Das Deutschlandbild Chinas vor dem Hintergrund der
 

chinesisch-deutschen Beziehungen

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.   Was sind Nationenbilder und wie entstehen sie? Kurze begriffliche Erläuterung

2.   Das Selbstverständnis Chinas gegenüber seiner Außenwelt

3.   Die Entwicklung der chinesisch-deutschen Beziehungen und ihre Auswirkung auf
das chinesische Deutschlandbild

3.1  Das „kleinere Übel“: Das Image der Deutschen während der Kaiserzeit

3.2  Vom Sturz der Qing-Dynastie bis zur Gründung der VR China: Die Deutschen als Militärhelfer und Ideologielieferanten.

3.3  1949-1978: Das Deutschlandbild und die deutsche Frage vor dem Hintergrund
der sino-sowjetischen Beziehungen

3.4  Das Deutschlandbild in der Zeit der Westorientierung 

4.      Das Deutschlandbild Chinas in der Gegenwart

5.      Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Autorin und Copyright



Einleitung

Als die deutsche Wiedervereinigung 1989 unerwartet in greifbare Nähe rückte, kam es plötzlich wieder ans Licht: „das Schreckbild der häßlichen Deutschen, die ihre Geschichte durch Weltkriege und Massenmorde verspielt haben“[1]. Die Aussicht auf ein wirtschaftlich und geographisch mächtiges, wiedervereinigtes Deutschland ließ die alte Angst vergangener Zeiten und das Bild des „typischen“ Deutschen wieder aufleben: „fleißig zwar, ordentlich und effizient, aber auch verunsichert, obrigkeitshörig, aggressiv und immer auf der Suche nach irgendeinem Sonderweg“[2]. Konnte man den Deutschen nach all ihren historischen Verfehlungen überhaupt noch trauen? Die Skepsis und Besorgnis des Auslands war groß.

Die deutsche Wiedervereinigung hat eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen angestoßen, die sich mit der Perzeption Deutschlands von Außen beschäftigen. Aufgrund der  räumlichen Nähe und historischen Ereignisse wurden und werden bei diesen Untersuchungen insbesondere die europäischen Länder sowie Israel und die USA berücksichtigt. Das Deutschlandbild in anderen Teilen der Welt ist bisher jedoch höchst unzureichend dokumentiert und analysiert worden. Wie zum Beispiel sieht man die Deutschen in Asien? Gibt es auch dort das „Schreckbild des häßlichen Deutschen“?

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Deutschlandbild Chinas von Beginn der ersten Begegnungen zwischen den beiden Ländern im 17. Jahrhundert bis heute. Am Anfang der Arbeit erfolgt eine kurze theoretische Erläuterung zum Begriff „Nationenbild“ sowie eine allgemeine Darstellung des traditionellen chinesischen Selbstverständnisses gegenüber seiner Außenwelt. Der Hauptteil der Arbeit ist in prägnante Epochen der chinesischen Geschichte eingeteilt, in denen jeweils die Entwicklung der Beziehungen zwischen China und Deutschland skizziert und – soweit es die magere Quellenlage zuläßt - die Perzeption der Deutschen aus chinesischer Sicht dargelegt wird. In der Zeit ab Gründung der Volksrepublik China 1949 bis 1989 wird zudem die chinesische Haltung gegenüber der deutschen Frage thematisiert.[3] Am Ende der Arbeit erfolgen Einschätzungen zum heutigen Deutschlandbild Chinas, bevor ein abschließendes Fazit die Ergebnisse zusammenfaßt.  

1. Was sind Nationenbilder und wie entstehen sie? Kurze begriffliche Erläuterung

Kenneth Boulding beschreibt Nationenbilder als „eine Mischung aus erzählter Historie, Erinnerungen an vergangene Ereignisse, Geschichten und Gesprächen usw. plus einer großen Menge gewöhnlich schlecht verarbeiteter und oberflächlich gesammelter aktueller Informationen“[4]. Nationenbilder setzen sich zusammen aus einerseits anthropologisch bedingten Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozessen (Perzeptionen) und andererseits den daraus resultierenden Vorstellungsmustern über die Umwelt (Weltbild), über andere Individuen (Vorurteile) sowie über soziale Gruppen (Stereotype).[5] Somit sind Nationenbilder sozusagen das Ergebnis einer Übertragung „stereotyper Kollektivvorstellungen der sozialen Interaktion auf das internationale System“.[6]

Die wichtigsten Kanäle für die Entstehung und Verbreitung dieser sich tendenziell durch Dauerhaftigkeit auszeichnenden „Konstrukte“ sind verschiedene Präsenzformen, die von einer Nation ausgehen und ihr zugeordnet werden. Das können materielle Repräsentanzen der Nation sein wie zum Beispiel Gebäude, oder auch Werbung und Produkte, herausragende Ereignisse oder Persönlichkeiten sowie die verschiedensten zwischenmenschlichen direkten Kommunikationsformen. Einen wichtigen Einfluß auf die Entstehung von Nationenbildern haben vor allem die Massenmedien. Insbesondere wenn es darum geht, negativ geladene Bilder entstehen zu lassen, ist die Wirkung von Tageszeitungen, Fernsehen und Radio unumstritten. Viel schwieriger ist es dagegen ein positives Nationenbild gezielt zu erzeugen, was nach Dorsch-Jungsberger damit zusammenhängt, daß negative Nachrichten aus der Fremde eines der menschlichen Grundbedürfnisse, das Sicherheitsbedürfnis, sofort aktivieren, wobei positive Nachrichten Normalität herzustellen suchen in einem Umfeld, das von Fremdheit und Distanz bestimmt ist.[7]

Der Fokus von Nationenbildern kann auf verschiedene Einzelaspekte einer Nation gerichtet sein, so zum Beispiel auf einen angenommenen Charakterzug „des“ dieser Nation angehörigen Menschen, auf die Wirtschaftskraft des Landes oder auch auf ein historisches Ereignis etc. Abhängige Variablen des Nationenbildes sind somit politische, wirtschaftliche, psychische und soziale Gegebenheiten und ihre Veränderungen in Folge von plötzlich auftretenden neuen Situationen.[8] Dieses macht deutlich, daß die Wahrnehmung einer Nation nicht einheitlich sein kann, sondern geprägt ist durch zeitlich überlappende, facettenreiche, widersprüchliche und auch konträre Bilder. Zudem unterscheidet die vergleichende Stereotypen- und Imageforschung heute drei Ebenen der Wahrnehmung:

1)      die Bilder der Experten in Politik, Wirtschaft und Kultur,

2)      die Darstellung in den Massenmedien und

3)      die Wahrnehmung der Bevölkerung.[9]

Wie vorangehend dargestellt, steht das Bild einer fremden Nation immer im Zusammenhang mit dem Eigenbild, dem individuellen Weltbild. Nachfolgend soll daher auf das traditionelle Weltbild Chinas, welches sich bis zum heutigen Tage auf die chinesische Außenpolitik sowie die Perzeption anderer Länder auswirkt, eingegangen werden.

2. Das Selbstverständnis Chinas gegenüber seiner Außenwelt 

 Im Laufe der Geschichte des kaiserlichen Chinas wechselten sich Perioden der Abgeschlossenheit mit Zeiten der Offenheit und mannigfaltigen Kontakte mit der Außenwelt ab. Stets begriff sich China aber als Zentrum der Welt, wobei die Selbstbezeichnung als „Reich der Mitte“ diesen Anspruch reflektiert. Die gesamte zivilisierte Welt (tianxia – alles unter dem Himmel) wurde gleichgesetzt mit China bzw. dem Einflußbereich des chinesischen Reiches. Dieses Selbstverständnis begründete sich in der kulturellen Überlegenheit der Chinesen und ihrer Ordnungsvorstellungen, wie sie der chinesische Kaiser verkörperte. Dieser galt als Sohn des Himmels, dem kein anderer Herrscher ebenbürtig war. Sein Einfluß strahlte nicht nur auf das Reich der Mitte aus, sondern auch auf die umliegenden Völker. Nicht-Chinesen wurden grundsätzlich als „Barbaren“ bezeichnet und niemals mit den Chinesen auf gleicher Stufe stehend betrachtet.

Traditionell ist den Chinesen also die Vorstellung von der Gleichheit der Nationen fremd. Und auch die sogenannten Barbaren untereinander wurden nicht als gleich angesehen, sondern je nach dem Grad ihrer Zivilisiertheit beurteilt, die sich nach der Nähe oder Distanz zum chinesischen Kulturkreis richtete.[10] Diesen Völkern war es aber möglich, sich dem chinesischen Kulturkreis durch die Akzeptanz der chinesischen Überlegenheit anzunähern, was durch die Erfüllung einer Tributpflicht gegenüber dem chinesischen Kaiser zum Ausdruck gebracht werden mußte.[11] Durch die Eingliederung in das chinesische Tributsystem, welches China zur Regelung seiner Außenbeziehungen diente, wurde dem jeweiligen Volk im Gegenzug durch den chinesischen Kaiser Schutz gewährt. Bezeichnenderweise fielen die Tributbeziehungen in die Verantwortung des Ritenministeriums, während ein Außenministerium erst 1901 eingerichtet wurde.[12]

Als im 16. Jahrhundert die ersten Europäer auf dem Seeweg das Reich der Mitte erreichten, bewertete sie der Kaiserhof aus seinem Selbstverständnis heraus auf traditionelle Weise als Tributländer. Doch die Europäer stellten sich für den Kaiserhof als ein völlig neuartiger Gegner heraus. Nach mehreren kriegerischen Niederlagen gegen die europäischen Mächte (Opiumkriege) wurde den Chinesen die eigene Unterlegenheit sowie die Untauglichkeit des Tributsystems als diplomatisches Mittel gewahr. Das Reich der Mitte wurde gezwungen, seine Außenbeziehungen auf die Grundlage der Völkerrechtsvorstellungen Europas zu stellen und sich für den europäischen Handel zu öffnen.[13] China blieb fortan nichts anderes übrig, als sich daran zu gewöhnen, nicht mehr das Zentrum der Welt zu sein, sondern ein Staat unter anderen Staaten. Dennoch wurde das sinozentrische Weltbild nie vollständig abgelöst. Insbesondere die kulturelle Überlegenheit Chinas in der Welt wurde – und wird bis heute - stets betont. Und auch der Anspruch Chinas auf eine zentrale Rolle in der Welt wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts auf eine andere Art und Weise aufrechtzuerhalten versucht. So haben führende chinesische Politiker wie Sun Yatsen, Chiang Kaishek oder auch Mao Zedong sich immer darum bemüht, bestimmte globale Entwicklungen so zu deuten, daß China darin eine führende Rolle zufiel.[14]

Das Gefühl der kulturellen Überlegenheit sowie das stete Bemühen, sich an die Spitze globaler Entwicklungen zu stellen und damit die globale Bedeutung und Zentralität Chinas in der Welt herauszustellen, ist ein Charakteristikum, welches nicht nur das außenpolitische Denken und die außenpolitische Praxis Chinas stark beeinflußt hat, sondern konsequenterweise auch die chinesische Perzeption anderer Nationen. Dieser Umstand ist bei der nachfolgenden Dokumentation der Entwicklung der chinesisch-deutschen Beziehungen und des Deutschlandbilds Chinas stets im Hinterkopf zu behalten.

3. Entwicklung der chinesisch-deutschen Beziehungen und ihre Auswirkung auf das chinesische Deutschlandbild

3.1 Das „kleinere Übel“: Das Image der Deutschen während der Kaiserzeit

Die chinesisch-deutschen Beziehungen reichen bis in das 17. Jahrhundert zurück. Zu jener Zeit bekleideten neben anderen europäischen auch deutsche Jesuiten[15] zum Teil hohe Positionen am Kaiserhof der Qing-Dynastie. Große Anerkennung wurde den Jesuiten allerdings nicht von der chinesischen, sondern insbesondere von der europäischen Welt entgegengebracht: Die sogenannten Jesuitenbriefe aus China lösten an den europäischen Höfen eine wahre Chinoiserie und bei der damaligen europäischen Intelligenz große China-Begeisterung aus.[16]

Das Europabild in China wurde damals vor allem von Mitteilungen dieser Missionare über ihre Heimat geprägt, wobei die europäischen Länder von den Chinesen weitgehend als Einheit gesehen wurden. Neben den zahlreichen Werken, die unter dem Einfluß der Jesuiten entstanden, gilt das Zhifang waiji aus dem 17. Jahrhundert als das bedeutendste. Bis ins 19. Jahrhundert blieb es die maßgebliche Informationsquelle über viele Länder. In dem Eintrag über Deutschland findet man Anklänge, die das Klischee von Deutschland bis heute bestimmen. So heißt es unter anderem:

„Nordöstlich von Frankreich gibt es ein Land namens Deutschland. [...] Das Klima dort ist in den Wintermonaten sehr kalt. Man versteht es gut, die Zimmer warm zu machen; mit nur wenig Feuer heizt man sie, daß sie sehr warm werden. Die Bewohner leben zerstreut in allen Ländern als Soldaten; sie sind sehr treu, zuverlässig und tüchtig, kämpfen bis zum Tode und dienen nicht zwei Herren. [...] Im Handwerk sind sie sehr geschickt und fertigen Maschinerien an, an die kein gewöhnlicher Mensch denken würde [...].“[17]

Diese Beschreibungen der Missionare über ihre Heimatländer waren jedoch nicht weit verbreitet, was unter anderem daran lag, daß das Interesse an dem europäischen Kontinent von chinesischer Seite aus äußerst begrenzt war. Wie schon erwähnt, wurden die Europäer bis ins 19. Jahrhundert weitgehend als eine Art der Barbaren der fernen Länder angesehen, also als „Völker im rohen, unzivilisierten Zustand, moralisch und geistig unkultiviert“[18].

Spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts aber, als sich der Konflikt zwischen den europäischen Mächten und China zu verschärfen begann und das chinesische Reich langsam innerlich zerfiel, differenzierte sich das chinesische Europabild. Mehrere militärische Niederlagen, eingeleitet durch die Kanonenpolitik Englands und Frankreichs in den Opiumkriegen, zwangen das chinesische Reich zur Öffnung und machten es zum Objekt der europäischen Kolonialpolitik. Ihre militärische Unterlegenheit klar vor Augen, bildete sich in China eine sogenannte Selbststärkungsbewegung (1861-1895), bei der vor allem junge Intellektuelle am Westen orientierte Konzepte zur Stärkung des Landes entwickelten. Im Zuge dessen fand in diesen Kreisen eine breite fachliche Auseinandersetzung mit der europäischen Geschichte, Kultur und insbesondere der Wissenschaft statt, so daß diese neue Generation über weitaus genauere Kenntnisse über Europa verfügte.[19]

Auch die Deutschen zeigten zunehmendes Interesse an der Erschließung des chinesischen Marktes. Der damalige Deutsche Bund entsandte eine Expedition in den Fernen Osten, die drei Aufträge wahrnehmen sollte, nämlich den Abschluß eines Handelsvertrages, die wissenschaftliche Erforschung der Topographie und die Gründung eines „deutschen Hongkongs“. So kamen 1861 mit der Unterzeichnung des „Deutsch-chinesischen Handels- und Freundschaftsvertrag“ die ersten diplomatischen Beziehungen zustande. Zudem ließ Deutschland China militärische Unterstützung im Kampf gegen die Engländer und Franzosen zukommen. Zwischen 1861 und 1871 unternahm der Geograph Ferdinand von Richthofen verschiedene Reisen nach China, auf denen er geopolitisches und ökonomisches Grundlagenwissen zusammentrug und Empfehlungen für ein verstärktes Chinaengagement erteilte.[20]

Im Gegensatz zu den Engländern und Franzosen wurden die Deutschen von den Chinesen zunächst jedoch nicht als Großmacht betrachtet. Größere Aufmerksamkeit wandte China Deutschland erst nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 und der anschließenden Reichsgründung zu. Das kaiserliche China zeigte sich in militärischer und politischer Hinsicht beeindruckt von dem deutschen Sieg über die Franzosen, deren Truppen es selber unterlegen war. Seitdem setzte sich das Wort „Deutsch“ in der chinesischen Transkription mit „Tugend“ (De) und „Wille“ (Yizhi) durch und erhielt dabei eine hohe Wertschätzung. Mit Deutschtum wurde Preußentum und Soldatentum sowie Eigenschaften wie Vaterlandsliebe, Tapferkeit, Gehorsam, Ehrlichkeit, Fleiß und Gründlichkeit verbunden. Alles Charakteristika, die von der damaligen chinesischen Führung in ihrem Kampf gegen die äußere Bedrohung als nachahmenswert angesehen wurden.[21] Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern wurden insbesondere in wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht weiter ausgebaut. Bis 1885 stieg Deutschland zum zweitgrößten Handelspartner Chinas auf.[22]

Das gute Image der Deutschen änderte sich, als auch Deutschland 1898 mit der Annexion der Jiaozhou-Bucht und dem Ausbau der Hafenstadt Qingdao (Tsingtao) imperialistische Allüren an den Tag legte. Schließlich wurde bei der blutigen Niederschlagung des Boxer-Aufstandes[23] in Peking, bei dem Deutschland als eine der insgesamt acht ausländischen Armeen maßgeblich beteiligt war, der Tiefpunkt des deutschen Images in China erreicht.[24] Aus dieser Zeit stammt auch die politisch überzogene „Hunnenrede“ von Kaiser Wilhelm II., mit der er eine militärische Strafexpedition als Reaktion auf die Ermordung des deutschen Gesandten Freiherr Klemens von Ketteler durch aufständische Boxer nach China entsandte.[25]

3.2  Vom Sturz der Qing-Dynastie bis zur Gründung der Volksrepublik China: die Deutschen als Militärhelfer und Ideologielieferanten

Die Unzufriedenheit über die eigene miserable soziale Lage und über den schwachen Kaiser, der es nicht schaffte, die europäischen „Barbaren“ vom Reich der Mitte fernzuhalten, wuchs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter den Bauern und der aufgeklärten Intelligenz beständig. Die Revolution von 1911, hinter welcher in erheblichem Maße der westlich orientierte Intellektuelle Sun Yatsen stand, führte schließlich zum Sturz des chinesischen Kaisertums und zur Gründung der Republik China am 1.1.1912. Sun mußte jedoch bald darauf sein Amt als provisorischer Präsident der Republik aufgrund von Machtkämpfen zwischen ihm und dem Militärmachthaber Yuan Shikai an denselben abgeben. Yuan erhielt dabei die Unterstützung der Kolonialmächte England, Frankreich, Rußland, Japan und Deutschland, da sie ihn als den geeigneten Mann für die Wahrung ihrer Interessen in China ansahen. Mit dem Tode Yuans im Jahre 1916 zerfiel die Republik China dann jedoch in verschiedene Einflußzonen militärischer Machthaber.[26]

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Juli 1914 in Europa hatte in China nur geringes Aufsehen erregt, da sich die Chinesen vom fernliegenden europäischen Kriegsgeschehen nur wenig betroffen fühlten. Doch während sich die europäischen Mächte nun auf den europäischen Kriegsschauplatz konzentrierten, nutzte Japan die Gelegenheit, um in China einzudringen. So besetzten japanische Truppen im August 1914 das deutsche Pachtgebiet Qingdao. Mit dem ersten Weltkrieg kam es dann auch zu einer historischen Zäsur in den chinesisch-deutschen Beziehungen: War Deutschland bis 1914 eine der Mächte gewesen, die China in einen Zustand des „Halbkolonialismus“ gestürzt hatten,[27] so gehörte es nach 1919 zu den Besiegten, denen sich das neue China spontan verbunden fühlte und dem es sich – neben der noch jungen Sowjetunion – am stärksten zuwandte.[28] Diese Entwicklung war auch bedingt durch die für China enttäuschende Regelung der Großmächte in Versailles, die das ehemalige deutsche Pachtgebiet den Japanern zusprach. Im Vergleich zu den anderen Kolonialmächten wurde Deutschland nun als das „kleinere Übel“ angesehen. Der relativ geringe Schaden, den Deutschland China zugefügt hatte, verschwand nun wieder hinter dem ansonsten guten Ansehen der Deutschen. 

In dieser Zeit verstärkte sich das Eindringen westlicher Ideen in erheblichem Maße. Es entstand eine Intelligentsia, die in Japan, den USA, Europa oder auch in China selbst in den Schulen und Institutionen mit ausländischen Lehrern ausgebildet wurde. Angesichts des demütigenden halbkolonialen Zustands und der tiefen Zerrüttung im Lande, gelangten zahlreiche chinesische Intellektuelle zu der Überzeugung, daß die Rettung Chinas in der totalen Verwerfung aller seiner Traditionen und in der systematischen Nachahmung des Westens lag. Während dieser breiten Auseinandersetzung mit westlichem Gedankengut fanden auch die Werke vieler deutscher Philosophen, Literaten und Wissenschaftler ein breites Publikum. Hervorzuheben ist hier der Einfluß der Philosophie von Kant und Nietzsche sowie natürlich der Werke von Engels und Marx.[29] 

Nach dem Bruch mit den Sowjets Ende der zwanziger Jahre weitete sich die Zusammenarbeit zwischen den nun gleichberechtigten, republikanischen Staaten Deutschland und China aus. Dies zeigte sich im anwachsenden Waffen- und Rohstoffhandel, im Eisenbahnbau sowie beim Studentenaustausch. Außerdem halfen deutsche Militärberater dem Präsidenten der Republik China, Chiang Kaishek, welcher als Nachfolger von Sun Yatsen 1928 mit seiner Nationalen Partei (Guomindang = GMD) China erneut vereint hatte, bei seinen Feldzügen gegen die 1921 gegründete Kommunistische Partei Chinas (KPCh). Wegen der militärischen Beschränkungen, die Deutschland im Versailler Vertrag auferlegt worden waren, stellte diese Hilfe auch für die Deutschen einen großen Nutzen dar. Chiang Kaishek holte sich aus Deutschland aber nicht nur militärische Unterstützung, sondern auch geistige Anregungen. So suchte er eine partielle Nachahmung der NS-Ideologie, insbesondere der diktatorischen Methode Hitlers. Angesichts der eigenen chaotischen Situation im Lande bewunderten die Chinesen den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg, insbesondere in der Zeit nach 1933. Bedingt durch die große räumliche Entfernung und die guten bilateralen Beziehungen fühlte sich China nicht durch Hitler bedroht. Chiang hoffte, durch die Imitation von Hitlers geistiger Aufrüstung der mentalen Widerstandskräfte gegen die Kommunisten und die in China immer weiter vordringenden Japaner größere Erfolge zu erringen - allerdings vergebens.[30]

Der zügig eskalierende Konflikt zwischen China und Japan zwang Deutschland dann aber, sich zwischen den beiden asiatischen Staaten zu entscheiden. Schließlich schaffte es Japan, Deutschland 1936 auf seine Seite zu ziehen, weil Hitler das Inselreich als besser für die Vernichtung des Weltkommunismus geeignet sah. Nachdem die USA 1941 Deutschland den Krieg erklärt hatten, folgte auch die Republik China mit einer Kriegserklärung. Diese richtete sich jedoch weniger gegen Deutschland direkt, sondern vielmehr gegen den Erzfeind Japan. China erhoffte sich dadurch die Unterstützung der USA im seit 1937 andauernden Krieg gegen Japan, während eine Bedrohung durch Deutschland für China irreal war.[31]

Die Kriegserklärung markierte das formale Ende des deutschen Einflusses in China, und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unterstrichen eine Repatriierungswelle von „China-Deutschen“ bis 1954 und ein großer Kriegsverbrecherprozeß 1946/47 die nun ablehnende Haltung Chinas gegenüber Deutschland.[32]

3.3  1949-1978: Das Deutschlandbild und die deutsche Frage vor dem Hintergrund der            sino-sowjetischen Beziehungen

Auf die Niederlage der Japaner im Zweiten Weltkrieg folgte ein dreijähriger Bürgerkrieg zwischen den Truppen der KPCh und der Guomindang, aus dem die Kommunisten siegreich hervorgehen konnten. Die Guomindang floh 1949 mit einem Teil ihrer Elitetruppen auf die Insel Taiwan, wohin Chiang Kaishek den Sitz der Regierung der Republik China verlegte, während Mao Zedong am 1. Oktober 1949 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking die Volksrepublik China ausrief.

Ideologisch richteten sich die chinesischen Kommunisten im wesentlichen an der Sowjetunion aus. Das chinesisch-deutsche Verhältnis wurde insbesondere dadurch verkompliziert, daß sich nun auf beiden Seiten zwei neugegründete, geteilte Staaten gegensätzlicher Ideologie und Blockzugehörigkeit gegenüber standen. Neben der außenpolitischen Beeinflussung durch ihre prädominanten, antagonistischen Bündnismächte – Sowjetunion und USA – und der räumlichen und ideologischen Distanz zwischen beiden Ländern war insbesondere der Alleinvertretungsanspruch[33] beider Staaten der entscheidende Hinderungsfaktor im chinesisch-deutschen Verhältnis. Von vier möglichen Verbindungskombinationen konnte sich nur eine einzige verwirklichen, nämlich die der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und der Deutschen Demokratischen Republik, womit die politischen Beziehungen zwischen Bonn und Peking für mehr als zwei Jahrzehnte blockiert wurden.[34] Zwischen der VR China und der BRD bestanden bis zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahre 1972 nur sehr wenige politische Kontakte,  allerdings gab es durchaus eine wirtschaftliche[35] und in geringerem Maße auch kulturelle Annäherung. Durch die gemeinsamen Interessen mit der DDR und nicht zuletzt von dem Geist des „Anti-Imperialismus“ geleitet, stand die VR China der Bundesrepublik  - der chinesischen Auffassung nach ein Vasall der USA – feindselig gegenüber. So entwickelten die VR China und die DDR in starker Anbindung an die Sowjetunion ihren Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland, wobei Peking die sowjetische Deutschlandpolitik und eine deutsche Wiedervereinigung unterstützte.

Das Deutschlandbild bildete sich zu dieser Zeit für den größten Teil der Bevölkerung ausschließlich aus öffentlichen Verlautbarungen der Regierung. Diese finden sich in nahezu sämtlichen Medien der Volksrepublik, da diese seit Gründung der VR China einer Zensur unterworfen sind. Offizielles Presseorgan von Partei und Regierung ist bis heute die auflagenstärkste Tageszeitung Renmin Ribao, die Volkszeitung, welche sich somit gut für eine Analyse des Deutschlandbilds in der VR China eignet. 

Die Berichterstattung der Volkszeitung über Deutschland beschränkte sich von 1949 bis in die sechziger Jahre lediglich auf Bereiche der Politik bzw. der internationalen Politik, während Themen wie Wirtschaft und Kultur größtenteils ausgeklammert wurden. Berichtet wurde vor allem über Ereignisse in Deutschland zur deutschen Frage sowie über die bilateralen Beziehungen zwischen der DDR/BRD und der VR China. Bei vielen dieser Beiträge handelte es sich um Abdrucke aus dem sowjetischen Pressesprachrohr, der Prawda.[36] 

In den sechziger Jahren kam es aufgrund ideologischer Gegensätze zum Bruch zwischen der VR China und der Sowjetunion, womit Peking auch von der Haltung Moskaus und Ostberlins zur deutschen Frage abwich. Im Zuge der Neuorientierung der chinesischen Außenpolitik ging die chinesische Führung in den sechziger Jahren in Abgrenzung zu der bisher vorherrschenden „Zwei-Lager-Theorie“ der Sowjetunion[37] zu einem eigenen Modell für die Beschreibung der internationalen Beziehungen über, der „Zwischenzonen-Theorie“. Zwischen den beiden Lagern der „imperialistischen“ Staaten UdSSR und USA hätten sich hiernach zwei „Zwischenzonen“ entwickelt: Eine erste Zwischenzone, die von den nach Selbständigkeit strebenden Staaten der Dritten Welt gebildet wird, und eine zweite Zwischenzone, die sich aus den kapitalistischen Staaten Westeuropas, Australien, Japan und Kanada zusammensetzt. Diese Konstellation sollte es aus Sicht der chinesischen Führung möglich machen, im Sinne einer Einheitsfrontstrategie mit Teilen dieser beiden Zwischenzonen zusammenzuarbeiten und die USA zu isolieren, wobei die Führungsrolle von der VR China übernommen werden sollte. Im Zuge dessen kam es neben der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit einer Vielzahl afrikanischer Länder auch zu einer chinesischen Annäherung Richtung Westeuropa. Während Peking mit dem Etablieren offizieller Beziehungen mit Frankreich einen Erfolg verbuchen konnte, scheiterte der Versuch der diplomatischen Annäherung an die Bundesrepublik zunächst - so wie auch bei den meisten anderen westeuropäischen Staaten – in erster Linie am Widerstand der USA.[38] In den offiziellen Verlautbarungen der chinesischen Führung wurde Bonn nach dieser gescheiterten Annäherung 1964 als „treuer Komplize“ der USA dargestellt, der wie diese „militärische und revanchistische Ambitionen“ hege.[39]

Während der ersten Jahre der von Mao zur Sicherung seiner Macht initiierten „Großen Proletarischen Kulturrevolution“ (1966-69) war die Volksrepublik China international fast völlig isoliert. In dieser Hauptphase der Kulturrevolution wurde alles Kapitalistische und Bürgerliche rigoros bekämpft, entsprechend negativ fiel die Berichterstattung über die Bundesrepublik Deutschland in dieser - auch von offizieller chinesischer Seite im nachhinein als Katastrophe bezeichneten – Periode aus. Es wurde von einer „sterbenden kapitalistischen BRD“ gesprochen, die ein Staat „voller antifaschistischer Demonstrationen der Studenten“ war, die mit Begeisterung die Mao-Bibel schwenkten. Besondere Aufmerksamkeit erhielten auch die bundesrepublikanischen Arbeiterstreiks. Ausführlich thematisiert wurde die „Verelendung“ der westdeutschen Arbeiterklasse durch hohe Arbeitslosigkeit, drastische Preiserhöhungen und Umweltverschmutzung.[40] Zudem wurden wahre Verschwörungstheorien der deutschen Wirtschaft in der chinesischen Presse verbreitet. Danach hätten westdeutsche Monopolkreise mit ihrer „revanchistischen Expansions- und Aggressionspolitik“, wenn auch vergeblich, versucht, sich von einer wirtschaftlichen Großmacht in eine politische Großmacht  und schließlich zu einer militärischen Großmacht zu verwandeln, die vom alten Plan Hitlers von einem Großdeutschen Reich durchdrungen sei. So beabsichtigten sie, die verlorenen Territorien wieder zu erlangen. Mit Hilfe des Selbstbestimmungsrechts versuchten sie darüber hinaus, Deutschland wieder zu vereinigen, wobei die DDR einfach „geschluckt“ werden solle, um eine weitere Ausdehnung nach Osten zu ermöglichen. Kraft der Unterstützung der US-Imperialisten bereite die herrschende „Clique“ Westdeutschlands mit großer Anstrengung einen Krieg vor.[41]

Am Ende der sechziger Jahre sah sich die chinesische Führung nicht nur vor einem innenpolitischen Chaos, sondern auch außenpolitisch völlig isoliert zwischen den beiden Supermächten, wobei sich das sino-sowjetische Verhältnis immer weiter verschlechterte.[42] In dieser Situation bemühte sich die chinesische Führung schließlich um eine Annäherung an die USA und abermals an die Länder Westeuropas – dieses Mal mit Erfolg. Dementsprechend veränderte sich auch die Berichterstattung: Je näher der Zeitpunkt der Aufnahme diplomatischer Beziehungen heranrückte, desto weniger war sie von den monoton negativen Angriffen und Kritiken gegen diese Länder geprägt. Das erste Mal seit Mitte der fünfziger Jahre wurde offiziell wieder von der „Bundesrepublik Deutschland“ statt wie zuvor von „Westdeutschland“ geredet.[43] 

Im Oktober 1971 wurde die VR China nach zwei Jahrzehnten vergeblichen Bemühens unter Ausschluß der Republik China (Taiwan) in die Vereinten Nationen aufgenommen. Kurz darauf kam es zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit einer Vielzahl von Ländern, unter anderem mit den USA und der BRD 1972.[44] Diese Ereignisse brachten eine Wende in der chinesischen Perzeption der Bundesrepublik. Neben den gewöhnlichen, aber in der Zahl reduzierten „Krisen in der kapitalistischen Welt“ (wie z.B. Streiks und Demonstrationen), wurde über die Ereignisse in der Bundesrepublik zunehmend sachlicher und öfter auch kommentarlos berichtet.[45]

In der Frage der deutschen Wiedervereinigung schlug sich Peking nun auch auf die Seite der Bundesrepublik, nachdem seine Unterstützung seit dem Bruch mit der Sowjetunion bis zur Einleitung der Politik der Westorientierung der DDR gegolten hatte. Das lag jedoch nicht daran, daß Peking Ostberlin während dieser Zeit wirklich freundschaftlich gegenüber gestanden hatte, im Gegenteil. Im Grunde sah die VR China die DDR nur als eine Art „verlängerten Arm des Sozialimperialismus“ der Sowjetunion.[46] Hauptbestimmungsfaktor jeglicher Annäherung gegenüber Ostberlin war somit Moskau. Die VR China erhoffte sich dadurch, auf der Westflanke der Sowjetunion Unruhe zu stiften, mit dem Ziel, von dem eigenen Konflikt mit den Sowjets entlastet zu werden. Allerdings hat Peking von 1949 bis 1983, sei es an der Seite der DDR oder an der Seite der Bundesrepublik, die Politik der deutschen Wiedervereinigung stets unterstützt. Neben dem Konflikt mit der Sowjetunion spielte dabei die eigene irredentistische Politik gegenüber Taiwan im Hintergrund immer eine Rolle sowie die Tatsache, daß sich Peking durch ein potentiell starkes Deutschland im Gegensatz zu vielen europäischen Nachbarländern nicht bedroht fühlte.[47]

3.4  Das Deutschlandbild in der Zeit der Westorientierung

Der Tod Mao Zedongs im September 1976 und der darauffolgende Sturz der sogenannten Viererbande[48] leitete das Ende der revolutionären Phase in der Volksrepublik China ein. Die neue Führungsriege unter dem Reformer Deng Xiaoping setzte sich für den wirtschaftlichen Aufbau des Landes ein und vertrat eine pragmatische Linie in der chinesischen Außen- und Außenwirtschaftspolitik. Nach jahrelanger Abschottung öffnete sich das Land nun gegenüber dem Westen mittels Sonderwirtschaftszonen und zahlreicher Investitionsmöglichkeiten für ausländische Unternehmen. Die VR China strebte nunmehr ein friedliches internationales Umfeld an, um ihre Modernisierungspolitik voranzutreiben. In diesem Rahmen weiteten sich die Beziehungen und wirtschaftlichen Kontakte zwischen der VR China und der Bundesrepublik ständig aus.

Die wichtige Funktion der Sowjetunion für das chinesischen Deutschlandbild und die Einstellung Chinas zur deutschen Frage begann sich 1983 zu wandeln. Mit dem Tode von Staats- und Parteichef Breschnew war im November 1982 eine Ära der Stagnation in der sowjetischen Innen- und Außenpolitik zu Ende gegangen. Nach einer kurzen Übergangsphase hatte die neue Führung unter Gorbatschow die Normalisierung der Beziehungen zur VR China im Rahmen der Perestroika-Politik eingeleitet. Dies trug dazu bei, daß die Weltlage aus der Sicht Pekings nicht mehr so bedrohlich aussah wie zuvor – eine Bestandsaufnahme, die sich auch auf die chinesische Haltung zur deutschen Frage auswirkte. Im Rahmen der Normalisierung der Beziehungen zwischen Peking und Moskau entfielen dann auch die Hindernisse in den Beziehungen zwischen der VR China und der DDR. So wurde Honecker 1986 als „Genosse“ und „langjähriger Freund des chinesischen Volkes“ sowie als Gast aus der Heimat von Karl Marx und Friedrich Engels freundlich in Peking empfangen.[49]

Vor dem Hintergrund dieses Wandels der Mächtekonstellation wurde das Deutschlandbild der VR China neu konstruiert. Den deutsch-deutschen Konflikt ideologisch-propagandistisch und machtpolitisch auszunutzen, schien für Peking nun überflüssig zu sein. Im Gegensatz zu seiner bisherigen Haltung der Unterstützung für die deutsche Wiedervereinigung der Bundesrepublik, sollte nach Meinung Pekings die deutsche Frage unter der Voraussetzung für den Frieden in Europa und in der ganzen Welt von den Völkern der beiden deutschen Staaten geregelt werden. Die Frage der Wiedervereinigung der deutschen Nation stellte für die VR China kein wichtiges Thema mehr dar. Es wurde nunmehr sachlich und kommentarlos darüber berichtet.[50] Bei einem Besuch von Bundeskanzler Helmut Kohl in der VR China im Oktober 1984, bei dem umfangreiche Abkommen und Verträge im Bereich der Wirtschaft und des Kulturaustausches unterzeichnet wurden, entfiel dann erstmals die bisherige verbale Unterstützung für die deutsche Wiedervereinigung von Seiten der chinesischen Gastgeber.

In der chinesischen Presse nahmen in der Zeit von 1983-1989 die früheren Pflichtkommentare und -berichte über die bundesrepublikanischen Streiks, über Arbeitslosigkeit und Demonstrationen weiter ab. Das politische und wirtschaftliche Geschehen wurde zunehmend sachlich und ideologiefrei dargestellt; ein Zeichen dafür, daß sich die bilateralen Beziehungen gut entwickelten: Der Handelsaustausch erreichte bis Ende der achtziger Jahre rund 3,5 Milliarden US-Dollar, zwischen sämtlichen Bundesländern und zahlreichen chinesischen Provinzen kam es zu Partnerschaftsbeziehungen und auch beim Kultur- und Wissenschaftsaustausch war es rasch vorangegangen.[51] Neben der Tagesberichterstattung prägten auch immer noch die Handbücher in den Bibliotheken das Bild der Welt in der VR China. In den meisten chinesischen Nachschlagewerken aus dieser Zeit fällt auf, daß insbesondere Preußen im Mittelpunkt des Eintrags steht, wodurch ein Deutschlandbild entsteht, wie es außerhalb Deutschlands allgemein vorherrscht.[52]

Die positive Haltung der chinesischen Führung gegenüber der Bundesrepublik endete dann jedoch mit dem Tiananmen-Zwischenfall im Juni 1989 in Peking. Wie die Mehrheit der Staaten der Welt übte auch Bonn scharfe Kritik an der chinesischen Führung und verhängte wirtschaftliche Sanktionen. Die DDR jedoch war in dieser internationalen Isolation eines der wenigen Länder, die Peking Verständnis für die gewaltsame Niederschlagung der Demokratiebewegung entgegenbrachten, was zu einer weiteren Intensivierung der Beziehungen zwischen der VR China und der DDR führte.[53]

Nach diesen Ereignissen in Peking wurde die deutsche Wiedervereinigung im Jahre 1990 in den chinesischen Medien verhalten, teils sogar kritisch kommentiert. Zwar war und ist Peking – gerade im Hinblick auf die Taiwan-Frage - weiterhin der Meinung, daß „Gleiches und Gleiches zusammengehört“ und die Wiedervereinigung somit grundsätzlich positiv zu bewerten sei,[54] aber trotz dieser prinzipiellen Unterstützung wurde das historische Ereignis eher zurückhaltend kommentiert. Dies hatte neben der generellen Abkühlung der bilateralen Beziehungen zwischen Peking und Bonn in Folge des Tiananmen-Massakers jedoch noch andere Gründe. Zum einen hatte Peking durch die deutsche Wiedervereinigung einen „sozia-listischen Bruder“ verloren, zum anderen war die deutsche Einheit durch eine „friedliche Revolution“ zustande gekommen, wohingegen die chinesische Studentenbewegung zuvor gewaltsam niedergeschlagen worden war, was für die chinesische Führung eine Art Gesichtsverlust darstellte.[55]

4. Das Deutschlandbild Chinas in der Gegenwart

Nach der internationalen Isolierung nach dem Tiananmen-Zwischenfall kam es schon ein gutes Jahr später in Brüssel und Bonn zu Renormalisierungsbeschlüssen über das Verhältnis zur chinesischen Führung. Seitdem haben erneut zahlreiche Besuche von Spitzenpolitikern beider Länder stattgefunden, und auch die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen wurden wieder aufgenommen und bis zum heutigen Tage intensiviert.

Wie nimmt man in der Volksrepublik China die Deutschen heutzutage wahr? Die Zeitschrift Fusion schreibt in ihrer Ausgabe 3/99 in einem Artikel über „China und sein Deutschlandbild“: „Wer China heute kennt, weiß, daß kein Land der Welt dort so hoch angesehen ist wie Deutschland“.[56] Auch wenn diese Aussage übertrieben ist – unbestritten bleibt, daß die Deutschen in der VR China einen sehr guten Ruf genießen. Wie ist dieses positive Deutschlandbild der Chinesen angesichts der wechselhaften Entwicklung der chinesisch-deutschen Beziehungen zu erklären?

Eine wichtige Rolle spielt der chinesische Eindruck, daß Deutschland heute ein wirklich friedliches Land ist, welches die Lehren aus den zwei Weltkriegen gezogen hat. Wie vorangehend beschrieben, ist im chinesischen Bewußtsein Deutschland nicht in vergleichbarer Weise wie England, Frankreich, Holland, Japan – und zunehmend auch die USA – von den negativen historischen Erfahrungen Chinas mit der Außenwelt belastet.[57] Der Krieg in Europa findet in den chinesischen Geschichtsbüchern ebensowenig statt wie der asiatische Kriegsverlauf in der europäischen Schullektüre. Zwar sind die Naziverbrechen bekannt, und ein Film wie „Schindlers Liste“ fand auch in der Volksrepublik ein breites Publikum, doch eine kritische, öffentliche Auseinandersetzung mit der Hitler-Zeit hat hier nicht stattgefunden. Außerdem rechnet man es den Deutschen in der VR China hoch an, daß sie sich im Gegensatz zu den eigenen japanischen Nachbarn mit ihrer militärischen Vergangenheit kritisch auseinandersetzen. Denn was Deutschland für die Europäer ist, ist Japan für die meisten Asiaten. Auf eine Entschuldigung für die japanischen Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg wartet man in China bis zum heutigen Tage vergebens. Die starke Abneigung gegen die Japaner ist in der VR China von Generation zu Generation weitergegeben worden; noch heute werden sie von vielen Chinesen – und sogar in chinesischen Grundschullehrwerken – als „riben guizi“, „japanische Teufel“, bezeichnet.[58]

Daß die VR China keine historisch bedingten Vorurteile gegen Deutschland hat, macht jedoch nicht allein das hohe Ansehen der Deutschen in der Volksrepublik aus. Ein wichtiger Grund ist auch der außerordentlich gute Ruf der deutschen Industrie, vor allem im Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus. „Made in Germany“ ist in diesem Gebiet gleichbedeutend mit Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und vor allem Qualität.[59] Insbesondere Kraftfahrzeuge deutscher Fabrikation liegen in China hoch im Kurs. Daimler Benz (heute Daimler Chrysler) und BMW kennt hier jeder. Für die wirtschaftliche Modernisierung Chinas gilt die deutsche Wirtschaft heute noch als Vorbild, wobei die auch in China bis heute als typisch deutsch angesehenen altpreußischen Tugenden wie Fleiß und Disziplin als Rezeptur für wirtschaftlichen Erfolg angesehen werden.[60] Stets betont werden in diesem Zusammenhang die guten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern: Deutschland ist seit langem der wichtigste europäische Handelspartner der Volksrepublik.[61]

Des weiteren speist sich das positive Deutschlandbild im Reich der Mitte aus der im chinesischen Bewußtsein noch fest verankerten Vorstellung, daß Deutschland wie kein anderes Land in der Vergangenheit eine „Nation der Dichter und Denker“ gewesen sei. Für viele Chinesen sind Goethe und Schiller wie auch die Komponisten Beethoven und Bach nicht nur leere, fremdartig klingende Namen. Und auch Jürgen Habermas mußte bei seiner Reise durch die Volksrepublik im April 2001, auf der er mit seinen Vorträgen die Hörsaale der renommierten Universitäten in Peking und Shanghai füllte, feststellen, daß die deutsche Philosophie in der Volksrepublik noch einen erstaunlich guten Ruf hat. Kant, Hegel, Nietzsche, Heidegger und natürlich Marx gelten hier als Kernfiguren des philosophischen Denkens.[62]

Und was gilt für „die Chinesen“ noch als typisch deutsch? Lange Zeit war es der Fußball, der sich auch in der VR China einer großen Fangemeinde erfreut. Das Wirken des deutschen Trainers Klaus Schlappner als Couch der chinesischen Nationalmannschaft hat dazu einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet und den deutschen Fußball in China äußerst populär gemacht. Viele Chinesen können die Namen der Trainer und der wichtigsten Spieler der deutschen Nationalelf und Bundesligaspieler aufzählen.

Darüber hinaus ist auch in der Volksrepublik das – inzwischen bei chinesischen Männern zum Nationalgetränk aufgestiegene - Bier ein Inbegriff des Deutschen. „Deutsche trinken Bier, viel und immer.“[63] Die von den Deutschen während ihrer Kolonialzeit in Qingdao begründete Großbrauerei, die bis heute mit ihrem „Qingdao pijiu“ ( „Qingdao-Bier“) nicht nur in der VR China ein gutes Geschäft macht, bestätigt diesen Ruf zusammen mit zahlreichen anderen in der Volksrepublik produzierten deutschen Biersorten, wie zum Beispiel Becks oder Paulaner. Letztere trägt zudem dazu bei, daß das chinesische Deutschlandbild häufig auch im Reich der Mitte bayerisch eingefärbt ist. In den für chinesische Yuppies als In-Treff geltenden Paulaner-Brauhäusern servieren Asiatinnen im Dirndl bayrische Spezialitäten, und auch das Oktoberfest wird hier alljährlich gefeiert.[64] Selbst der „Musikantenstadl“ durfte bereits aus der „Verbotenen Stadt“ in Peking senden.

Das positive Image der Deutschen hat jedoch auch einige Risse. Deutschland habe sich mit seinem von der chinesischen Führung als „Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ verurteilten Nato-Einsatz im Kosovo 1999 an einem „Angriff auf die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges“ beteiligt, wie die Volkszeitung berichtete. Auch wenn Peking die Schuld vor allem auf die USA schob, so blieb – insbesondere nach der Zerstörung der chinesischen Botschaft in Belgrad – ein fader Nachgeschmack.[65]

Zudem werden in der Volksrepublik die zunehmenden rechtsextremistischen Übergriffe in der Bundesrepublik registriert, auch wenn sie das chinesisch-deutsche Verhältnis nicht belasten.[66] Dieses Problem ist vielen Chinesen jedoch präsent und wird nicht selten bei Gesprächen mit Deutschen thematisiert.       

Zusammenfassung

Summa summarum fiel und fällt das Deutschlandbild in China erheblich positiver aus als in den meisten deutschen Nachbarländern. Das „Schreckbild des häßlichen Deutschen“ gibt es in der VR China nicht. Ausschlaggebend hierfür sind verschiedene Gründe: Zum einen tragen die relativ geringen negativen Erfahrungen, die China im geschichtlichen Verlauf der bilateralen Beziehungen mit Deutschland gemacht hat, dazu bei. Im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern, die in China ab Ende des Kaiserreiches bis zum Zweiten Weltkrieg als Kolonialmacht aufgetreten sind, wurde Deutschland stets als das „kleinere Übel“ angesehen. In diesem Zusammenhang sei auch nochmals darauf hingewiesen, daß die chinesische Führung trotz der Kriegserklärung 1941 an die Deutschen auch zum Nazi-Regime weitestgehend gute Beziehungen pflegte und sich durch Hitler – im wesentlichen bedingt durch die räumliche Entfernung - in keiner Weise bedroht fühlte und auch keinerlei Schaden durch das nationalsozialistische Regime davongetragen hat. Auch war die militärische Zusammenarbeit mit Deutschland für fast alle chinesischen Führungen, abgesehen von den Kommunisten, von großem Interesse in ihrem Kampf gegen die Kolonialmächte sowie später im chinesischen Bürgerkrieg. Bis zur Gründung der Volksrepublik waren Perioden der Verschlechterung der chinesisch-deutschen Beziehungen im wesentlichen auf die Einmischung anderer Staaten in die chinesische Innen- und Außenpolitik zurückzuführen und weniger auf das bilaterale Verhältnis selbst.

Zum anderen sind die fast beständig guten Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern als Grund für die überwiegend positive Wahrnehmung der Deutschen in China zu nennen. Selbst in Zeiten, in denen die politischen Beziehungen auf Eis lagen und ein sehr negatives Deutschlandbild in den chinesischen Medien gezeichnet wurde (insbesondere zwischen 1949 und 1972), hat stets ein Austausch auf wirtschaftlicher Ebene stattgefunden.

Ähnlich sah es bis Anfang der achtziger Jahre aus: Das Verhältnis zwischen den beiden Staaten war in erster Linie abhängig von der Freundschaft bzw. Feindschaft Pekings zu Moskau sowie zu Washington, und wurde nur in der Hauptphase der Kulturrevolution (1966-1969) fast ausschließlich von ideologischen Gegensätzen bestimmt. Im Zuge dessen hatte die Volksrepublik an der deutschen Frage lediglich ein Scheininteresse. Seit dem Bruch mit der Sowjetunion 1960 diente diese für China nur als außenpolitisches Instrument. Je nach machtpolitischer Wetterlage unterstützte Peking die Position der DDR oder der Bundesrepublik, wobei jegliche Äußerungen stets auf die Schwächung der Stellung der Sowjetunion abzielten. Die Kommentare in der chinesischen Presse zur Einheit Deutschlands 1990 fielen dementsprechend verhalten aus, wozu die blutige Niederschlagung der chinesischen Studentenbewegung durch die Pekinger Führung und die internationale Isolierung infolgedessen beitrugen. Keinesfalls jedoch hatte man wie in weiten Teilen Europas Angst vor einem wirtschaftlich und geographisch mächtigen, wiedervereinigten Deutschland.

In seinem Artikel über die heutige Wahrnehmung Deutschlands in der Volksrepublik China kommt Otto Mann am Ende zu der Schlußfolgerung: „Man liebt sie nicht geradezu, aber im Großen und Ganzen ist man den Deutschen wohlgesonnen.“[67] Damit trifft Mann wohl recht gut den Kern der Sache. Denn trotz aller Bewunderung für die Wirtschaftskraft und die deutschen Produkte, für die Deutschen als Nation der Dichter und Denker, von denen sich so viele chinesische Führer ideologische Anleihen geholt haben – nein, lieben tut man sie nicht, die Deutschen. Dies bleibt dem eigenen Vaterland vorbehalten; und gemäß des traditionellen Selbstverständnisses der kulturellen Überlegenheit ist man stolz auf die fast fünftausendjährige chinesische Geschichte und ihre kulturellen Errungenschaften, hinter denen ein Marx verblaßt. Überdies herrscht selbst in China der Eindruck von den zwar sorgfältigen, disziplinierten und pünktlichen Deutschen vor, denen es jedoch an Humor, Wärme und Lebensfreude fehlt. So steht in einem chinesischem Buch, das sich zur Aufgabe gemacht hat, dem interessierten Leser das ferne Land in Europa näher zu bringen: „[...] Deguoren de fancai rutong tamen de xingge, daiban er wu xiyinli“ –  Das Essen der Deutschen ist wie ihr Charakter, steif und ohne Anziehungskraft.[68]

Literaturverzeichnis

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[1] Trautmann, Günter: „Einleitung“, in: ders. (Hrsg.): Die häßlichen Deutschen? Die Deutschen im Spiegel der westlichen und östlichen Nachbarn, Darmstadt 1991, S. 1-27, hier S. 1.

[2] Ebd.

[3] Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, wird sich hier ab 1949 lediglich auf die Perzeption der Volksrepublik China beschränkt, nicht jedoch auf die der Republik China auf Taiwan.

[4] Boulding, Kenneth E.: „National Images and International Systems“, in: Rosenau, James N. (Hrsg.): International Politics and Foreign Policy. A Reader in Research and Theory, New York 1971, S. 391-98, zitiert nach Kunczik, Michael: Die manipulierte Meinung. Nationale Image-Politik und internationale Public Relations, Köln/Wien 1990, S. 172.

[5] Vgl. Marten, Eckhart: Das Deutschlandbild in der amerikanischen Auslandsberichterstattung. Ein kommunikationswissenschaftlicher Beitrag zur Nationenbildforschung, Wiesbaden 1989, S. 4.

[6] Marten 1989, S. 44.

[7] Vgl. Dorsch-Jungsberger, Petra: „Nationenbildforschung und PR – Streuverluste  vermeiden“, in: Mahle, Walter A. (Hrsg.): Deutschland in der internationalen Kommunikation, Konstanz 1995, S. 83-93, hier S. 89.

[8] Vgl. Dorsch-Jungsberger 1995, S. 88.

[9] Vgl. Trautmann 1991, S. 14.

[10] Vgl. Staiger, Brunhild: „Grundzüge der chinesischen Geschichte“, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Volksrepublik China, Informationen zur politischen Bildung Heft Nr. 198, Berlin 1997 (überarbeitete Neuauflage), S. 3-10, hier S.4.

[11] Vgl. Friedrich, Stefan: „Außenpolitik“, in: Staiger, Brunhild (Hrsg.): Länderbericht China. Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Darmstadt 2000, S. 103-134, hier S. 104/105. 

[12] Vgl. Staiger 1997, S. 5.

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl. Friedrich 2000, S. 106/107.

[15] Der berühmteste deutsche Jesuit in China ist der aus Köln stammende Johann Adam Schall von Bell, dessen astronomische Kenntnisse ihm einen derart guten Ruf einbrachten, daß er von der 1644 neu eingerichteten Qing-Dynastie die Leitung des Astronomischen Amtes übertragen bekam. Vgl. Schmidt-Glintzer, Helwig: „Europa in chinesischer Sicht“, in: Mensen, Bernhard (Hrsg.): China, sein neues Gesicht, Nettetal 1987, S. 27-48, hier S. 33.

[16] Vgl. Weggel, Oskar: „Grundlagen der Außenpolitik“, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Volksrepublik China, Informationen zur politischen Bildung Heft Nr. 198, Berlin 1997 (überarbeitete Neuauflage), S. 54-57, hier S. 55/56.

[17] Zitiert nach Schmidt-Glintzer 1987, S. 34.

[18] Staiger 1997, S. 6.

[19] Vgl. Schmidt-Glintzer 1987, S. 36-38.

[20] Vgl. Weggel 1997, S. 56.

[21] Vgl. Tang, Shao-cheng: Deutschlandbilder Chinas von 1870 bis 1989, Frankfurt am Main 1993, S. 28.

[22] Vgl. Schaeff, Michael Peter: Die Außenpolitik der VR China. Bedeutung für die internationalen und deutsch-chinesischen Beziehungen, Weiden/Regensburg 1994, S. 138.

[23] Der Boxeraufstand (1900/1901) war eine vom Kaiserhaus unterstützte Bewegung eines ursprünglich religiösen Geheimbundes gegen alles Fremde, in deren Verlauf zunächst insbesondere christliche Missionarsstationen zerstört und chinesische Christen, später auch Ausländer geplündert und ermordet wurden. Vgl. Gernet, Jacques: Die chinesische Welt, Frankfurt am Main 1979, S. 506/507.

[24] Vgl. Tang 1993, S. 47.

[25] Vgl. Meier-Braun, Karl-Heinz: „So fahre drein mit gepanzerter Faust“, in: KulturAustausch, 48. Jahrgang 4/98, S. 92-95, hier S. 94.

[26] Vgl. Gernet 1979, S. 526/527.

[27] 1917 hatte auch China Deutschland den Krieg erklärt, es kam jedoch zu keinerlei Kriegshandlungen zwischen den beiden Ländern. Vgl. Schaeff 1994, S. 138.

[28] Der Friedensvertrag vom 20. Mai 1921 kennzeichnete den diplomatischen Neubeginn der chinesisch-deutschen Beziehungen. Vgl. Weggel 1997, S. 56.

[29] Im Jahre 1919 begannen einige chinesische Intellektuelle, die von dem halbkolonisierten China erlittene Unterdrückung mit dem kapitalistischen System in Beziehung zu setzen. 1921 wurde in Shanghai die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) gegründet. Seitdem fand der Marxismus unter den jungen Intellektuellen zunehmenden Zuspruch. Vgl. Gernet 1988, S. 540 /541; 546/547.

[30] Chiang Kaisheks Haltung zum Faschismus brachte er am deutlichsten im Jahre 1935 auf einer Versammlung des Geheimdienstes „Blauhemden“ zum Ausdruck: „What China needs today is not an ism that discusses what kind of ideal future China will have, but a method that will save China at the present moment. Fascism is a stimulant for a declining society. Can Fascism save China? We answer: Yes. Fascism is what China now most needs. At the present stage of China`s critical situation, Fascism is a wonderful medicine exactly suited to China, and the only spirit that can save it.“ Tang 1993, S. 122/123.

[31] Vgl. Tang 1993, S. 330.

[32] Vgl. Schaeff 1994, S. 139.

[33] Dieses außenpolitische Leitmotiv negierte die Existenz der jeweils ideologisch entgegengesetzten Staaten Taiwan und der DDR und untersagte diplomatische Beziehungen mit denjenigen Ländern, die diese „nichtexistenten Staaten“ anerkannten. Vgl. Schaeff 1994, S. 140.

[34] Vgl. Weggel 1997, S. 56.

[35] In dieser Phase gelang es, die Wirtschaftsbeziehungen von der Politik abzuschotten. So kamen 1972 - trotz des gespannten politischen Verhältnisses zwischen den beiden Ländern in den vorangegangenen Jahren  - immerhin  sechs Prozent der chinesischen Importe aus Deutschland. Vgl. Maull, Hanns W.: „Primat der Wirtschaft“, in: Die Erben des Gelben Kaisers. China: Weltmacht im 21. Jahrhundert. Partner oder Gegner?, Zeitpunkte 3/97, S. 56-57, hier S. 56.

[36] Vgl. Tang 1993, S. 183/184.

[37] Nach dieser Theorie, welche bis zum Bruch mit Moskau als außenpolitische Leitlinie der jungen Volksrepublik galt, sind nach dem Zweiten Weltkrieg zwei Lager entstanden: auf der einen Seite das imperialistische antidemokratische Lager, dessen Hauptziel darin besteht, die Weltmachtstellung des US-Imperialismus zu erweitern und die Demokratie zu zerstören; auf der anderen Seite das antiimperialistische, demokratische Lager, mit dem Ziel, den Imperialismus zu überwinden, die Demokratie zu konsolidieren und die Überreste des Faschismus zu beseitigen. Vgl. Friedrich 2000, S. 109,116; Schmidt-Glintzer 1987, S. 41/42.

[38] Vgl. Schaeff 1994, S. 142/143.

[39] Vgl. Tang 1993, S. 258.

[40] Vgl. ebd., S. 267.

[41] Vgl. ebd., S. 298/299. Eine Zusammenstellung von Schlagzeilen über die Bundesrepublik in der chinesischen Presse aus der Zeit von 1969-73 findet sich in: Schicke, Joachim: China – Deutschlands Partner?, Frankfurt am Main 1974, S. 245-268.

[42] Ausschlaggebend waren hier im wesentlichen drei Entwicklungen: die Niederschlagung des „Prager Frühlings“ 1968 durch sowjetische Truppen, die zeitgleiche Verkündung der „Breschnew-Doktrin“ von der begrenzten Souveränität sozialistischer Staaten sowie die kurzen Feuergefechte 1969 an der chinesisch-sowjetischen Grenze. Vgl. Friedrich 2000, S. 117.

[43] Vgl. Tang 1993, S. 299.

[44] Geprägt war die Außenpolitik der VR China nun von der sogenannten Drei-Welten-Theorie, nach der die USA und die Sowjetunion die erste Welt bildeten, die Entwicklungsländer in Asien (die VR China eingeschlossen), Afrika und Lateinamerika und anderen Regionen die Dritte Welt. Aufgrund des Konflikts mit der Sowjetunion suchte Peking mit möglichst vielen Staaten gemeinsam ihre politischen Aktivitäten gegen die Sowjetunion auszurichten. Nicht nur die USA, sondern auch die Staaten Westeuropas gehörten dazu. Vgl. Tang 1993, S. 283; Friedrich 2000, S. 118.

[45] Vgl. Tang 1993, S. 300.

[46] Vgl. ebd., S. 309.

[47] Vgl. Tang 1993, S. 305, 331/332. 

[48] Die Viererbande war eine extrem linke Gruppierung innerhalb des Zentralkomitees der KPCh, die insbesondere in der letzten Jahren der Kulturrevolution die politischen Geschicke des Landes lenkte. Zu ihr gehörten Jiang Qing, die Frau von Mao, sowie die Politiker Wang Hongwen, Yao Wenyuan und Zhang Chunqiao.

[49] Vgl. Tang 1993, S. 314, 327.

[50] Vgl. ebd., S. 321.

[51] Vgl. Weggel 1997, S. 56.

[52] Vgl. Schmidt-Glintzer 1987, S. 43.

[53] Vgl. Weggel 1997, S. 56; Tang 1993, S. 328.

[54] So wurde nach chinesischem Verständnis ein unnormaler Zustand beseitigt, und die Führung in Peking hoffe, daß auf diese Weise der Vormachtanspruch sowohl der USA wie auch der „Sowjetimperialisten“ eingedämmt würde. Vgl. Mann, Otto: „Die Autos, das Bier und die neuen Nazis – so nehmen die Chinesen die Deutschen wahr“, in: Mannheimer Morgen, 2.3.2001, entnommen der Online-Ausgabe unter http://www.morgenweb.de/archiv/02/hintergrund/20010302_chinesen.html.

[55] Vgl. Weggel 1997, S. 56.

[56] „China und sein Deutschlandbild“, in: Fusion 3/99, entnommen der Online-Ausgabe unter http://www.solidaritaet.com/fusion/1999/3/edit.htm.       

[57] Vgl. „China und sein Deutschlandbild“, in: Fusion 3/99.

[58] Vgl. Rohmund, Susanne: „Deutschland von Außen. Die German Connection“, in: Die Zeit, 7.11.1997, S. 36.

[59] Vgl. „China und sein Deutschlandbild“, in: Fusion 3/99.

[60] Vgl. Rohmund 1997, S. 36.

[61] Vgl. Mann, Otto: Mannheimer Morgen, 2.3.2001.   

[62] Vgl. Lorenz, Andreas: „Das geht ans Eingemachte“, in: Der Spiegel, Nr. 18, 30.4. 2001, S. 148/9, hier S. 148.

[63] Mann, Otto: Mannheimer Morgen, 2.3.2001.

[64] Vgl. Rohmund 1997, S. 36.

[65] Vgl. Mann, Otto: Mannheimer Morgen, 2.3.2001. Die chinesische Führung rechnete es den Deutschen jedoch hoch an, daß Bundeskanzler Gerhard Schröder als erster westlicher Regierungschef in die VR China reiste, um sich für die Zerstörung der chinesischen Botschaft zu entschuldigen.

[66] ebd.

[67] ebd.

[68] Liang Fengniao: Yisi bu gou deguoren (Die sorgfältigen Deutschen), Peking 1997, S. 70/71.

7. Autor und Copyrighthinweis

Dieser Beitrag wurde von Birte Klemm am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hamburg im Jahr 2001 erstellt.

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chinaweb.de, Juli 2007