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Das
3-Schluchten-Staudammprojekt - |
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Was tut die Regierung um
die
entstandenen Probleme zu beseitigen? |
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Sanxia Staudammprojekt am Chang Jiang
2.1. Der Chang Jiang und seine 3 Schluchten
2.2. Die Großprojekte Gezhouba und Sanxia
2.3. Der ständige Kampf mit der Naturgewalt Wasser
2.4.
Der 3-Schluchten Staudamm: Sein Geschichtlicher Rückblick und
die Diskussionen
3.
Geplante Ziele, erhoffte Vorteile und entstandene Missstände
4.
Welche Maßnahmen leitet die Regierung ein, um die entstandenen
Missstände zu beseitigen
5. Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
7. Autor und Copyrighthinweis
1. Einleitung
Schon seit vielen Jahren ist der Yangtze Fluss mit seinen „Drei Schluchten“
ein beliebtes Reiseziel für viele Touristen aus aller Welt. Und durch die
Nachricht, dass der Yangtze auf grund des Staudammbaus im Jahr 2003 geflutet
werden sollte hat dies nur noch mehr Touristen angelockt, da
alle die drei Schluchten noch einmal in ihrer vollen Pracht bewundern
wollten. Damals aber wusste noch keiner genau über die Folgen der Flutung
und des Dammbaus bescheid. Diskussionen starteten, Kampagnen und
Gegenkampagnen wurden eingeleitet, Artikel und Bücher wurden geschrieben. So
auch eins der bekanntesten Bücher „Yangtze! Yangtze!“ von der chinesischen
Autorin Dai Qing, das 1989, im Jahr des Tiananmen Vorfalls eröffentlicht
wurde. Es geht anhand von Interviews, Artikeln und Aussagen von
Wissenschaftlern, Journalisten und Intelektuellen kritisch auf das
Staudammprojekt ein. Seither wird auch immer mehr Kritik über das einst
vielversprechende Projekt laut und Missstände werden aufgedeckt. Nationale,
sowie internationale Organisationen und Kommitees beschäftigen sich
eingehend mit dem Thema. Seit 2003, dem Jahr der Flutung des Staudamm
Reservoirs, hat sich einiges geändert. Endlich werden die Folgen bekannt,
vor denen viele nationale und internationale Experten schon Jahre lang
gewarnt haben. Hier möchte ich auch mit meiner Arbeit beginnen und
aufzeigen, was die Regierung unternimmt und welche Mittel sie einsetzt, um
die entstandenen Probleme zu lösen. Doch zuerst werde ich darauf eingehen,
welche Ziele sich die Regierung zum Bau des Staudamms gesteckt hat, welche
Vorteile sie sich davon erhofft hat und welche Probleme im entstanden sind.
Dabei gehe ich auf die wichtigsten wirtschaftlichen, sozialen und
ökologischen, Gesichtspunkte ein. Das sind z.B. der Schutz vor
Überschwemmungen, die Energiegewinnung, die Umsiedlung, usw. Das
Hauptaugenmerk meiner Ausführungen soll jedoch auf die Maßnahmen der
Politik, bzw. der Regierung gerichtet sein, die das Projekt als einen großen
Fortschritt für China sieht. Am Schluss folgt noch eine Zusammenfassung, in
der ich meine Resultate aufführe.
2. Das Sanxia Staudammprojekt am Chang Jiang
2.1 Der Chang Jiang und seine 3 Schluchten1 2 3
Der Yangtzefluss, einer der 5000 Flüsse Chinas, ist nach dem Nil und dem
Amazonas der 3.längste Fluss der Welt und Chinas größter Fluss, was auch an
seinem Namen erkennbar ist. In China wird er Changjiang genannt, wobei
Changjiang Langer Fluss bedeutet. Denn von seiner Quelle auf dem Qinghai-
Tibet-Plateau bis zum ostchinesischen Meer ist er 6300 km lang und
durchläuft insgesamt 9 Provinzen (Qinghai, Xizang, Yunnan, Sichuan, Hubei,
Hunan, Anhui, Jiangsu und Shanghai). Bei einer Kreuzfahrt durch die
berühmten Drei Schluchten des Yangtze Flusses, die meistens in der vierten
regierungsunmittelbaren Stadt Chongqing beginnen und in Shanghai enden, kann
man die Qutang, die Wuxia und die Xiling Schlucht bewundern. Die Qutang
Schlucht 瞿塘峡 ist die erste der Drei Schluchten und ist auch die Kürzeste mit
8 km. Sie beginnt bei der Stadt Baidicheng und endet bei Daxi
im Kreis Wushan. An ihrem Flusslauf türmen sich hohe Berge und steile
Felswände auf. Der Changjiang hat hier einen brausenden Flussverlauf. Die
Wuxia Schlucht 巫峡 erstreckt sich über 40 km. Sie öffnet sich nach den drei
kleinen Schluchten am Fluss Daning und Endet bei Guandukou im KreisBadong.
Die Wuxia Schlucht ist gekennzeichnet durch grüne Berge zu beiden Seiten des
Flusses. Man kann hier die zwölf Gipfel des Wushan-Berges bewundern und
viele Mythen der Reisebegleiter hören. Die Xiling Schlucht 西陵峡 ist mit ihren
76 km die Längste und beginnt westlich von Zigui. Nach 76 km endet sie dann
bei Yichang. Die Xiling Schlucht ist schroff, es ragen viele Felswände empor
und sie besitzt viele Quellen, Höhlen und Bäche.
2.2 Die Großprojekte Gezhouba und Sanxia 4 5 6 7 8
Vor der Stadt Yichang fährt man mit dem Schiff durch den bereits 1988
fertiggestellten Gezhouba-Damm. Er war mit seinen 70 m Höhe der größte Damm
auf dem Yangtze. Er dient zur Regulierung des Wasserstandes und u.a. zur
Stromerzeugung. Seine Stromerzeugung beträgt nach „bergbau, rohstoffe,
energie“ 13,9 Milliarden kWh/Jahr. Baubeginn war 1970 und der Gezhouba
Staudamm sollte 1987 fertiggestellt werden. Aber dieses einstmals riesige
Projekt wird schon seit einiger Zeit von einem noch größeren und
gewaltigeren Projekt überschattet: Dem „Drei-Schluchten Staudammprojekt“,
oder auch Sanxia Gongcheng 三峡工程 genannt. Es befindet sich einige Kilomenter
westlich vom Gezhouba-Damm bei der kleinen Ortschaft Sandouping in der Hubei
Provinz.
Nach seiner Fertigstellung wird er 185 m hoch sein und soll mit seinen 26
Generatoranlagen und einer jährlichen Kapazität von 84,7 Milliarden kWh/Jahr
15 Kernkraftwerke ersetzen können. Das ist 6 Mal mehr Energie, als die
geschätzte Energieproduktion des Gezhouba Dammes. Damit wird es zugleich
auch das größte Staudammprojekt auf der Welt sein. Der Staudamm wird dann
auch den größten Staudamm Nord Amerikas, den Grand Coulee Staudamm, sowie
den Itaipu Staudamm auf der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay
übertreffen. Das Staudammprojekt wurde bereits 1992 begonnen und in drei
Phasen eingeteilt. Die erste Phase (1992-1997) hat nur die technischen
Vorbereitungen beinhaltet. Gebaut wurde noch nichts. In der zweiten Phase
(1998-2003) wurde das Wasserkraftwerk am linken Ufer gebaut und die ersten
Generatorenaggregate installiert, sowie der Bau der Flut- und
Schiffsschleusen beendet, damit der Verkeht auf dem Yangtze in diesem
Abschnitt wieder aufgenommen werden konnte. Die dritte Phase, die erst seit
einigen Monaten begonnen hat (2003-2009), konzentriert sich auf das
Wasserkraftwerk am rechten Ufer und die restlichen Generatoranlagen. Der
größte und am Aufmerksamkeit erregenste Teil ist die dritte Phase. Sie
beinhaltet die Flutung des Reservoirs, das sich von Chongqing im Westen bis
nach Yichang im Osten erstreckt . Nach Beendigung des Staudammprojekts im
Jahr 2009 soll der Wasserpegel bis auf 175 m angestiegen sein.
2.3 Der ständige Kampf mit der Naturgewalt Wasser 9
Bewässerung, Hochwasserschutz, der Bau von Deichen, Kanälen und Reservoirs
haben schon im alten China eine große Rolle gespielt. Schon unter Yu dem
großen, dem Gründer der Xia Dynastie wurden diese Themen großgeschrieben.
Und immer wieder in der Geschichte haben Herrscher versucht die Naturkräfte
zu bannen. Damals aber unter dem Motto „tian ren he yi“ ( 天人合一), was als
Harmonie zwischen dem Himmel und den Menschen übersetzt werden kann. D.h.
die durchgeführten Projekte und Maßnahmen wurden in Einklang mit der Natur
durchgeführt. Auch Führern wie Sun Yat-sen (Sun Zhongshan), Mao Zedong, Li
Peng oder Jiang Zemin waren große Pläne wichtig, um die großen Wasserkräfte
zu kontrollieren. Jedoch stellt sich die Frage aus welchem Grund. Denn in
den letzten Jahrzehnten hat sich die eher traditionelle Einstellung
grundlegend geändert. Unter Mao im revolutionären China wurde der Spruch „ren
ding shen tian“ (人定胜天) geprägt. Übersetzt bedeutet dies, dass der Mensch die
Natur beherrschen solle und nicht umgekehrt, wie im alten China. Während der
Phase des großen Sprungs 1958-60 ( 大跃进) und der
Kulturrevolution ( 文华革命) sollte die Wirtschaft um jeden Preis vorangetrieben
werden. Großprojekte wurden gestartet, um die Natur nachdem „Dazhai“ ( 大寨)
Modell und nach den Vorstellungen der Menschen umzumodellieren. Die
ausgebildeten Jugendlichen wurden an die sogenannte
3. Front geschickt, um auf dem Lande und an den Grenzen die Gebiete zu
erschließen, die noch ungenutzt bracht lagen. Massen wurden mobilisiert (ren
duo li liang da 人多力量多), sogar das Militär kam zum Einsatz, um das Land
in dieser Zeit voranzutreiben.
Die Gründe für diese Anstrengungen waren meist politischer Natur. Durch die
vorangestellten Ziele, hier die Fluten der großen Flüsse im Schach zu
halten,
konnten die Führer ihre politische Macht und die Macht des Landes
demonstrieren. So war es z.B. ein angestrebtes Ziel Mao’s, das Wasser des
gelben Flusses klar fließen zu lassen (shang ren chu huang he qing 上人出黄
河清). Dies hat auch für kurze Zeit funktioniert, doch nach einiger Zeit war
die
Verschmutzung des gelben Flusses durch Sedimente (Versandung) sogar
noch schlimmer als zuvor.Hier kann man gut sehen, dass die
manchmal überdimensionalen und
übertriebenen Ziele zwar erreicht werden
können aber nicht von langer Dauer sein
können, weil sich die Natur einfach ihren
eigenen Weg bahnt und nicht durch
irgendwelche Prestigeprojekte leichtfertig
aufgehalten werden kann.
2.4 Der 3-Schluchten Staudamm: Sein Geschichtlicher Rückblick und die
Diskussionen10 11 12
Wie schon bereits erwähnt war es nun schon ein Traum vieler Führer von
Chinas, die Flüsse Chinas und insbesondere den Chang Jiang zu bändigen.
Ob nun, um die Bevölkerung vor Überflutungen zu schützen oder aus
Prestigegründen.
1992 hat sich
die Regierung
Chinas nun
endlich dazu
entschlossen,
den lang
geplanten 3-Schluchten Staudamm zu erbauen. Geplant wurde er aber bereits viele Jahre
vorher, also 1956, kurz vor der „Hundert-Blumen-Bewegung“, in der zur
öffentlichen Kritik an der Politik aufgerufen wurde.
1989, im Jahr des Tiananmen Vorfalls, kam das Sanxia-Projekt nun zum
ersten mal in die öffentliche Diskussion, als sich eine starke Opposition,
die
sich schon seit langer Zeit in der Bevölkerung gebildet hat, zu Wort
meldete.
Es gelang dieser Opposition sogar die Pläne für den Damm für einige Zeit zu
unterbrechen. Dieser Erfolg währte aber nur von kurzer Dauer. Denn schon
bald wurden die Planungen unter dem damaligen Federführer und
Premiermenister Li Peng, der das Projekt weiter vorantrieb, wieder
aufgenommen.
Hier stellt sich nun die Frage, warum sich eine Opposition, die sich
anscheinend schon seit längerer Zeit, wenn auch geheim gebildet hatte, erst
1989 zu Wort meldete.
Und warum wurden erst viele Bücher und
Artikel, wie z.B. das Buch von der
chinesischen Kritikerin Dai Qing
geschriebene Buch „Yangtze!
Yangtze“ nach 1989 veröffentlicht und
gleich wieder verboten? Warum wurden
Kritiker wie sie und der Hydroingenieur
Huang Wanli – einer der Hauptgegner des
Projektes - verfolgt und ihre Familien unter
Druck gesetzt, nur weil sie Kritik an solchen
Großprojekten wie dem Sanmenxia Damm auf dem Gelben Fluss oder dem
3-Schluchten Staudamm auf dem Yangtze äußerten? Und warum kennen
viele Chinesen heute noch nicht die Namen dieser Kritiker? Als ich mit
Chinesen über meine Arbeit über den Sanxia Staudamm sprach und Namen
wie „Dai Qing“ oder „Huang Wanli“ erwähnte, konnten sie mit diesen Namen
nichts anfangen und meinten, dass solche Kritiker in China nicht bekannt
wurden, und heute auch nicht.
Der Grund liegt in der Politik Chinas. Kritik wird nicht gerne gesehen und
wurde auch schon in der neueren Geschichte aktiv unterdrückt. Kampagnen
wie die „Anti-Rechtsabweichler-Kampagne“ nach der Hundert-Blumen-Bewegung wurden gestartet, nachdem sich das Volk traute den Mund zu
öffnen und Kritik zu äußern. Die Demonstration auf dem Tiananmen Platz in
Peking im Jahr 1989 wurden gewaltsam niedergeschlagen. Und auch heute
kann die Presse in China nicht alles veröffentlichen was sie möchte, da sie
sonst damit rechnen muss, dass die Agentur geschlossen wird. Dabei ist das
Internet noch der sicherste Weg, sich über solche Themen zu unterhalten, die
von der öffentlichen Kritik in China ferngehalten werden sollen.
So haben sich auf nationaler aber mehr auf internationaler Ebene viele
Organisationen, Kritiker und Gegner des überdimensionalen
Staudammprojektes zusammengeschlossen.
Dabei stößt man auf die Namen, wie z.B. der Autorin Dai Qing und Xue Weijia,
Tian und Lin, Leng Meng, Lu Daxian, Jun Jing, das International Rivers
Network, viele Menschenrechtsorganisationen wie z.B. Human Rights
Watch/Asia, International Wildlife, oder auch nur Experten und einfache
Chinesen, die Petitionen schreiben oder nur unter Freunden über diese
Themen reden, die nun einfach alle etwas angehen.
3. Geplante Ziele, erhoffte Vorteile und entstandene Missstände 13 14 15
16 17
Das vorrangig erklärte Ziel der chinesischen Regierung ist der Schutz vor
Überflutungen, denen schon viele Menschen zum Opfer gefallen sind. Ein
weiterer wichtiger Grund ist die Energieproduktion des Staudamms, der mit
seinen 26 Generatoranlagen 84,7
Milliarden kWh Strom produzieren soll.Eine Hoffnung der Erbauer ist es auch,
dass sich dadurch auch mehr Firmen
am Yangtze ansiedeln sollen und
somit ausländisches Kapital ins Land
kommen soll. Desweiteren soll der
Yangtze damit auch besser befahrbar für den Transport gemacht werden und
der Tourismus weiter angelockt werden. Die bessere Bewässurung des
umliegenden Landes zählt auch zu einen der Hauptziele des Projektes
Jedoch hat man bereits am Sanmenxia Staudamm gesehen, dass diese
erhofften Vorteile meistens nicht in den geplanten Zahlen umgesetzt werden
können oder dass diese Vorteile von immensen Nachteilen überschattet
werden.
Dabei ist die Umsiedlung von mehr als 1 Million Menschen wohl das größte
Problem und wird begleitet von vielen anderen. Dabei sind die wichtigsten
Missstände, dass durch die Flutung des Reservoirs viele Sehenswürdigkeiten
und Kulturstätten mit einigen Städten ertrinken werden. Fruchtbares
Ackerland geht dabei verloren. Tiere, wie z.B. der Yangtze Süßwasserdelphin,
der nur dort vorkommt, sind vom Aussterben bedroht. Desweiteren kann es
zu schwerwiegenden klimatischen Konsequenzen auf lokaler, regionaler und
globaler Ebene kommen. Es werden auch Probleme in Folge von Erosion und
Sedimentation auftreten. Und schließlich muss man sich mit den
Auswirkungen von Pfusch am Bau, Profitgier und Korruption
auseinandersetzten, wenn durch Profitgier mit schlechtem Material gebaut
wurde oder der Staudamm schon nach kurzer Zeit Risse bekommt und
Millionen Chinesen bedroht.
4. Welche Maßnahmen leitet die Regierung ein, um die entstandenen
Missstände zu beseitigen18
Welche Missstände durch einen gewaltigen Staudamm entstehen können
konnte in der Vergangenheit schon an Sanmenxia auf dem Gelben Fluss und
am Gezhouba auf dem Yangtze gesehen werden.
Dai Qing beschreibt im Kapitel „The Three Gate Gorge [Sanmenxia] and
Three Gorges Dams in ihrem Buch „The River
Dragon hast come“ genau diesen Zusammenhang
zwischen dem Sanmenxia Damm und dem Drei
Schluchten Staudamm. Die Probleme die durch
einen solchen Bau entstehen können und was das für Mensch, Tier und Umwelt bedeuten kann, das ist
schon lange kein Geheimnis mehr. Aber es scheint,
dass die Fehler am 3-Schluchten Staudamm noch
einmal wiederholt werden. Auf die wichtigsten
Missstände und wie die Regierung auf Hinweise auf
diese Missstände umgeht, werde ich in meinen
weiteren Ausführungen erörtern.
Das größte der Probleme ist offensichtlich die Umsiedlung, die einen großen
Einschnitt in das Leben der Menschen darstellt. Bis 1997 wurden bereits über
10 Millionen Menschen in China wegen Dämmen umgesiedelt. Die Regierung
nennt sie einfach „Reservoir Relocatees“ ( 移民水库). Im Falle des 3-
Schluchten Staudamms wurde 1985 mit einer Zahl von 725.500 Menschen
gerechnet, die umgesiedelt werden sollten. Diese Zahl hat sich aber in den
nächsten Jahren ständig erhöht. 1989 wurde eine Zahl von 1,13 Millionen
Menschen bekannt. Heute wird mit einer Zahl von 1,3 Menschen und mehr
gerechnet. Dabei kann es sein, dass sich die Zahl noch weiter erhöhen wird.
Ein Grund dafür, dass sich diese Zahl der Umsiedlungen ständig erhöht hat,
kann in den Finanzen gesucht werden. Es gibt Schätzungen von US$17 bis
US$20 Milliarden (Uni Marburg). Laut Regierung (Jun Jing) wurden aber nur
18 Mrd. Yuan (ca. 1,8 Mrd. US$) für die Umsiedlung gerechnet. Das sind
16.000 Yuan pro Person, wobei Kosten, die das Projekt erhöhen könnten
noch nicht eingerechnet sind. Und zusätzlich wird dieses Geld dann nicht
komplett für die Umsiedlung von Menschen verwendet, sondern auch für den
Abbau von archäogischen oder altertümlichen Stätten und Tempeln und
Aufbau an anderer Stelle, verwendet.
Es wird vermutet, dass die Schätzung der Menschen, die umgesiedelt werden sollten, so niedrig angesetzt wurde, um die geringen Umsiedlungskosten zu
rechtfertigen und um das Projekt in jedem Fall vom Politbüro und vom
Nationalen Volkskongress genehmigt zu bekommen.
Dass die Zahl der Umzusiedelnden Menschen so gering geschätzt wurde, hat
aber mehrere Auswirkungen. Es ist das Mindeste der Regierung, diesen
Menschen eine Entschädigung zu zahlen, dass sie ihre alten Häuser
abbrechen müssen, um an höherer Stelle wieder aufzubauen. Jedoch wird
diese Entschädigung sehr gering ausfallen oder wie man in vielen Fällen
erlebt hat, überhaupt erst nicht ankommen. Der Grund liegt gerade in diesem
Zusammenhang von geschätzter Zahl der Umsiedlungen und den
veranschlagten Kosten. Denn ist die vorausgesagte Zahl der Umsiedelungen
gering, so wird auch die finanzielle Hilfe gering ausfallen.
Desweiteren hat die Regierung zugesagt, dass die Menschen ein besseres
Leben haben sollen als vorher. Dies hat sich auch in einigen Fällen
bestätigt.
Dies jedoch nur bei den ersten Menschen, die umgesiedelt wurden.
Es darf nicht vergessen werden, dass durch den Staudamm 430.000 bis
450.000 Mu an größtenteils fruchtbarem Ackerland verlorgen gehen, das die
Bauern vor der Flutung des Reservoirs des 3-Schluchten-Staudamms
belandwirtschaftet haben. Diese Menschen, die dieses fruchtbare Land nahe
des Wassers verlassen müssen, haben meist nur die Möglichkeit in höher
gelegene Gebiete abzuwandern oder sie werden von der Regierung in
Gebiete geschickt, die schlecht oder gar nicht fruchtbar sind. Aber wie soll
sich ihre Situation verbessern, wenn sie keine angemessene Entschädigung
bekommen und dann noch auf schlecht belandwirtschaftbares Land geschickt
werden?
Da nicht genug Land vorhanden ist, in das die Menschen geschickt werden
können, werden sie teils auch in die Städte geschickt, wo sie Arbeiten in
Fabriken annehmen sollen. Da dort die Fabriken aber meist schon überfüllt
sind, ist diese Möglichkeit nicht befriedigend. Manchen wird versprochen an
den Baustellen des Staudamms mitarbeiten zu können. Dies kann aber nur
eine kurzfristige Lösung sein, denn wenn der Damm fertig ist, werden auch
diese Menschen arbeitslos werden und sich eine andere Arbeit suchen
müssen.
Ein weiterer großer Nachteil des Projekts ist, dass der Flutung insgesamt 14
Städte, 140 Kleinstädte, 660 Fabriken und jahrtausendalte Kultur zum Opfer
fallen werden (Nürtinger Zeitung vom 5.5.2003 und 22.3.2002).
Welche Städte und Gebiete untergehen
werden, kann man gut vor Ort besichtigen,
wenn man z.B. bei einer 3-Schluchten Tour
durch die Orte geht und dort überall
Schilder angebracht sieht, die den
Pegelstand des Wassers anzeigen. Dazu
die vielen Menschen, die hektisch ihre
Sachen packen und ihr Hab und Gut an
andere Orte transportieren. Ein kurzer Film des IRN
(http://www.irn.org/programs/threeg) zeigt ausführlich die Situation der
Menschen in den Gebieten des Reservoirs. Überall an den Gebäuden wurde
mit Sparyfarbe das Wort „Chai“ (拆) angebracht. Es bedeutet „abreißen“.
Dieses Schriftzeichen prägt die Straßen und verbreitet eine
Weltuntergangsstimmung.
Im Reiseprospekt „Drei Yangtse-Schluchten“, herausgegeben vom
Staatlichen Amt für Tourismus der VR China wird anfangs betont, dass große
Anstrengungen unternommen wurden, um die Landschaft zu schüzten und
die Sehenswürdigkeiten zu erhalten. Sie erlauben sich es sogar zu erwähnen,
dass nach dem Bau des Dammes die Landschaft unversehrt bleiben würde
und sogar noch neue Sehenswürdigkeiten geschaffen würden. Jedoch am
Ende des Prospekts wird das Drei-Schluchten-Projekt beschrieben und
aufgeführt, dass 13% aller Sehenswürdigkeiten gänzlich oder teilweise
überschwemmt würden.
Dieser Prospekt ist herausgegeben vom Staatlichen Amt für Tourismus, also
direkt von einem Amt, das der Regierung unterstellt ist. Hier kann man gut
erkennen, wie die Regierung zu diesem Thema steht. Der Prospekt ist sehr
positiv geschrieben. Es werden die schönsten Sehenswürdigkeiten und die
Schluchten in den schönsten Farben dargestellt. Dem 3-Schluchten-Projekt
jedoch wurde nur eine Seite gewidmet, auf der aber überwiegend die
positiven Seiten dargestellt sind. Nur die Dinge, wie die Überschwemmung
von einigen Sehenswürdigkeiten konnte nicht schön geredet werden. Von der
Überschwemmung von vielen Städten ist gar keine Rede.
Da ein solcher Prospekt aber nicht gut geeignet ist, um politische Tatsachen
zu diskutieren, sondern um Touristen anzulocken werde ich anhand von
anderen Quellen noch weiter auf die Einstellung der Regierung zum Sanxia
Projekt eingehen.
Ein wichtiger Grund, der meiner Meinung nach viel zu wenig angesprochen
wurde ist der der entstehenden direkten und indirekten Umweltprobleme auf
lokaler, regionaler und globaler Ebene.
Zum einen sind das die klimatischen Auswirkungen eines so großen
Staudamms, die bis hin zur globalen Ebene reichen können. Talsprerren
haben u.a. Auswirkungen auf das lokale Windsystem. Desweiteren haben sie
Einfluss auf das lokale Klima, das sich ändern kann. Auf regionaler Ebene
nehmen nur Einfluss wenn ihre Wasserfläche groß genug ist. Dabei können
sie die Luftfeuchtigkeit verändern. Auf globaler Ebene können Talsperren
sogar zum Treibhauseffekt beitragen, wenn durch die vorher bewaldeten
Gebiete jetzt weniger Photosynthese stattfindet. Durch die höhere
Verdunstung des Wassers bewirken große Talsprerren auch immer
Versalzung.
Diesen Problemen kann die Regierung nur wenig entgegenwirken. Die
Probleme können nur verringert werden, in dem mehrere und dafür kleinere
Dämme gebaut würden, wie der Hydroingenieur und Kritiker Huang Wanli
vorgeschlagen hat. Denn kleinere Dämme werden sich wie erwähnt nur auf
das lokale Klima einwirken. Aber am besten wäre es, wenn überhaupt kein
Eingriff in die Natur vorgenommen würde. Jedoch wäre dann auch der
mögliche Imagegewinn nicht so groß.19
Eine weiteres Problem, das schon vor der Flutung 2003 kritisch debattiert
wurde ist, dass man vor der Flutung z.B. 178 Müllgruben, 300.000 m²
öffentliche Toiletten, 1.500 Schlachthöfe und 41.000 Gräber beseitigen
musste. Auch ein Problem war, dass vorher schon viele Abwässer und Abfälle
in den oberen Flusslauf eingeleitet wurden. Hier war die Regierung aber fleißig und hat bereits 550 Millionen Euro investiert, um diesen Mangel zu
beseitigen.20
Eine Schwierigkeit, die die Erbauer des 3-Schluchten Staudamms schon lang
Zeit beschäftigt, ist die Sedimentation oder Versandung. Zwar wird von der
Regierung behauptet, dass die Sedimentation keine Auswirkungen auf die
Kapazität des Reservoirs haben würde, haben Studien über den Sanmenxia
und andere Staudämme jedoch das Gegenteil gezeigt. Sedimentation ist
immer ein Problem für Talsperren. Der Schlamm und Sand kann sich zum
einen im oberen Teil des Flusses ansammeln, so dass die Speicherkapazität
des Reservoirs begrenzt wird und es dann zu Überflutungen kommt, die
gerade vermieden werden sollen. Es kann auch sein, dass Schiffe Probleme
beim Durchfahren des Flusses bekommen können. Dieses Argument
vernachlässigt die Regierung, obwohl sie als eins der Vorteile den
verbesserten Transport mit Schiffen nennt, die durch den gehobenen
Wasserstand dann besser durch den Yangzi navigiert werden könnten. Dieser
Vorteil wird aber duch das ansteigende Sediment und Erosionen an den
beiden Flussseiten wieder zu Nichte gemacht.
Margaret Barber und Gráinne Ryder meinen in ihrem Buch „Damming the
Three Gorges“, dass der Transport auf dem Yangtze durch bessere
Verkehrskontrolle optimiert werden könnte und der Vorteil, dass der Yangtze
durch den Staudamm besser schiffbar gemacht würde, sei nur ein weiteres
Argument für den Dammbau.
Des weiteren hat das Sediment keine Möglichkeit
abzufließen, weil es durch den Staudamm
aufgestaut wird und dort den Damm gefährdet.
Eine Möglichkeit, mit der die Erbauer und die
Regierung diesem Problem entgegengehen kann
ist, eine Öffnung im Staudamm zu schaffen, wie
es am Gezhouba Staudamm gemacht wurde,
damit das Sediment abfließen kann. Diese
Möglichkeit wird auch von den Erbauern
umgesetzt.21 22
Dai Qing schreibt in “The River Dragon has come”, dass die Regierung mit
“soil conservation” diesem Problem entgegentreten wolle. D.h. Sauberes
Wasser soll angestaut werden, um das Sediment in Saisonen ohne Flut, aus
dem Reservoir zu waschen. Dies wird auch in einer Antwort auf eine Petition
von Experten bestätigt.
All diese Probleme können die Speicherkapazität des Reservoirs
beeinträchtigen und zu einem Effizientverlust führen. Aber dieses Problem
der
Sedimentation wird trotz eindinglicher Warnung von internationalen Experten
von der chinesischen Regierung nicht als bedrohlich eingeschätzt und
heruntergespielt.23
Ein Problem, auf das ich von einem chinesischen Student, der den
Studiengang WAREM (Water Resources Engineering and Management)
studiert hingewiesen wurde, ist der Konflikt zwischen Hochwasserschutz
und Energieproduktion.
Ein vorrangiges Ziel der Regierung ist, wie schon erwähnt, das des Schutzes
vor Hochwasser und Überflutungen. Dieser Schutz kann aber nur
gewährleistet werden, wenn man den Pegelstand des Reservoirs niedrig hält,
damit man bei einer Flut in den regnerischen Sommern aufstauen kann. Um
aber die geplante Energieproduktion zu erreichen, muss der Pegelstand sehr
hoch gehalten werden. Zu diesem Problem gibt es keine Aussagen von den
Verantwortlichen, wie es gelöst werden kann.24
Wie die Regierung wirklich über diese Probleme denkt, kann man gut in einer
ofiziellen Antwort auf eine Petition von 53 Experten erkennen, die dirket an
die Führungsebene des Volkskongresses und des Staatsrates gerichtet
wurde. Diese Antwort ging auch sehr schnell ein. Nur 1,5 Monate nach der
Petition erhielen die Experten eine Antwort.
In dieser Antwort geht es hauptsächlich um einen Vorschlag, bzw. die Bitte
den Wasserstand wie geplant nur auf 156 m anzuheben und nicht auf 175 m
(bis 2009). Denn diese Marke von 175 m wäre bei der Stadt Chongqing (重庆)
10 m höher, als normal würde die Stadt Chongqing bedrohen. Bei dieser
Petitionen wird eine Beziehung zum Bau des Sanmenxia Damms hergestellt
und die Regierung darauf hingewiesen, die Probleme dort in Betracht zu
ziehen. Angesprochen werden die Sedimentation, die Umsiedlung von 1,13
Millionen Menschen und die Umweltprobleme, die durch einen niedrigeren
Wasserpegel vermindert werden könnten.
In Ihrer Antwort nimmt die Regierung die genannten Probleme der Experten
auf und erklärt ausführlich ihre Meinung und Erfahrungen dazu. Jedoch gibt
die Regierung keine Fehler zu, sondern erwähnt immer wieder, dass die
Probleme eingehend studiert wurden und die Pläne alle vom Volkskongress
und somit vom Volk genehmigt worden wären.
Folgen der Sedimentation wären umfassend seit den 1950er Jahren studiert
und Entscheidungen auf grund von Feldstudien und mathematischen
Modellen gemacht worden. Desweiteren bestätigt die Regierung, dass diese
Probleme gelöst werden könnten, nennt aber keinerlei weitere Details wie sie
das anstellen wolle. Sie beruft sich hier vollkommen auf eine
Expertengruppe,
die vom TGCC (Three Gorges Construcion Committee) gebildet wurde.
Weiterhin erklärt die Regierung, dass die Fehler des Sanmenxia
Dammprojektes beim 3-Schluchten-Staudamm alle mit eingerechnet worden
wären, die 412 Experten eingehend erforscht hätten. Hier jedoch gibt sie zu,
24 Interview mit Liu Min,
dass Folgen der Sedimentation beim Bau des Sanmenxia unterschätzt
worden wären.
Auf die ökologischen Probleme geht die Regierung weniger detailiert ein und
betont immer wieder Projekte, die gestartet wurden, um z.B. Erosionen zu
verhindern.
Auf den Vorschlag die Umsiedlung in verschiedenen Phasen, anstatt
kontinuierlich durchzuführen reagiert die Regierung damit, dass dies
schlichtweg unpraktisch sei. Ein Experiment zur Umsiedlung sei zwischen den
Jahren 1985 und 1992 durchgeführt worden und hätte positive Ergebnisse
gezeigt.
Sie betont, dass bei der Umsiedlung seit Jahren immer nur einem Prinzip
gefolgt worden wäre, d.h. also nicht geändert werden will oder wird. An
anderer Stelle erwähnt sich auch, dass der Dammbau nicht durch
Massenmedien beeinflusst werden könnte. Dies ist eine klare Aussage und
macht deutlich, dass die Regierung nicht von ihren Plänen abweichen wird,
auch wenn sie am Ende des Antwortschreibens für die Meinungen und
Vorschläge dankt und verspricht, sie in ihre Pläne mit einzubeziehen.
Zum Schluss des Antwortschreibens werden noch einmal die Bemühungen
der Regierung hervorgehoben. Sie verweißt auf die ausführlichen
Untersuchungen von Wissenschaftlern und Ingenieuren, die angeblich vielen
Umfragen und Experimente, betont den Einsatz von den 412 Experten, über
300 Organisationen und 3200 Wissenschaftlern. Weiterhin erwähnt sie die
Gründung eines Drei-Schluchten Kommittees von 163 Experten, die 1991 das
Projekt als notwendig, technologisch durchführbar und ökonomisch vernünftig
eingeschätzt hätten. Aber als wichtigstes Argument taucht immer wieder auf,
dass das Projekt vom Nationalen Volkskongress genehmigt wurde und die
Regierung zieht sich somit aus der Verantwortung.
Zum Schluss macht die Führung klar, dass Fehler am Projekt einen Schaden
am Ruf des Projekts und am Image des Landes darstellen würde, um zu verdeutlichen, dass gründlich gearbeitet wird.
Und durch das ganze Schreiben zieht sich immer wieder die feste
Überzeugung, dass bei diesem Projekt mehr Zeit investiert wurde, größere
Untersuchungen angestellt wurden als bei anderen Projekten, um die großen
Ziele der Flutkontrolle, der Bewässerung, des besseren Transports per Schiff
und die Energieerzeugung, ohne Probleme erreicht werden könnten.25
5. Zusammenfassung
Umsiedlung in schlechtere Gebiete, zu niedrig kalkulierte Zahl der
Umsiedlungen, wenige oder gar keine Entschädigungen, zu niedrig kalkulierte
Kosten, schön geredete Umweltprobleme, hohe Ziele, die nicht eingehalten
werden können, u.s.w. Das sind alles Themen, die wir schon von anderen
Staudämmen kennen. Und immer wieder werden sie begangen. Immer
wieder werden die gleichen Gegenargumente der Regierung genannt.
Gründe für diese Rücksichtslosigkeit sind immer wieder entscheidende
Politiker, deren Erfolg abhängig ist vom Erfolg durch solche
Prestigeprojekte,
wie die des 3-Schluchten-Staudamms. Ihnen ist egal, was mit Millionen von
Menschen passiert.
Beide große Staudammprojekte, der Sanmenxia und der 3-Schluchten-Staudamm war den obersten Führern unterstellt. Der Sanmenxia war unterder Führung Mao Zedongs und der Sanmenxia Damm unter Deng Xiaopings.
Wichtige Leute, wie der Hauptingenieur Lin Yishan genießen den Schutz der
Regierung. Sie haben nichts zu befürchten, denn beide Projekte hatten das
Interesse (guanxin 关心) der Führungsebene, dessen oberstes Ziel es war,
das Projekt vorwärts zu treiben. Es wurde sogar von Ihnen behauptet, dass
die Projekte im Interesse des Volkes seien. Dai Qing begründet diese
Meinung der Führer in „The River Dragon has come“ damit, dass die Projekte
durch den Volkskongress und somit durch das Volk genehmigt und
befürwortet worden wären. Im Gegensatz dazu wird dann aber z.B. der
Wasserbauingenier Huang Wanli, ein Hauptgegner des Projekts, dessen
Vorschlag es war mehrere kleinere Dämme, als einen großen zu bauen,
verfolgt und deren Familien schikaniert.26
Aber egal, was für Folgen das Projekt für diese Menschen haben wird, die
angeblich für das Projekt gestimmt haben, wird es keine persönliche Folgen
für die Führer haben, die über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden
haben. Dai Qing beschreibt aber auch, dass die Meinung des Volkes
konsequent übergangen wurde, denn niemals hätte die Regierung weder eine
Abstimmung, noch eine Umfrage bei der Bevölkerung durchgeführt. Das
Projekt sollte gebaut werden, ob nun mit oder ohne ihrer Zustimmung. Denn
es sei ja alles für das Gemeinwohl.
Was aber, wenn der Staudamm gebaut wird, Fluten eindämmt und Milliarden
von kWh an Strom produziert werden, im Gegensatz dazu, es den Menschen,
die dort Leben schlecht geht? Was hat ein Großprojekt, das dem Gemeinwohl
dienen soll für einen Sinn, wenn es den Menschen, die doch die
Gemeinschaft sind, unter noch schlechteren Bedingungen leben müssen als
vorher?
Als ich mich anfangs mit dem Thema beschäftigt habe, habe ich an einer
Abstimmung im Internet teilgenommen, ob man den Bau des 3-Schluchten-
Staudamms befürworten würde. Damals habe ich klar „Ja“ angekreuzt.
Jedoch ohne zu wissen, was eigentlich genau dahintersteckte.
Nachdem ich das Thema bearbeitet hatte, wurde mir eine ganz neue
Sichtweise auf die Dinge eröffnet. Und obwohl viele Vorteile, wie z.B. die
Energiegewinnung ungenutzt bleiben würden, würde ich jetzt gegen den Bau
des Dammes stimmen. Oder zumindest wie der Ingenieur Huang Wanli für
mehrere kleinere Staudämme stimmen. Und vielleicht wäre die Alternative
von mehreren kleineren Dämmen sogar besser und sinnvoller. Sie würde
nicht so viele Probleme eröffnen und trotzdem könnten viele Vorteile
erreicht
werden.
Aber in China haben die Menschen immer noch keinen großen Einfluss auf
die Entscheidungen der Regierung. Und daran wird sich wahrscheinlich auch
so schnell nichts ändern. Wir hoffen, dass die Öffnung nach Außen, die
1978/79 unter Deng Xiao Ping begann, einen Anfang gemacht hat.
6. Quellen und Literaturverzeichnis
1 Vgl.: Das Staatliche Amt für Tourismus der VR China: Drei
Yangtse-Schluchten
2 Vgl.: Polo, Marco: Entdecken Sie China
3 Vgl.: Gloria, Harnisch, Braumann: Wasserkraft und Elektrizitätswirtschaft
http://202.114.65.34/~calis/yrrd/txk/img/457.jpg
4 Vgl.: Das Staatliche Amt für Tourismus der VR China: Drei
Yangtse-Schluchten
5 Vgl.: Fremdenverkehrsamt der VR China: Das Wasserbauprojekt der Drei
Schluchten
6 Vgl.: Gloria, Harnisch, Braumann: Wasserkraft und Elektrizitätswirtschaft
7 Vgl.: Slyke, Van/Lyman P.: Yangtze
8 Vgl.: Nürtinger Zeitung: Ertrinkende Landschaften
9 Vgl: Shapiro, Judith: Mao’s war against nature
Li Peng bei der Eröffnungszeremonie
http://www.3g.gov.cn/gcjs/index.htm
Mao am Sanmenxia Damm
Vgl. Judith Shapiro, Mao”s war
Against nature, politics and the
environment in revolutionary china
10 Vgl.: http://www.irn.org/programs/threeg/
11 Vgl.: Jing, Jun: Rural Resettlement
12 Vgl.: Shapiro, Judith: Mao’s war against nature
Der Hydroingenier Huang Wanli und seine Familie
Vgl. Judith Shapiro, Mao”s war Against nature, politics and the environment
in revolutionary china
13 Vgl.: Fremdenverkehrsamt der VR China: Das Wasserbauprojekt der Drei
Schluchten
14 Vgl.: Nürtinger Zeitung: Ein Jahrhundertprojekt stinkt zum Himmel
15 Vgl.: Nürtinger Zeitung: Ertrinkende Landschaften
16 Vgl.: Nürtinger Zeitung: Brüchiger Damm am Jangtse bedroht zehn Millionen
Chinesen
17 Vgl.: http://www.uni-marburg.de
18 Vgl.: Jing, Jun: Rural Resettlement
19 Vgl.: http://www.uni-marburg.de/
20 Nürtinger Zeitung: Ein Jahrhundertprojekt stinkt zum Himmel
21 http://www.threegorgesprobe.org/pi/documents/three_gorges/Damming3G/ch02.html
22 Vgl.: Slyke, Van/Lyman P.: Yangtze
23 http://www.threegorgesprobe.org/tgp/index.cfm?DSP=content&ContentID=9439
25 http://www.threegorgesprobe.org/tgp/index.cfm?DSP=content&ContentID=1101
26 http://www.threegorgesprobe.org/tgp/index.cfm?DSP=content&ContentID=9439
Bücher:
- Gloria, Harnisch, Braumann: Wasserkraft und Elektrizitätswirtschaft, in:
Gloria, Harnisch, Braumann: bergbau, rohstoffe,
energie/Band 24: Die
Energie- und Rohstoffwirtschaft der Volksrepublik China, Verlag
Glückauf Gmbh, Essen (1985), S.142
-168
- Jun Jing: Rural Resettlement: Past Lessons For The Three Gorges
Project, in: The China Journal, No.38, Juli 19976
- Kleinberg, Robert: China’s New Foreign Investment Policies, in:
China’s “Opening” to the Outside World: The Experiment
with Foreign
Capitalism, Westview Press, Inc. (1990), S. 167-194
- Polo, Marco: Entdecken Sie China, in: Polo, Marco: China, Mairs
Geographischer Verlag (2001), S. 7
- Shapiro, Judith: Introduction/Population, dams, and political repression,
A Story of two Environmental Disasters and the
Scientists Who Tried to
Avert Them, in Shapiro, Judith: Mao’s war against nature: politics and
the environment in
Revolutionary China, Cambridge University Press
(2001), S. 1-66
- Sit, Victor F. S.: Geography and natural resources: The Yangtze and its Delta, in: Hook, Brian: Regional Development
in China: Shanghai and
the Yangtze Delta: A city reborn, Oxford University Press (1998), S. 74-79
- Slyke, Van/Lyman P.: The Dams: Gezhouba and Three Gorges, in:
Yangtze: nature, history, and the river, Addison Wesley (1988), S. 184-189
Weitere Quellen:
- Das Staatliche Amt für Tourismus der VR China: China: Drei Yangtse-Schluchten
- Fremdenverkehrsamt der VR China: Das Wasserbauprojekt der Drei
Schluchten des Yangtse und die Kreuzschifffahrt durch die Drei
Schluchten im Jahr 2003
- Liu Min, Student an der Universität Stuttgart im Studiengang WAREM
(Water Resources Engineering and Management), Interview vom
21.2.2004
- Nürtinger Zeitung: Ein Jahrhundertprojekt stinkt zum Himmel,
22.3.2002
- Nürtinger Zeitung: Ertrinkende Landschaften, 5.5.2002
- Nürtinger Zeitung: Brüchiger Damm am Jangtse bedroht zehn Millionen
Chinesen
Internet:
- http://www.irn.org/programs/threeg/
- http://www.probeinternational.org/pi/3g/index.cfm
- http://www.threegorgesprobe.org
- http://www.threegorgesprobe.org/pi/documents/three_gorges/Damming3G/ch02.html
- http://www.threegorgesprobe.org/tgp/index.cfm?DSP=content&ContentID=1101
- http://www.threegorgesprobe.org/tgp/index.cfm?DSP=content&ContentID=9439
- http://www.unimarburg.de/geographie/HPGeo/personal/Opp/referat_winter/Talsperren_Hoover_Itaipu_Three_Gorges.htm
7. Autor und Copyrighthinweis
Dieser Beitrag wurde von
Michael Herrmann im Rahmen eines Seminars für Sinologie und Koreanistik
an der
Eberhard Karls Universität Tübingen im
Wintersemester 2003/2004 erstellt.
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Juni 2007 |