.html
- Flächennutzungskonkurrenz durch exportorientierte Landwirtschaft, Katharina Paulitsch
http://www.wupperinst.org/globalisierung/pdf_global/baumwolle.pdf
- Chinas Textilindustrie kämpft mit vielen Tricks, Andreas Hoffbauer
http://www.handelsblatt.com/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!200012,200038,948661/grid_id/916972/SH/0/depot/0/
- Weltwirtschaftsgeographie Kapitel 09 Sektorale Betrachtung: Beispiel Textil- und Bekleidungsindustrie, Hans Blotevogel
http://www.uni-duisburg.de/FB6/geographie/Studium/Lehrveranstaltungen/WS2003_2004/Blotevogel/

Weltwirtschaftsgeographie/08Textil-Bekleidungsindustrie.pdf
Daten zur chinesischen Wirtschaft, Deutsche Botschaft Peking
http://www.auswaertiges amt.de/www/de/infoservice/download/pdf/wirtschaftsberichte/32_wb2.pdf

Markt und Produktionsstandort China, Lars Anke
http://www.ixpos.de/nn_6660/Content/de/Publikationen/00__PDF-Files/OAVMdMChina,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/OAVMdMChina.pdf
China: Neuer Partner und Konkurrent in der Weltwirtschaft, Joachim Jahnke
http://www.jjahnke.net/china.pdf
China als Handelspartner und Produktionsstandort für deutsche mittelständische Unternehmen, DIW
http://www.diw.de/deutsch/produkte/publikationen/gutachten/docs/China.pdf
Textilindustrie, China Radio International
http://de.chinabroadcast.cn/21/2004/01/13/1@3936.htm
China gegen den Rest der Welt, Georg Blume, Marcus Rohwetter, Christian Tenbrock
http://www.zeit.de/2005/19/China_Textilkrise
OAV-Unternehmerreise sondiert Potentiale in der chemischen Textilindustrie Lars Anke
http://www.ixpos.de/cln_039/nn_7850/Content/de/01__Aktuelles/News/2005/III/OAV__050721.html
Textilindustrie ein Stoff für Alpträume, Winand von Petersdorff
http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/
Doc~E818DC3387F9B4A16B4F9D6131A2B40BA~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Chinas Textilindustrie atmet auf, bfai
http://www.bfai.de/ext/Einzelsicht-Export/DE/Content/__SharedDocs/Links-Einzeldokumente-Datenbanken/fachdokument,templateId=renderPrint/MKT20050622101033.pdf
Textilbranche der VR China setzt nach Auslaufen der Quoten auf Modernisierung, bfai
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VR China - Textil- und Bekleidungsmaschinen - Marktentwicklung/-bedarf bfai
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Textilgigant China, eine Herausforderung für die deutsche Textil- und Modebranche, Silvia Jungbauer
http://www.gesamttextil.de/Jahrbuch%202003/E1171.htm
Das Jahr danach- Quotenliberalisierung 2005 – handelspolitische Rück – und Ausblicke, Silvia Jungbauer
http://www.gesamttextil.de/app/read/servDocs.asp?AttachmentID=486&Filename=Jahrbuch+2005+Endversion%2Epdf
Das Reich der Mitte im Visier, Wolf-Rüdiger Baumann
http://www.trend-zeitschrift.de/trend97/9711.html
High Tex sind der Ausweg, Eva-Maria Thoms
Die Faser macht den Unterschied, Christian Pietscher
Neue Stoffe für Hollywood, Cerutti und Schumi II, Christian Pietscher
Kurze Wege zu neuen Produkten, Florian Sievers
International stets einen Schritt voraus, Wolf-Rüdiger Baumann
http://www.textilverband.de/downloads/publikationen/HB_TechTex.pdf
Chemiefasern erobern weitere Marktanteile
http://www.textination.de/de/Daten%20Infos/Pressedienst/Aktuelle%20Meldungen
Wo Karstadt shoppen geht
http://www.mckinsey.de/_downloads/Presse/periodicals_mck_wissen_10_globalsource.pdf
VR China Gesamtwirtschaftlicher Ausblick 2006
http://www.bfai.de/ext/anlagen/PubAnlage_1548.pdf
http://www.bfai.de/ext/Einzelsicht-Export/DE/Content/__SharedDocs/Links-Einzeldokumente-Datenbanken/fachdokument,templateId=renderPrint/MKT20051222104717.pdf
VR China Wirtschaftsdaten kompakt
http://www.bfai.de/ext/Einzelsicht-Export/DE/Content/__SharedDocs/Links-Einzeldokumente-Datenbanken/fachdokument,templateId=renderPrint/MKT20051215110635.pdf
Focus Asien, Asienhaus
http://www.asienhaus.org/public/archiv/FocusAsien17.pdf
Die außenwirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands zur VR China, Deutsche Bundesbank
http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/2005/200506
mba_aussenwirt_beziehungen_china.pdf

 

5. Autorin und Copyrighthinweis

Diese Seminararbeit wurde Dany Richarz verfasst.

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chinaweb.de, September 2007